Black Crucifixion
Black Crucifixion

Interview

Aus dem hässlichen Black-Metal-Entchen ist ein schöner Gothic-Rock-Schwan geworden. So könnte man die Entwicklung der Finnen BLACK CRUCIFIXION kurz umschreiben. Grund genug mich kurz mit Forn, seines Zeichens Klampfer und Sänger der Gruppe, in Verbindung zu setzen und ihn ein wenig nach den Gründen dieser Entwicklung auszuquetschen.

Black CrucifixionOk, auf geht’s. Lass uns mit eurem neuen Album “Faustian Dream“ beginnen. Was für Reaktionen habt ihr bisher erhalten und, was ich viel wichtiger finde, wie seid ihr selber damit zufrieden?

“Faustian Dream“ wurde innerhalb von zehn Jahren geschrieben und aufgenommen. Wir hatten 18 fertige Songs und die Hälfte davon hat es dann auf das Album geschafft, was bereits zeigt, wie vielschichtig das Material war. Im Endeffekt ist die Musik heute heftiger als 1996, da wir damals weitaus softer klangen.
Wir sind sehr glücklich mit dem neuen Album und die Presse scheint es zu 90% auch zu sein, was für uns eine große Überraschung ist, haben wir doch erwartet ob der Stiländerungen seit 1991 völlig verrissen zu werden.

Wie bereits erwähnt, habt ihr 10 Jahre für die Aufnahmen zum neuen Album gebraucht. Warum so lange?

Es gibt dafür eigentlich keinen besonderen Grund, es ist einfach passiert. Als wir begannen aufzunehmen, war die Metal Szene so anders als heute und wir hatten dadurch einfach das Gefühl, dass wir das Material ein wenig ruhen lassen sollten, bevor wir es aufnehmen.
Rückblickend betrachtet war das genau die richtige Entscheidung, konnten die Stücke so doch noch ein wenig reifen.

Ihr habt als Black-Metal-Band begonnen, aber nun euren Stil in mehr und mehr ruhigere Bahnen gelenkt. Wie kam es dazu?

Du hast Recht, wenn du sagst, dass dieser Wandel nicht über Nacht geschehen ist. Unsere zweite Mini “Promethean Gift“ enthielt bereits die Grundideen, die nun auf dem neuen Album, wenn auch weitaus verbessert, ebenfalls zu finden sind. Für uns ist dieser Wandel also keinesfalls so drastisch, wie für Menschen, die vor “Faustian Dream“ lediglich “The Fallen One Of Flames“ gehört haben.

Bist du denn noch in irgendeiner Art und Weise an der Black-Metal-Szene interessiert?

Privat bin ich das noch ein wenig und unser Klampfer ist sogar ein richtiger Black-Metal-Fanatiker.

Wie kommt es dann aber zu dieser Aussage: “Black Metal is dead. It has been since 1993.“ ?

Nun, dass wurde eher gesagt um die Leute ein wenig zu ärgern. 1993 war die Zeit, in der wir begannen unser musikalisches Spektrum zu erweitern. Das Statement sollte also nicht allzu ernst genommen werden, da ich immer noch einige Bands ernst nehme, die Black Metal spielen oder gespielt haben!

Ich könnte mir vorstellen, dass mit der Änderung im Musikgeschmack auch einige Änderungen in den persönlichen Sichtweisen einhergegangen sind. Was war Anlass dieses Wandels?

Damals, zwischen 1992-1993, wurde ich irgendwie des Black Metals müde, der damals so bekannt und später dann erfolgreich wurde. Zur selben Zeit wurden wir auch offener für Neues, innerhalb der Musik, was man auch hören kann. Natürlich sind wir persönlich in den letzten 15 Jahren sehr gewachsen, wer tut das nicht? Aber diese Gefühle und Emotionen, die wir ausdrücken möchten, kommen noch immer noch von der selben Quelle und ich denke, man kann unsere Black-Metal-Wurzeln immer noch hören, denn wir sind immer noch die selben Typen, die dieselben Motive haben.

Was inspiriert euch denn beim Schreiben der Texte und der Musik und wie komponiert ihr?

Das meiste Material wird von mir geschrieben, aber die gesamte Band spielt eine große Rolle, wenn es um das Arrangieren der Songs geht. Mein Songwriting wird heute nicht mehr von irgendwelchen Bands beeinflusst, da ich nun schon so lange Songs komponiere, geht das auch so. Sicherlich gibt es verschiedene Inspirationsquellen, aber diese sind für mich nur schwer zu erkennen, da ich einfach zu nah am Komponieren bin, um sie entdecken zu können. Aber die meisten Einflüssen kommen sowieso nicht wirklich aus dem musikalischen Bereich.

Hast du denn eine bevorzugte Musikrichtung oder Lieblingsbands?

Ich höre immer noch (oder wieder) sehr viel Metal, Bands wie NAPALM DEATH, SATYRICON, AT THE GATES, MOKOMA, BLACK SWAN(Fin), CARCASS, CELTIC FROST und FLEETWOOD MAC, um dir einen kleinen Einblick zu geben.

Was ist der “Faustian Dream“?. Geht es darum, dass du selber, ähnlich wie Dr. Faust, in deinen Texten sehr viel grübelst und zweifelst? Könntest du kurz etwas zu den Texten sagen?

Die Texte wurden zwischen 1996 und dem Winter 2005 geschrieben, es würde mich also interessieren, ob die Fans den Unterschied erkennen können. Der Großteil meiner Texte erklärt sich meist von selbst und ist sehr einfach zu interpretieren. Auf der andere Seite gibt es natürlich auch einiges Zeugs, bei dem es mehr um das Erzeugen einer Atmosphäre als um das Erzählen einer Geschichte geht. Ich bin kein Poet und kaum eines meiner Wörter ergibt einen Sinn, außerhalb des musikalischen Konzepts.

Eure Musik, das Design des Booklets und auch die Texte vermitteln das Gefühl von Melancholie und Einsamkeit. Geschieht dies mit Absicht und welche Intentionen verfolgt ihr dabei? Die typische “Scandinavian Melancholy“, die so viele finnische Bands ausdrücken möchten?

Ja, es muss etwas Finnisches sein, sei es das Wetter oder die Kultur, die hier so anders sind, als in der südlichen Hemisphäre. Für uns gibt es die skandinavische Melancholie, besonders da wir aus dem sehr hohen Norden, nämlich aus Lappland stammen. Ich denke, dass Design des Album ist in Verbindung mit der Musik sehr wichtig und wir haben da eine gute Kombination gefunden, wie ich finde.

LORDI ist die vermutlich bekannteste Band Finnlands im Moment, zumindest hier in Deutschland. Um ehrlich zu sein, finde ich sie schrecklich. Was denkst du darüber und stehst du generell in Kontakt zu anderen finnischen Bands?

Eigentlich ist Mr. Lordi ein guter Freund von mir, da wir beide aus Rovaniemie, Lappland kommen. Ich respektiere was er tut, ist er schließlich schon beinahe genauso lange wie wir mit BLACK CRUCIFIXION dabei. Er ist also kein Produkt einer multinationalen Plattenfirma. Ich freue mich für ihn, dass er diesen Erfolg hat, auch wenn es nicht die Art der Musik oder die Art der Karriere ist, die ich anstrebe.
Zu der finnischen Metal Szene habe ich so gut wie keinen Bezug, sei es Metal oder Mainstream. Ich kenne noch einige Leute, die in Bands spielen oder für Labels arbeiten, aber eigentlich bin ich ein totaler Außenseiter.

Mir fiel auf, dass auf eurer Homepage keine Gigs angegeben sind. Wollt ihr nicht live spielen oder habt ihr einfach keine Möglichkeit dazu?

Mittlerweile üben wir wieder als “richtige“ Band und es klingt verdammt gut. Wir haben schon Interesse Gigs zu geben, aber wir warten einfach auf das richtige Angebot, mit dem richtigen Klub und dem richtigen Publikum. Das letzte Mal haben wir 1991 ein Konzert gegeben. Wir wollen also nicht einfach ein x-beliebiges Konzert spielen, sondern auf etwas Besonderes warten.

Wer verbirgt sich hinter BLACK CRUCIFIXION? Was für Jobs und/oder Hobbys habt ihr?

Wir alle haben normale Jobs, sind also nicht von der Band abhängig. Ich denke, nur so kann man extreme Musik kreieren, nämlich wenn man künstlerisch unabhängig ist.
Musik ist natürlich unser gemeinsamer Nenner, denn ansonsten sind wir recht unterschiedlich. Einer mag Kampfsport, ein Anderer geht in der Wildnis wandern, ich wiederum genieße Filme, Theater und Kunst.

Ok, das war bereits alles. Letzte Worte?

Wir sind stolz auf “Faustian Dream“ und wollen es den Leuten ans Herz legen, die einmal anderen Metal erleben möchten, als den, der heute andauernd veröffentlicht wird. Besucht unsere Webseite: www.paasto.com/bc und kauft euch “Faustian Dream“ beim Händler eures Vertrauens!

14.11.2006

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