Metallica
M72 World Tour 2026

Konzertbericht

Billing: Metallica, Gojira, Pantera, Knocked Loose und Avatar (SWE)
Konzert vom 22./24.05.2026 | Deutsche Bank Park, Frankfurt

Pünktlich zum Tour-Stopp von METALLICA im Deutsche Bank Park, oder auch Waldstadion, in Frankfurt sorgt der Wettergott für einen erheblichen Umschwung. Durchwachsene Temperaturen und Regen weichen teilweise fast schon brennender Sonne, was dem einen oder anderen in durstiger Vorfreude auf die Kalifornier einen Platz auf der Krankenbahre beschert. Auch die S-Bahn-Verbindungen wollen im Vorfeld nicht so ganz mitspielen, sodass mehrere Ausfälle hintereinander eine Art Thrash-Metal-Pulk am Hauptbahnhof zur Folge haben.

Windiger Stadion-Sound

Galerie mit 6 Bildern: Knocked Loose - M72 World Tour 2026 in Frankfurt

Von daher schallen die ersten mächtigen Metalcore-Schwingungen von KNOCKED LOOSE bereits aus den Stadioneingängen. Die Bühne ist im 360-Grad-Stil mittig auf dem Feld angelegt, sodass eine Band fast schon zwangsläufig Gefahr läuft, sich ein wenig zu verlieren. Das wird in jedem Fall eine Herausforderung, und zwar für alle. Sänger Bryan Garris geht die Kompensation jedenfalls sportlich an und macht auf dem Rund ordentlich Meter. Leider hat die Truppe aus Kentucky am heutigen Vorabend auch am stärksten mit dem windigen Stadion-Sound zu kämpfen, der die kernigen Riffs einer höchst modernen Bay-Area-Inspiration einfach herausweht. So kämpfen sich zumeist nur das Schlagwerk von Pac Sun und die heiseren Schreie von Garris nach außen. Dennoch bleibt nicht unbemerkt, dass KNOCKED LOOSE inzwischen auch die großen Bühnen bespielen und sich von der monströsen Umgebung nicht einschüchtern lassen.

Setlist:

01. Blinding Faith
02. Don’t Reach For Me
03. Mistakes Like Fractures
04. Piece By Piece
05. Moss Covers All
06. Take Me Home
07. Hive Mind
08. Suffocate
09. Counting Worms
10. Deep In The Willow
11. Everything Is Quiet Now

Galerie mit 17 Bildern: Gojira - M72 World Tour 2026 in Frankfurt

Deutlich mehr als ein Achtungserfolg gelingt schließlich GOJIRA, die zwar zum Opener „Born For One Thing“ insofern enttäuschen, als dass der wechselstimmige Gesang von Frontmann Joe Duplantier ebenso davongetragen wird, doch die Franzosen zeigen sich davon unbeeindruckt und schaffen durch diese konsequente Herangehensweise doch einen gewissermaßen magischen Auftritt aufs Parkett zu zaubern. Der Sound hat gerade aus dem tiefen Unterbauchbereich deutlich mehr Gewicht gewonnen und die leicht untersteuerten Vocals von Duplantier entwickeln im Laufe der Show sogar einen kleinen atmosphärischen Touch. Den körperlich intensivsten Auftritt des Abends liefert derweil dessen Bruder Mario am Schlagzeug, der auf die Hohlkörper eindrischt, als bestünde zwischen den Beiden eine problematische Beziehung. Dieser entpuppt sich darüber hinaus als der Showman GOJIRAs, der am Ende die Menge mit Schildern wie „Macht mal richtig Lärm“ und „Scheisse, ist das geil!“ aus der Reserve lockt. Das geht den ansonsten vielleicht etwas verhalten agierenden Südfranzosen als Gesamtband ein wenig ab, doch die mächtigen Riffs und der fette Groove sitzen, sodass es zum Abschluss fast jeden im Publikum aus den Sitzen reißt.

Setlist:

01. Born For One Thing
02. Backbone
03. Stranded
04. The Cell
05. Flying Whales
06. Love
07. Mea Culpa (Ah! Ca Ira!)
08. Silvera
09. Grind
10. L’Enfant Sauvage
11. Amazonia

Galerie mit 30 Bildern: Metallica - M72 World Tour 2026 in Frankfurt

Nach einer Recyclingpause für Körper und Bierbecher wirkt es einigermaßen überraschend, dass zum ersten Intro-Song von AC/DC „It’s A Long Way To The Top“ auf der Bühne nichts gerichtet zu sein scheint. Die Spannung steigt ganz klassisch mit Ennio Morricones „The Ecstasy Of Gold“ mit originalen Filmszenen von „The Good, The Bad, The Ugly“ – immer wieder ergreifend, bis schließlich das zuletzt typisch gelbe Schlagzeug von Lars Ullrich durch eine Bodenöffnung nach oben fährt und METALLICA mit „Creeping Death“ traditionell as fuck eröffnen. Fernab von perfekt, ist der Sound immerhin aber nochmal eine Stufe besser und das akzentuierte Bay-Area-Riffing kommt mittlerweile ordentlich an. Die entsprechende Essenz der ersten vier Alben wird aber erstmal ein wenig zurückgefahren und kommt erst wieder zu „Ride The Lightning“ zurück aufs Tableau. Beim Titeltrack des 84er-Albums ist dann elektrisierende Stimmung im wahrsten Sinne des Wortes garantiert.

Kein Altherren-Metal

Danach geben sich Lead-Gitarrist Kirk Hammett und Basser Rob Trujillo alleine die Ehre und covern tatsächlich in einer Art Trash-Version TANKARDs „Schwarz Weiß Wie Schnee“. Nicht Eintrachtler schauen sich fragend an, andere brüllen aus voller Kehle mit. Dies markiert prinzipiell auch den Übergang in den zweiten Teil der Show, der ab dem Instrumental „Orion“ auf den Höhepunkt zusteuert. Durch die unter der Bühne entlangwandernden Drums verschafft man der Band auf clevere Art und Weise immer mal ein paar Minuten zum Durchschnaufen, sodass METALLICA hier vordergründig voll durchziehen. Das müssen die Nordamerikaner auch, denn ab dem tonnenschweren Groover „Sad But True“ lechzt die Menge nach Highlights und steuert auf den Siedepunkt zu, insbesondere im bewegungsaktiven Raum direkt um die Bühne herum. Nach „Seek And Destroy“ (bunte Luftballons erinnern etwas schaurig an die Konfetti-Kanone bei KREATORs „Pleasure To Kill“), zentriert sich die Kamera auf Ulrich, der mit den charakteristischen Anschlägen kein Zweifel daran lässt, was das heutige Grand Finale sein wird: „Master Of Puppets„. Das ist kein Altherren-Metal.

Setlist:

01. Creeping Death
02. Harvester Of Sorrow
03. Holier Than Thou
04. King Nothing
05. 72 Seasons
06. Ride The Lightning
07. Kirk And Rob Jam
08. The Day That Never Comes
09. Cyanide
10. Orion
11. Nothing Else Matters
12. Sad But True
13. Battery
14. Fuel
15. Seek & Destroy
16. Master Of Puppets

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Auch wenn wir berichterstattungstechnisch nur zur Show am Freitag mitten im Geschehen sind, soll der Sonntag nicht gänzlich unerwähnt bleiben. Schließlich gastieren METALLICA an diesem Wochenende zwei Tage lang in der Finanzhauptstadt Deutschlands und versprechen für den zweiten Tag ein „No Repeat“-Set. Kein Problem bei dem riesigen Fundus an Hits, welche die US-Amerikaner mitbringen. Mit AVATAR und PANTERA hat man sich auch komplett frischen Support besorgt. Während die Schweden, trotz sengender Hitze, als sympathischer Einheizer fungieren, präsentieren die Texaner die Gegenladung mit überkochendem Testosteron. Dicke Arme an den Gitarren und ein Phil Anselmo, der abseits der Songs nach Roth-Händle und Jack Daniels klingt.

Auch am zweiten Tag bestechend

Galerie mit 30 Bildern: Metallica - M72 World Tour 2026 Zusatzshow in Frankfurt

Derweil bestätigt der Hauptact seine bestechende Form ein zweites Mal. Mit „Whiplash“ ist der Einstand erneut im Sinne eines exklusiven Klassikers gewählt. In der Mitte des Sets jammen sich Hammett und Trujillo diesmal regional etwas weiter entfernt durch „Fast As A Shark“ der Solinger Heavy-Metal-Institution ACCEPT und im zweiten Teil bestechen METALLICA mit Hits wie „Blackened“, „One“ und „Wherever I May Roam“ – selbst das häufig etwas krumm beäugte Cover von „Whiskey In The Jar“ wird dieses Mal frenetisch bejubelt.

Setlist (METALLICA Sonntag):

01. Whiplash
02. For Whom The Bell Tolls
03. The Shortest Straw
04. Until It Sleeps
05. Lux Aeterna
06. Leper Messiah
07. Kirk And Rob Jam
08. Fade To Black
09. Wherever I May Roam
10. The Call Of Ktulu
11. The Unforgiven
12. Whiskey In The Jar
13. Blackened
14. Moth Into Flame
15. One
16. Enter Sandman

Text: Patrick Olbrich (Freitag)

Fotos: Thomas Von Schaewen (Freitag und Sonntag)

28.05.2026

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