Heaven And Hell - Radio City Music Hall Live 2007 CD/DVD

Review

HEAVEN & HELL sind gelebte Geschichte, sozusagen Rocklegende zum Anfassen. Wer noch nichts davon gehört oder gelesen hat (was ich schwer vorstellbar finde): HEAVEN & HELL sind die BLACK-SABBATH-Besetzung der Alben „Mob Rules“, „Live Evil“ und „Dehumanizer“, also Tony Iommi, Geezer Butler, Vinnie Appice und Ronnie James Dio. Rechnet ruhig mal zusammen – da stehen 232 Jahre auf der Bühne, fast ein Vierteljahrtausend!

Natürlich hat man H & H vorgeworfen, sich aus Gründen der Geldgier wieder zusammengefunden zu haben, und wird es ihnen auch weiterhin vorwerfen. Sehr realistisch finde ich diesen Vorwurf nicht. Was haben diese Herren nach unzähligen Alben, deren Tantiemen ihnen alleine mehr Geld einbringen wird, als sie in ihrem restlichen Leben noch ausgeben können, noch zu beweisen? Nichts, und nötig haben sie auch nichts. Es muss also durchaus eine Menge Spaß an der Sache dahinterstecken, und diesen Spaß sieht und hört man auch – hier exemplarisch an einem Konzert im März 2007 aus der New Yorker Music Hall.

Stilvoll und passend zum Bandnamen besteht das Set aus zwei Teilen, einem himmlischen und einem höllischen. Ehrlich gesagt finde ich beide sowohl himmlisch als auch höllisch. Himmlisch gespielt, himmlisch dargeboten, von Dio mit seinen unfassbaren 65 Jahren himmlisch genial gesungen – und mit einer höllisch intensiven Atmosphäre gesegnet, höllisch tight und kompakt. Einige Songs haben selbst BLACK SABBATH nie zuvor live gespielt, und trotzdem besteht fast die gesamte Setlist aus Klassikern: „After All (The End)“, „The Mob Rules“, „Children Of The Sea“, „Lady Evil“, „I“, „The Sign Of The Southern Cross“, „Voodoo“ und das neue Stück „The Devil Cried“ im ersten Set, eine fabelhafte Version von „Computer God“, „Falling Off The Edge Of The World“, „The Shadow Of The Wind“ (ein weiteres neues Stück), „Die Young“, „Heaven And Hell“, „Lonely Is The Word“ und ein spektakulärer Abschluss mit „Neon Knights“ im zweiten Set. Insgesamt halte ich das für eine ausgewogene und intelligente Setlist, die mit fast zwei Stunden Spielzeit wirklich keinen Raum zum Meckern lässt.

Besonders auffällig ist, wie gut die vier Musiker nach fast fünfzehn Jahren Pause harmonieren, wie dynamisch sie gemeinsam agieren, wie sehr sich der individuelle Stil jedes Einzelnen durchsetzen kann. Daran ist auch der wirklich transparente, sehr druckvolle und angenehm basslastige Sound schuld, der eine Ahnung davon vermittelt, wie laut und heavy das Liveerlebnis in der Radio City Music Hall gewesen sein muss. Diese Venue, ursprünglich ein Theater und in den 30er Jahren gebaut, bietet genug Platz für den gigantischen Bühnenaufbau im Stil einer mittelalterlichen Kirche, deren Fenster mittels Beamern bei jedem Song individuell bestrahlt werden. Die gesamte Bühne ist angenehm sparsam und atmosphärisch beleuchtet und wirkt gerade deshalb so viel eindrucksvoller, als megalomane Aufbauten anderer Bands es mit erheblichem Mehraufwand könnten.

Der Doppel-CD-Version fehlt natürlich der visuelle Eindruck, den ich durchaus sehr interessant und essentiell finde, ist trotz allem aber noch empfehlenswert, zudem die Aufmachung schick und die Spielzeit mit einer Stunde pro CD großzügig ist. Trotz allem würde ich jedem, der diese Band noch nicht live gesehen hat (und vielleicht auch nie wieder die Gelegenheit dazu bekommt), zum Kauf der DVD raten. Diese bietet außerdem eine gute halbe Stunde voller Extras (ein 20-minütiges Roadmovie, eine kurze Vorstellung der Musiker, eine Führung durch die Radio City Music Hall und eine Vielzahl von Fan-O-Tönen), die nicht zu verachten sind. Bild- und Farbqualität sind sehr gut, die Kameraführung bodenständig und angemessen – alles in allem ein Genuss.

Im Grunde widerstrebt es mir, das Wort „Kult“ in den Mund zu nehmen, aber es bleibt wirklich nichts anderes übrig. Vier außergewöhnliche Musiker, wandelnde Legenden, dreizehn klassische Metalsongs (die beiden neuen Stücke sind nicht schlecht, besser als die vom letzten BLACK-SABBATH-Studioalbum „Forbidden“ und fügen sich auch gut ein, allerdings fehlt ihnen natürlich die Veredelung der Jahre) – das ist einfach Kult. Wer irgendetwas mit BLACK SABBATH oder DIO anfangen kann, möge einen Sprint hinlegen und sich DVD und oder 2CD zulegen.

16.08.2007

Der metal.de Serviervorschlag

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