Evergrey
Interview mit Tom und Johan zu "The Storm Within"

Interview

EVERGREY haben nicht nur ihr bereits 10. Album „The Storm Within“ veröffentlicht, sondern sind gerade auf Tour und sorgen als Special Guest bei DELAIN für ordentlich Stimmung! Schließlich haben sie ihren 20. Geburtstag zu feiern!

Grund genug, die Band zu treffen und über das Album und die kommenden Jahre zu quatschen. Tom und Johan gaben dabei einige spannende Infos preis.

 

Hallo Tom und Johan! Wie fühlt es sich an, den 20. Geburtstag von EVERGREY zu feiern? Das muss doch ein wahnsinnig tolles Gefühl sein?!

Tom: Also eigentlich feiern wir das nicht. Der Punkt ist, dass es uns überraschte und als wir im Studio waren um die Songs aufzunehmen, waren wir einfach nur glücklich darüber, auch nach 20 Jahren noch im Business zu sein. Schließlich war unsere erste Aufnahme schon 1998. Wenn man darüber nachdenkt, ist das schon eine Leistung und etwas, worauf wir stolz sind.

…darauf könnt ihr wirklich stolz sein. Vor allem im Musikbusiness ist das aufgrund der vielen Veränderungen eine lange Zeit. Und dabei habt ihr noch so viel Kreativität!

Tom: Das stimmt! Wir sind froh darüber, immer noch Musik schreiben zu können, dass wir nach wie vor inspiriert sind und vor allem etwas dabei raus kommt, was die Leute hören möchten. Ich meine, das ist unser erfolgreichstes Album überhaupt. Das ist komisch. Und das obwohl wir nicht viel verändert haben. Aber die Welt änderte ihr Verständnis von uns. Eeeeendlich, nach verdammt langen 20 Jahren. (lacht)

„The Storm Within“ wurde von Fans und Presse zugleich sehr gelobt. Habt ihr so eine euphorische Reaktion erwartet?

Nein, absolut nicht! Wir erwarten gar nichts, sondern wir geben das Beste für jedes Album und machen es letztlich für uns. Das Ergebnis soll immer überzeugend sein und das war es sowohl bei „Hymns For The Broken“ als auch jetzt bei „The Storm Within“. Und das kam wie gesagt überraschend für uns. Die Leute haben uns verstanden – nach acht Alben – sind wir mit den letzten beiden Veröffentlichungen deutlich gestiegen. Und auch wenn manche es nicht mögen, so haben sie sich wenigstens damit beschäftigt. Und das macht uns zu einem Haufen glücklicher Musiker.

Wie verlief denn der Songwriting Prozess oder die Planung des Albums generell?

Johan: Hauptsächlich haben Tom und Jonas übrige Songs von den letzten Aufnahmen ausgearbeitet und neue Tracks geschrieben. Und dann äußerte der Rest von uns seine Meinung dazu.

Tom: Obwohl wir eigentlich gar nicht so viel übriges Material hatten. Vielmehr war es die Inspiration, die uns antrieb neue Songs zu schreiben. Ich glaube Jonas und ich waren einen Monat lang damit beschäftigt, Musik zu komponieren, die geschrieben werden musste. Da war dieser Drang. Und nun haben wir wieder einige Songideen übrig. Es ist insgesamt ein sehr demokratischer Prozess. Jonas und ich machen sozusagen die Basisarbeit und das lieben wir auch.

Interessant zu hören, denn Jonas spielt ja Schlagzeug und dennoch ist es er der, der auf die Melodien kommt…

Johan: Jonas spielt zwar Schlagzeug, ist aber auch ein begnadeter Gitarrist. Er hat dafür also auch ein gutes Verständnis.

Tom: Wir sehen Jonas auch eher als Musiker und nicht nur als Drummer. Ich zum Beispiel spiele ja auch Gitarre und singe gleichzeitig.

Lass uns doch ein wenig über das Albumkonzept sprechen. Was bedeutet denn der Titel „The Storm Within“?

Tom: Ich habe Freunde, die in ihrem Leben durch große Tiefen mussten. Probleme die auch auf die Liebe zurückzuführen sind. Und das inspirierte mich, über das Allein-Sein zu schreiben. Und daraus haben wir dann die Idee gesponnen, wie es sich anfühlen muss, der einsamste Mensch auf einem Planeten zu sein. Genau diese Idee konnten wir in Island visuell am besten umsetzen!

Du bringst mich schon gleich zu meiner nächsten Frage. Warum genau habt ihr Island für die Videos herausgesucht?

Tom: Es ist einfach die Atmosphäre, ein spezielles Gefühl, das wir verspürten. Wir arbeiteten schon früh mit unserem Booklet-Künstler zusammen und haben versucht, diese Aspekte in die Veröffentlichung mit einfließen zu lassen.

Genau diese Stimmung merkt man dem Album auch an. Ich fand die Videos beeindruckend, da sie so ausdrucksstark und gleichzeitig so simpel sind. Es dreht sich eigentlich nur um die Natur – die Steine, das Wasser…

Johan: Richtig! Keine Green-Screens, keine aufwändige Produktion. Nichts davon.

Tom: Einfach nur die Kamera an und „Wow“. Unglaublich beeindruckend!

Dabei seid ihr ja aus Schweden. Hat denn Euer Heimatland auch einen Einfluss auf Eure Musik und die Lyrics?

Tom: Ich denke, die drei bis vier Monate Dunkelheit im Jahr hatten und haben eine Auswirkung auf uns. So wuchsen wir auf. Und dann möchtest du nicht unbedingt vor die Türe und machst eben Musik…oder einen anderen Job. Es geht darum, sich zu entscheiden. Entweder du kaufst dir ein Gewehr oder eine Gitarre.

Zum Glück habt ihr euch für die Musik entschieden!

Tom: In diesem Fall war das eine gute Entscheidung. Obwohl, wir konnten einfach kein Gewehr auftreiben. Das war zu teuer. (alle lacht)

Kommen wir wieder zurück zum Album. Diesmal war es ein großes Konzept, wie ich es dem Pressesheet entnehmen konnte. Möchtest du da etwas tiefer reingehen?

Tom: Nun ja, es dreht sich wie gesagt um das Thema Einsamkeit. Aber auch darum, sich selbst neu zu entdecken, nach vorne zu schauen.

Du siehst Musik also als einen Weg, mit Verlust und Leere im Leben umzugehen?!

Tom: Absolut! Und vielen anderen Menschen geht es wohl auch so.

Johan: Als kreative Person, egal ob Musiker, Maler oder sonst was, verarbeitest du solche Themen immer in deiner Arbeit.

Ihr seid allesamt ein wirklich kreativer Haufen und habt seit 2014 auch ein paar Line-Up-Wechsel gehabt. Jonas und Henrik sind wieder zurück. Kann man das als „Good-Old-Times“-Line-Up bezeichnen?

Tom: Das Ding ist, dass Hannes zu SABATON wechselte und Marcus zu AVATARIUM und wir für zwei Shows in Holland und Belgien dringend neue Musiker brauchten. Und die einzigen Jungs, die ich mir vorstellen konnte, waren eben Jonas und Henrik. Die Zeit war einfach sehr knapp. Bei den Gigs hatten wir eine wirklich tolle Zeit! Und plötzlich merkten wir alle, dass wir genau dieses Gefühl vorher vermisst haben. Danach besprachen wir alles andere, auch über die Gründe, warum sie ausgestiegen sind. Wir haben viel Respekt für uns gegenseitig und die Musik generell. Dies ist ein wichtiger Part in unserem Leben.

Johan: Jeder von uns ist hier aus dem gleichen Grund und das ist heutzutage nicht in jeder Band der Fall. Es geht um den Spaß und wir wollen einfach nur eine gute Zeit haben!

Ihr habt ja auch diesmal wieder Unterstützung bekommen. Floor von NIGHTWISH, deine Frau Carina und der obligatorische Kinder-Chor. War das mit Floor schon lange geplant?

Tom: Es gab in der Tat noch nicht mal den Song, als die Idee aufkam. Meine Frau und Floor tranken Wein und unterhielten sich. Da kam das Thema auf, warum Floor eigentlich noch keinen Gastauftritt hatte, obwohl sie ein großer Fan der Band ist. Und jetzt geht´s Schlag auf Schlag! Das Video mit ihr kommt nächste Woche raus.

Coole Sache, da sind wir mal gespannt! Und deine Frau ist auch wieder auf dem Album zu hören.

Tom: Richtig. Sie ist bei jedem Album zu hören. Wir nehmen sie immer, um die Songs etwas aufzupeppen. Das macht sie wirklich super!

Mit wem würdet ihr denn noch gerne zusammenarbeiten auf Euren Alben?

Tom: Och, da gibt es viele, viele Musiker! David Gilmour wäre doch ne mega Sache!

Johan: Stimmt, er müsste nichts tun. Einfach nur dasitzen und Tee trinken…das würde schon reichen! (lacht)

Tom: Auf der anderen Seite sollten wir aber auch den Kern von EVERGREY nicht vergessen. Wir machen das für uns und wir wollen unsere Fans und uns selbst glücklich machen. Große Namen im Booklet oder kommerzielle Absichten sind zwar schön, aber sie dürfen nicht der Startpunkt für das Songwriting sein.

So, da sind wir auch schon wieder fast am Ende des Interviews. Deshalb erlaubt mir die Frage: Können wir denn mit 20 weiteren EVERGREY-Jahren rechnen?

Tom: Hehe, das wäre extrem doof!

Johan: Wir erwarten erst mal die nächsten 20 Tage.

Tom: …oder die nächsten 20 Minuten. Nein, im Ernst: Wir fühlen uns gerade richtig wohl und wenn es so weiter geht, machen wir das gerne!

Johan: Wir machen einfach weiter, solange wir uns gut verstehen und dieselbe Vision haben und es Spaß macht!

So soll das sein, und nur so ist es ehrlich! Nun, die berühmten letzten Worte an die Fans stehen an.

Tom: Genau! Nun, das Album läuft wirklich super in Deutschland, und das wurde uns schon bei „Hymns For The Broken“ klar. Wir danken allen Fans für das Vertrauen und den großartigen Support! Allein die Shows in 2015 waren auch fast alle ausverkauft und auch heute ist es wieder eine Sold-out-Show. Einfach klasse!

Tom und Johan, ich danke Euch für das Interview und Eure Zeit! Viel Spaß nachher bei der Show! Ich bin gespannt, die neuen Songs live zu hören!

Johan: Gerne, wir danken!

Tom: Ich danke! Jetzt gibt es aber erst etwas zu essen…

16.10.2016
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