
Soundcheck Februar 2026# 2
Bei WORM hat sich seit ihrem letzten vollständigen Album „Foreverglade“ einiges getan. Auch bis dahin herrschte bei der Truppe aus Florida zwar keinesfalls Stillstand und man hatte seinen sumpfigen, angeschwärzten Doom-Death stets um einige Nuancen erweitert. Der an den symphonischen Black Metal der späten 90er angelehnte Sound, der einem nun auf „Necropalace“ um die Ohren bläst, dürfte besonders Fans der Frühwerke trotzdem erstmal ziemlich verdutzt zurücklassen.
Hat jemand „Mourning Palace“ gesagt?
Ganz über Nacht hat diese Verwandlung vom Sumpfmonster zum Edel-Vampir allerdings nicht stattgefunden. Denn nach „Foreverglade“ hat sich Mastermind Phantom Slaughter mit Gitarrist Philippe Tougas aka Wroth Septentrion (u. A. CHTHE’ILIST, FUNEBRARUM, ZEICRYDEUS) einen Komplizen an Bord geholt, der seither deutliche Spuren im Sound von WORM hinterlassen hat. Schon die „Bluenothing“-EP (2022) sowie die famose „Starpath“-Split (2023) mit DREAM UNENDING zeigten eine noch stärkere Hinwendung zu schwarzmetallischen Elementen sowie progressiv verspielten Gitarren, die nun auf dem vierten WORM-Album ihre logische Fortsetzung findet.
Der als erste Single veröffentlichte Titeltrack und der dazugehörige Videoclip tragen die 90er Symphonic-Black-Metal-Vibes natürlich erstmal mit dem großen Buttermesser auf. Man fühlt sich augenblicklich ins Jahr 1997 zurückgeworfen, als DIMMU BORGIR mit „Enthrone Darkness Triumphant“ und ihrem Hit „Mourning Palace“ bei der Trveheimer-Brigade erstmals für Schnappatmung sorgten. Das Durchbruchsalbum der Norweger spannte damals die Brücke zwischen dem verschrobenen Sound der Anfangstage und dem später komplett aus dem Ruder laufenden Bombast, für den die Dimmus (nicht ganz zu Unrecht) oft kritisiert werden. WORM nehmen sich diesen Sound sowie die Theatralik früher CRADLE OF FILTH als Ausgangspunkt für „Necropalace“, ergehen sich dabei aber keinesfalls in bloßer Heldenverehrung oder fauler Imitation, sondern reichern das Ganze fleißig mit weiteren Zutaten aus dem erweiterten Metal-Kosmos an.
Allein besagter Titeltack ist mit Leadgitarren und Soli gespickt, die von leicht progressiv bis hin zu klassischem 80er Shredding reichen, während die kurzzeitige Drosselung des Tempos im Mittelteil sowie der Wechsel von schwarzmetallischen Schreien hin zu tiefen Growls auf die Wurzeln von WORM verweist. Auch im weiteren Verlauf darf man besonders ob der famosen Gitarrenarbeit, bei der besonders die leicht schrägen Leads einen ganz eigenen Charme vermitteln, mit den Ohren schlackern, während tiefstimmige Spoken-Word-Passagen das Ganze mit Horrorfilm-Vibes durchsetzen. „Halls Of Weeping“ bezieht zudem archaische Kerker-Synths und Elemente aus dem 80er Gothic Rock mit ein, welche für eine wunderbar schwummerig vernebelte Atmosphäre sorgen.
„Necropalace“ ist ein Fest für Gitarrenfreaks
„The Night Has Fangs“ zeigt darauf in der Tat Zähne, brettert nach einem verheißungsvollen Vorgeplänkel mit ordentlich Karacho aus der Gruft und ergeht sich dabei in einer Melodieverliebtheit, die bisweilen an CHILDREN OF BODOM bzw. an europäischen Power Metal erinnert. Das 12-minütige „Dragon Dreams“ gibt sich mit flächigem Keyboardeinsatz, Pauken, Orgeln, neoklassischen Gitarrenabfahrten und tiefen Gesangspassagen so opulent wie erhaben und überzeugt durch seinen mitreißenden dramatischen Aufbau, bevor „Blackheart“ wieder im Doom und verhallten 80er Gothic Rock wildert, frühe KATATONIA lassen grüßen.
Und als würden Gitarrenfreaks auf „Necropalace“ nicht ohnehin schon auf ihre Kosten kommen, haben sich WORM für das abschließende „Witchmoon – The Infernal Masquerade“ auch noch Saiten-Hexer Marty Friedman in ihr Schloss eigeladen. Der darf sich gemeinsam mit Tougas so richtig nach Herzenslust austoben, doch auch sonst ziehen WORM hier in einer vierzehnminütigen, cineastischen Machtdemonstration alle Register. Augen zu, Leinwand an, Kopfkino!
WORM bewegen sich zwischen Hommage und Eigenständigkeit
Ob man jetzt dem Moder-Sound früherer Alben hinterhertrauert oder nicht, mit „Necropalace“ haben sich WORM selbst übertroffen und präsentieren ihr bisheriges Karriere-Highlight. Das Duo liefert eine gelungene Hommage an den symphonischen Black Metal der 90er ab, ohne dabei zum bloßen Abklatsch eines Stils zu verkommen, der in letzter Zeit wieder ziemlich en vogue zu sein scheint. Das Wildern in verschiedenen Subgenres sowie die fantastische, markante Gitarrenarbeit sorgen dafür, dass WORM trotz klar erkennbarer Vorbilder ihr ganz eigenes schwarzbuntes Gruselabenteuer geschaffen haben und aus der Vielzahl an Nachahmern deutlich herausstechen.
Stimmungsvoll in Szene gesetzt wurde das Teil von Charlie Koryn (MORBID ANGEL), der dem Album einen zwar opulenten aber gleichzeitig angenehm differenzierten und an den richtigen Stellen atmosphärisch verhallten Sound verpasst hat, während sich Tausendsassa Arthur Rizk für Mix und Mastering verantwortlich zeigt. Ein weiteres nettes Detail ist außerdem das Cover-Artwork, welches neben dem angepassten Schriftzug sowohl in Sachen Farbgebung als auch Motiv an das Debüt von NECROMANTIA erinnert und damit ebenfalls einen Wink an Genre-Fans darstellt. Die bekommen mit „Necropalace“ wirklich eine Vollbedienung serviert. Alle anderen ebenfalls.

Worm - Necropalace
Hans Völkel





























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