
Das italienische Duo hinter ATLANTIC RIDGE versteht Extreme Metal nicht als Schublade, sondern als Spielfeld für Grenzgänge. Entsprechend laden Giuseppe Emanuele Frisone (Gesang, Texte, Songwriting) und Jacopo Gianmaria Pepe (Gitarre, Bass, Synth und Arrangements) mit ihrem selbstbetitelten Debüt „Atlantic Ridge“ zu einer Klangreise ein. Schon das Cover entzieht sich klaren Genrezuordnungen.
ATLANTIC RIDGE segeln zwischen Black Metal und Funeral Doom
Musikalisch setzt das am 24. April 2026 über Dusktone und parallel über Void Wanderer Productions als Tape veröffentlichte Werk auf eine Verbindung aus atmosphärischem Black Metal und Funeral Doom, ergänzt um post-metallische und ambientartige Texturen. Die sechs Stücke sind eher Klangräume als klassische Songs. Besonders die Nummern „Our Faith Is Our Strength (Tristan Da Cunha)“ und „Contemplating The Vastness Of The Universe (The Gobi Desert, Mongolia)“ verdeutlichen den Ansatz: lange Spannungsbögen, harsche Vocals und ein Wechselspiel aus eruptiver Gewalt und introspektiver Leere.
Zentral für das Album ist der konzeptionelle Überbau. Jeder Titel verweist auf einen realen, abgelegenen Ort – von „Leo Terram Propriam Protegat (South Georgia And The South Sandwich Islands)“ bis „Abandoned Buildings (Pyramiden, Svalbard)“. Die geografischen Marker laden einerseits zur Suche auf der Weltkarte ein und dienen andererseits als assoziative Projektionsflächen. ATLANTIC RIDGE entwerfen eine Art mentale Kartografie aus Isolation, Grenzerfahrung und menschlicher Bedeutungslosigkeit. Der Bezug zum namensgebenden Mittelatlantischen Rücken bleibt indes diffus.
Starke Atmosphäre, aber tackernde Drums
Die große Stärke des Albums liegt in seiner dichten, oft greifbaren Atmosphäre. Gitarrenflächen bauen bedrückende, teils surreale Klanglandschaften auf, während sich zwischen Blastbeats und schleppenden Doom-Passagen immer wieder Momente fast meditativer Ruhe eröffnen. Gerade „The Non-Existent Island (Freezeland)“ zeigt, wie effektiv ATLANTIC RIDGE mit Reduktion arbeiten.
Gleichzeitig offenbaren sich strukturelle Schwächen: Wiederholung wirkt als Stilmittel, verliert sich aber stellenweise in Gleichförmigkeit. Übergänge sind oft vorhersehbar und insbesondere das Drum-Programming von Gabriele Gramaglia bleibt funktional, erreicht aber nicht die organische Wucht eines echten Schlagzeugs – zuweilen erinnert es gar an das Tackern einer Nähmaschine.
„Atlantic Ridge“ ist eine Skizze mit Potenzial
ATLANTIC RIDGE liefern mit ihrem Debüt „Atlantic Ridge“ eine spannende, zwischen 2019 und 2024 entstandene Skizze mit Potenzial. Wer atmosphärischen Black Metal mit Doom-Schlagseite sucht, findet hier eine Mischung, die in weiten Teilen gut funktioniert, sich aber gelegentlich in Unschärfe verliert und mit einem echten Schlagzeug eine Spur besser gewesen wäre.
Wer klare Dramaturgien und sofort zündende Momente erwartet, dürfte auf Distanz bleiben. Für geduldige Hörer:innen mit einem Faible für Grenzgänge zwischen Black Metal und Doom ist die Veröffentlichung empfehlenswert.

Torsten Meierhöfer






























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