
Soundcheck Oktober 2026# 6
Schon das Cover von THRAKIANs Debüt-EP „The Way“ öffnet ein Tor in eine düstere Welt. Ein massiver Turm ragt aus der kargen Landschaft, während sich dahinter eine gewaltige, fast unwirkliche Berg- und Felsformation auftürmt. Zwei einsame Gestalten blicken in diese Szenerie, als müssten sie einen Weg durch eine fremde und bedrohliche Welt finden. Das Artwork greift damit ziemlich genau die Atmosphäre der Musik auf: dunkel, erhaben, rau und voller verborgener Abgründe.
THRAKIAN gehen durch ein düsteres Tor
Die Aufnahmen entstanden im Longwave Studio in Cardiff, und schon die ersten Töne lassen die Herkunft aus Wales beinahe körperlich spüren. THRAKIAN verbinden Doom, Sludge und Post-Metal zu einem Sound, der gleichzeitig brachial und filigran wirkt. Die Songs brodeln wie ein unbarmherziges Meer, bauen Spannung auf und brechen schließlich in weiten Klangflächen an der imaginären Küste. Danach treiben einzelne Fragmente durch den Raum und hinterlassen eine eigenartige Mischung aus Schwere und Weite.
Augen schließen und mit dem Kopf nicken
Gitarrenriffs schweben über zähen Strukturen, während die Rhythmussektion den Stücken ein massives Fundament gibt. Darüber setzt Atanas Kyurkchiev seine Stimme: bedrohlich, rau und mit einer Intensität, die sich direkt ins Gedächtnis fräst. Trotzdem setzt „The Way“ nicht permanent auf maximale Härte. THRAKIAN lassen ihren Kompositionen Luft und schaffen damit Momente, in denen sich einzelne Gitarrenlinien entfalten können. Wer die Augen schließt, entdeckt zwischen all der Wucht erstaunlich viel Atmosphäre – und ertappt sich schnell beim unwillkürlichen Kopfnicken.
Vier Songs bringen es auf eine Spielzeit von rund 35 Minuten. Damit funktioniert „The Way“ definitiv nicht als musikalischer Snack für zwischendurch. Die EP verlangt Aufmerksamkeit und belohnt sie mit jedem Durchlauf ein Stück mehr. Sie erinnert eher an ein gutes Glas Whiskey: Man nimmt sich Zeit, lässt die ersten Eindrücke wirken und entdeckt die eigentliche Tiefe erst im Abgang.
Mit „The Way“ beginnt der Weg
Genau darin liegt eine der Stärken von THRAKIAN. Die Band aus Wales überlädt ihre Musik nicht, sondern lässt den einzelnen Passagen Raum, ihre Wirkung zu entfalten. „The Way“ klingt schwer, ohne statisch zu wirken, und düster, ohne in Monotonie zu versinken.
Mit ihrem Debüt schlagen THRAKIAN einen eigenen Pfad ein. Das Cover zeigt bereits zwei Figuren auf der Suche nach dem richtigen Weg – musikalisch folgt die Band dieser Idee konsequent. „The Way“ markiert einen vielversprechenden Anfang und macht neugierig darauf, wohin diese Reise noch führt.

Jeanette Grönecke































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