Lönndom
Lönndom

Interview

Was war das für eine schwierige Geburt. So sehr ich die Musik des Duos aus Schweden auch mag, man sollte keine verschachtelten Satzkonstruktionen verwenden, wenn man des Englischen nicht mächtig ist. Nach Stunden der Verzweiflung ist es nun aber geschafft, viele interessante, teils abwegige Aussagen wurden getroffen und wie immer ist es an euch, sie zu deuten! Viel Spaß!

LönndomHerzlichen Glückwunsch zu eurem Album, es ist wirklich großartig. Wie seid ihr dazu gekommen ein solches Folkalbum zu machen? Wie würdet ihr eure Entwicklung von ARMAGEDDA über LIK zu LÖNNDOM beschreiben?

Sandström: Danke! Ich würde sagen, dass unsere jetzige Entwicklung durchaus entsprechend unserer Planung verläuft. Da die Zeit hier oben recht langsam vergeht, könnte man sogar sagen, wir haben uns recht zügig entwickelt. Wir denken, wir haben uns mit früheren Projekten so schnell verwirklicht, dass wir die Ziele, die wir damals hatten, bereits zeitig erreicht hatten.

LÖNNDOM wurden langsam geboren, ruhig und ohne Komplikationen. Die Idee hinter diesem Duo ist einfach die, dass wir vertonen wollten, was wir jeden Tag sehen, wenn wir aus dem Fenster schauen: die Natur! Wir sehen diese Welt mit anderen Augen als andere Menschen, weshalb LÖNNDOM so etwas wie unser Sprachrohr ist, in dem wir auch Religion von einem anderen Blickwinkel aus betrachten (Folklore ist zu großen Teilen aus dem christlichen Glauben entstanden). Der politische Hintergrund kann dabei aber ausgespart werden, da weder ich noch Andreas wirklich etwas damit zu tun haben!

Was heißt LÖNNDOM?

Wenn du etwas im Geheimen tust, dann tust du es in LÖNNDOM!

Streng genommen ist “Fälen Från Norr“ euer zweites Album, auch wenn euer Debüt “Hagkomster Fran Nordliga Nejder“ bisher noch nicht veröffentlicht wurde- warum nicht? Worin unterscheiden sich die beiden Alben?

Petterson: Es war geplant, dass “Hagkomster Fran Nordliga Nejder“ zum jetzigen Zeitpunkt erscheinen sollte. Es handelt sich dabei aber um eine EP, nicht um ein Album, und diese sollte ursprünglich bereits während der Zeit, in der wir “ „Fälen Från Norr“ (Fussabdrücke des Nordens) aufgenommen haben, erscheinen. Wir änderten unsere Meinung aber und entschlossen uns direkt das Album zu veröffentlichen, da es einfach leichter ist ein Album als eine EP zu verkaufen. Zu dieser Zeit repräsentierte das Album uns auch einfach besser. Wie dem auch sie, die EP wird dann veröffentlicht, wenn die Zeit dafür reif ist und dem ist im Moment noch nicht so!

Euer Album scheint sehr von der Natur inspiriert zu sein. Würdest du dich als eng mit der Natur lebenden Menschen sehen? Was waren weitere Einflüsse beim Schreiben des Werkes?

P.: Nun, was deine Aussagen über die Natur angeht, so kann ich sie nur bestätigen. Ich muss nur mein Haus verlassen und bin direkt in der Natur, denn ich lebe im Herzen der Wälder, einer Gegend namens Västerbotten, im Norden unseres Landes. Mutter Natur ist großartig, ehrlich, pur, harmonisch und magisch. Sie trägt viele Erinnerungen der Vergangenheit mit sich, für die wir uns interessieren, die wir freudig umarmen und an die wir uns klammern. „Fälen Från Norr“ ist sehr melancholisch und gibt einen Einblick in die Folklore Lapplands und des harten und beeindruckenden Lebens, das dort vor langer Zeit gelebt wurde. Ihre Angst vor Wesen wie Stallo, ihr Respekt vor Stor-Nåjderna (schamanische Zauberer) und ihr Stolz auf ihre Freiheit, die sie diesen riesigen öden Landschaften und ihrem einfachen Leben verdanken.

Was könnt ihr mir über die Aufnahmen zum Album erzählen? Wo und wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?

S.: Die Produktion fand in dem Haus, in dem ich damals gelebt habe, statt, da wir zum damaligen Zeitpunkt kein Studio zur Hand hatten. Normalerweise brauchen wir so zweieinhalb bis drei Wochen im Studio. Bedenkt man, dass der technische Aspekt am Aufnehmen nicht gerade unsere starke Seite ist, dann kann man sagen, dass das Album durch ein Werk des Schicksals in dieser Art und Weise verwirklicht wurde. Wo sich aber nun das Haus, in dem wir aufnahmen, befindet? Es ist Mela Bakustuwoer`n und Stefanos Schmiede in einem kleinen Dorf zwischen dem Esamheten( Berg der Einsamkeit) und Kippswam.

Leider lagen der Promo keine Texte bei, ich würde euch also bitten, ein wenig näher auf diese einzugehen!

S.: Die Texte behandeln die Natur aus einem bestimmten Blickwinkel, genau das ist das Thema unserer Band. Wir leben nun mit einer harmonischeren Einstellung zum Leben, verglichen mit den Menschen, die wir im Frühling unseres Lebens darstellten. Dafür erhalten wir nun Zugang zu einer tiefen und großen Quelle an Inspiration. Um das Leben so zu ehren, wie wir es tun, ist es das Beste, einmal auf die Geschichte der Menschheit zurückzuschauen, mit allem was zählt, sowie aus der Zukunft, die vor uns liegt, wenn es die Höchsten wünschen, zu lernen. Wir empfangen die Stärke etwas zu ändern aus uns selbst, um so unseren inneren Kompass unser Handeln steuern zu lassen, um uns selber zu finden, in der Mitte dieser Gesellschaft, die zu oft mentale Mauern in uns aufbaut. Wir wollen der Natur mit unser Lyrik eine Seele geben, die atmet und arbeitet. Ich denke nicht, dass die Natur lebendig ist, aber sie lebt und atmet dennoch. Aber indem man die Vergangenheit zum Leben erweckt und ihr ein Gesicht gibt, indem man eigene Ideen und Folklore mit hineinmischt, fühlen wir uns nie in uns selbst gefangen! Hier noch zwei Zitate aus unseren Songs:

“Ripeloukte”: it wanders along the old path’s, that has been long gone forgotten by mankind. There are some movements in these hanging branches, from the wind by those who doesn’t’t leave footprint’s.”

“Ripeloukte II” A longing for a long gone time cries out into the cold air, dying it floats out above a distance without answer. A glimpse from the west faces the dream about the true freedom. Expanding up above landscape and oceans, above mankind and its madness.”
Die Texte sind eine Geschichte, eine Geschichte, in der es Dialoge zwischen der Unterwelt und der unseren gegeben hat (rauer Gesang= Stimmen aus der Unterwelt)

Wir schreibt ihr eure Stücke? Da ihr zwei ja beide für alle Instrumente verantwortlich seid, würde ich gern wissen, ob ihr zusammen oder jeder für sich arbeitet?

S.: Wir wollen nicht mehr preisgeben, wer was auf dem Album gemacht hat, da es nicht darum geht, wem welcher Song quasi `gehört`. Wir lassen es lieber unkommentiert für neugierige Menschen, wie du es bist, auch wenn es in der Zukunft vielleicht wichtig werden könnte. Andreas und meine Ideologien wurden nicht auf dem selben Fundament erbaut, wenn es also ein Song oder dessen Texte erfordern, dann werden wir kenntlich machen, wer ihn geschrieben hat. Soweit es möglich ist, arbeiten wir unabhängig voneinander an unserem Material, was man dem Material aber kaum anmerkt, da wir sehr ähnlich und voneinander abhängig sind, was die Musik angeht. LÖNNDOM würde als Soloprojekt nicht funktionieren.

Nachdem ihr mit LIK scheinbar viel Ärger mit Agonia Rex hattet, habt ihr mit LÖNNDOM bei der Eisenwald Tonschmiede unterschrieben. Fühlt ihr bereits eine Verbesserung und wie kam es zu diesem Deal?

P.: Ich habe das Gefühl, du mischt die Vergangenheit zu sehr mit der Gegenwart und der Zukunft. Zumindest weiß ich nicht, warum diese Agonia, von denen du sprichst, in einem Interview mit LÖNNDOM erwähnt werden sollten. Vielleicht sollten wir für die, die uns zukünftig interviewen wollen, gleich ein paar Punkte klarstellen. Wir beantworten gern Fragen, die LÖNNDOM, Folklore und das Leben im Einklang mit der Natur betreffen. Die Vergangenheit hat aber absolut nichts mit LÖNNDOM und seinen Inhalten zu tun. Was nun Eisenwald angeht, so kann ich eigentlich nur Positives sagen und mir für die Zukunft erhoffen (ich bin mir sicher), dass sie gute Arbeit leisten werden. Eisenwald hat einen Lizenzdeal mit Nordvis für „Fälen Från Norr“. So und nicht anders sieht es im Moment aus!

Und was hat es mit Nordvis auf sich? Gehe ich recht in der Annahme, dass ihr Inhaber dieser Firma seid? Wenn ja, wollt ihr damit nur eure Band promoten oder bestehen Pläne, später auch Werke anderer Bands zu veröffentlichten?

S. Lasst uns immer einen Schritt nach dem anderen machen!

Ich erinnere mich an ein Statement, welches ihr nach dem Split von ARMAGEDDA veröffentlicht habt und das besagte, dass ihr keine Lust mehr auf die (Black-)Metal-Szene habt. Inwiefern haben sich eure musikalischen Einflüsse bis heute geändert? Ich nehme an, dass ISENGARD und STORM eine nicht gerade kleine Rolle gespielt haben?

S.: Wer sind STORM und ISENGARD? Die größten Einflüsse, die uns inspiriert haben, sind meist die kleinsten. Es sind also unbekannte Folk Musiker, Dichter, Pioniere, die oft nur auf Lokalniveau bekannt sind.

Sagt mir, wenn ich daneben liege, aber ihr hattet nach der “Marching Towards Christian Extermination“ Tour ebenfalls Aussagen bezüglich Live Gigs gemacht, nämlich die, dass ihr nie wieder eine Bühne betreten wollt. Hat sich diese Aussage nun mit LÖNNDOM geändert? Wird man euch auf einer Bühne sehen?

S.: Es gibt eine Sache, die der Wahrheit entspricht und zwar die, dass der Mensch sich sein Leben immer zurechtbiegt und plant, ohne zu bemerken, dass das Leben an sich einen eigenen starken Willen hat! Wir versprechen Dinge und leisten Eide ohne die jeweilige Situation völlig überblicken zu können und genau das macht uns Menschen unglaubwürdig, denn wir haben eigentlich überhaupt nichts zu sagen, wenn man sich die höheren Mächte ins Gedächtnis ruft. Meine Anwort auf deine Frage ist die, dass ich dir keine Antwort gebe.

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern also. Wir sieht es mit Nebenprojekten aus? Volle Konzentration auf LÖNNDOM oder Zeit für andere Dinge?

S.: Es gibt Ideen und Material für andere Projekte, diese klingen aber schwach und lasch im Vergleich zu dem, was mit mit LÖNNDOM geschrieben haben!

Da euer Album bereits an der Wende von 2006 zu 2007 veröffentlicht wurde, würde mich interessieren, inwiefern es bereits neue Stücke gibt und was man von diesen erwarten kann?

S.: Die Songs, die wir seitdem geschrieben haben und die den Nachfolger von „Fälen Från Norr“ darstellen werden, werden wohl in zwei Monaten aufgenommen. Was dieses Album von seinem Vorgänger unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir nun fast sämtliche elektrischen Gitarren in den Hintergrund gedrängt, uns dafür sehr auf unsere akustische Seite konzentriert haben. Zwischen A. und mir liegen nun 650 km und wir müssen noch ein wenig am neuen Material feilen! Zusätzlich dazu haben wir noch eine Triologie in der Hinterhand, von der „Hågkomster Från Nordliga Nejder“ den ersten und sehr rauen Teil darstellt. Die folgenden zwei Teile werden dann das Gefühl entstehen lassen, dass man nicht länger Teil der Erde sei. Titel wie „En andlig själv utan kropp/A spiritual soul without lekamen“ und „Norrskensritual/Northernlightsritual“ wurden geschrieben, um das Gefühl der möglichen Flucht in den Norden zu erschaffen, ohne das man zurückgehalten wird.

Ok, damit wären wir soweit fertig. Ich danke euch, für die Antworten, die letzten Worte gehören euch

S.: Danke für die Möglichtkeit in diesem Interview einiges klarstellen zu können! Zum Abschluss möchte ich diejenigen, die das hier lesen, dazu ermutigen, ihre eigene Existenz in Frage zu stellen, denn nur das kann zu gesundem Denken führen, wie ich finde. Solltet ihr allerdings dem Wahnsinn verfallen sein, dann folgt lieber nicht meinem Rat, da ihr dann vermutlich keinen Sinn in eurem Leben finden würdet und diese Erkenntis zu drastischen Schritten führen könnte. Die Welt und die Menschheit schlafen, wenn man sie aus einem spirituellen Blickwinkel heraus betrachtet. Die Menschen trauen sich heutzutage nicht mehr die Stille und Klarheit zu genießen und füllen ihr Leben statt dessen mit Leere in Form von materiellen Dingen und sinnlosem Gerede, nur um diese Stille zu erdrücken. Menschen denken, dass Dinge, die Menschen geschaffen haben, das Größte überhaupt seien und vergessen dabei völlig, dass es die menschliche Schöpfung an sich ist, die der Natur den Rücken zugewandt hat. Ihr seid zu ängstlich, zu träge und zu faul für Veränderungen. Im Endeffekt lebt ihr alle sicher und gemütlich. Klar, ihr könnt so weiterleben und mit dem Strom schwimmen wie jeder Andere auch, wie ein toter Fisch. Aber was für ein Leben ist das und was bleibt von euch in Erinnerung?
„Der, der sich nicht traute seine eigenen Visionen über ein Leben im Einklang mit der Natur zu verwirklichen. Der, der in seiner sicheren Seifenblase lebt und nicht einmal weiß, was der Satz `Erfahrung durch Herausforderung` bedeutet.“ Die Mauer zwischen Mensch und Natur, die wir selber aufgebaut haben, begrenzt das Individuum in uns. Ich sage nicht, dass ich gegen die Herdenmentalität der Menschen bin, aber da diese Mentalität so stark ist, möchte ich mit euch die Vorteile des selbstständigen Denkens teilen. Hör auf die Stimme in dir, meditiere und finde Kraft durch deine innere Stimme. Wie dem auch sei, du kannst ehrlich zu dir sein, wenn du anfängst zuzuhören. Wissen kommt von innen. Durch das Leben sammeln wir Wissen, mit welchem wir nicht immer umgehen können. Dieses Wissen führt zu Weitsichtigkeit und hilft euch dadurch zum Schutz eures Selbst. Der Schlüssel zum Schloss der Weisheit ist innere Kommunikation und dieses Schloss wird geschlossen bleiben, so lange ihr so weiterlebt, wie ihr jetzt lebt.

20.02.2008

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