This Ending
Melodic Death Metal, aber richtig gemacht!

Interview

THIS ENDING haben mit „Crowned In Blood“ ihren neuen Hassbatzen auf die Menschheit losgelassen. Wir haben in Schweden bei Sänger Mårten Hansen nachgefragt: Ist Melodic Death Metal immer noch cool, wer spielt im Video den „Blood King“ und wer ist bei euch eigentlich der Bandpapa? Los geht’s!

Ahoi Mårten, wie geht’s? Was steht bei euch gerade an?

Die Situation ist gut, ich bin von einem Wochenende in Belgien zurückgekommen, wo wir mit meiner Frau und Freunden jede Menge Bands angeschaut haben. Es macht auch Spaß zu sehen, dass so viele Kritiken zu „Crowned In Blood“ wirklich gut waren. Jetzt arbeiten wir daran, Auftritte zu buchen, damit wir endlich wieder live spielen und all die wunderbaren Menschen treffen können, die unsere Musik mögen. So wie es jetzt aussieht, werden wir dieses Jahr ein paar Auftritte geben und im April nächsten Jahres eine kleinere Tour. Wer in der Nähe von Deutschland wohnt, kann uns auf dem Metal Embrace Festival sehen, und in Schweden sind wir auf dem Bulgasal Festival.

Es ist so schön zu hören, dass Melodic Death Metal noch nicht tot ist – daran denke ich jedenfalls, wenn ich „Crowned In Blood“ höre. Ist Melodic Death Metal das Label, das ihr für eure Musik verwendet?

Das freut mich, dass du das sagst, wir haben unseren Slogan „Melodic Death Metal Done Right“. Wir denken also durchaus, dass wir Melodic Death Metal spielen. Aber wir machen das Genre so, wie es meiner Meinung nach klingen sollte. Es sollte Death Metal sein und es sollte melodisch sein, und ich denke, das fasst unseren Sound gut zusammen. Es ist abwechslungsreich, brutal und melodiös. Wir haben einfach versucht, die Seele des Genres beizubehalten, das wir in den 90er Jahren mit der Band A CANOROUS QUINTET mitdefiniert haben. Viele Leute denken wahrscheinlich, dass wir nicht melodisch genug sind, aber viele klare Vocals und übermäßig viele melodische Parts zu haben, ist für mich nicht die Definition von Death Metal.

Ich denke, dass in „Crowned In Blood“ auch viel Black Metal steckt – die Art, wie die Gitarren gespielt werden und der Gesang … andere Einflüsse einzumischen, ist das etwas, worüber ihr nachdenkt, wenn ihr die Songs schreibt?

Richtig, wir wollen immer versuchen, uns selbst herauszufordern und durch das Einbringen verschiedener Ideen Abwechslung zu schaffen. Es spielt keine Rolle, woher sie kommen, solange es zu unserem Sound und der Gesamtheit der Songs passt. Als wir „Crowned In Blood“ schrieben, wollten wir ein bisschen mehr zu unseren Wurzeln und der Art und Weise zurückkehren, wie wir in den 90ern Musik geschrieben haben. Ich denke, es ist uns gelungen, eine großartige Dynamik und unerwartete Wendungen in der Musik zu schaffen. Wenn es Black-Metal-Sound ist, ist das für uns nichts Neues, wir hatten diese Elemente bereits vor 30 Jahren in unserer Musik. Es kann aber durchaus sein, dass es mehr Teile mit Black-Metal-Feeling gibt als auf den vorherigen Platten von uns. Als ich das Lied „Will Of Iron“ zum ersten Mal hörte, fragte ich mich, ob Linus nicht ganz dicht ist. Aber nach einiger Arbeit gelang es uns dann, alle Elemente zu einem unerwarteten Ganzen zu verschmelzen.

Es gibt ja drei Videos/Lyrics-Videos – wer hat die Songs ausgewählt, die ein Video bekommen?

Die Lieder haben wir gemeinsam in der Band ausgewählt. Ich habe definitiv für den Song „Awakening“ gestimmt, da er der letzte auf der CD ist, aber ein wirklich guter und schwungvoller Melodic-Death-Metal-Song. Ich bin der Meinung, dass er mehr Aufmerksamkeit benötigt. Linus wollte unbedingt, dass der erste Song und das erste Video „Birth Of Evil“ sind, und das ist wahrscheinlich eine gute Wahl, da es die Platte mit ihrer Death-Metal-Brutalität und den melodischen Teilen recht gut widerspiegelt, die man von THIS ENDING erwarten kann. Der letzte Song, für den wir uns entschieden haben, war „Will Of Iron“. Er unterscheidet sich so sehr von dem, was wir zuvor gemacht haben, dass wir es für angebracht hielten, ihn parallel zur Veröffentlichung von „Crowned In Blood“ zu veröffentlichen.

In den Liedtexten tauchen Motive wie Krone, König und Böse auf, die in vielen Titeln auftauchen – worum geht es in den Liedtexten? Und was inspiriert euch zum Schreiben?

Ich wollte, dass das Album ein Konzeptalbum wird. Ich habe also Linus meine Ideen präsentiert, der sie für gut hielt. Kurz gesagt geht es um das, was um uns herum in der Welt passiert, was aber angesichts der stattfindenden Kriege noch stärker ins Rampenlicht gerückt ist. Das Konzept basiert darauf, wie ein Tyrann „sein“ Volk beherrschen und kontrollieren kann, indem er den Kontakt zur Außenwelt abschneidet und ein einseitiges Weltbild verbreitet. Der Titel „Lord, Master, King And Emperor – All In One“ bringt es ganz gut auf den Punkt. Es geht um Menschen, die sich auf die eine oder andere Weise für allmächtig halten und sich auf Kosten des Blutes anderer Menschen krönen.

Gegen Ende des Albums gibt es auch Lichtblicke in den Texten, wenn die Massen beginnen aufzuwachen und zu verstehen, was vor sich geht. Daher der Titel „Awakening“ des letzten Liedes. Um den perfekten Ablauf der Platte zu erreichen, konnten wir jedoch nicht alle Texte in chronologischer Reihenfolge haben. Aber da die Platte jetzt fließt, wenn man sie von Anfang bis Ende anhört, habe zumindest ich das Gefühl, dass es noch besser wird, wenn man die gesamte Platte durchhört.

Durchaus! Ihr habt wieder einige Gäste ins Studio verfrachtet, die auf dem Album zu hören sind. Fangen wir mal mit Anders Strokirk von NECROPHOBIC an. Was kannst du darüber erzählen?

Auf der letzten Platte „Needles Of Rust“ haben wir zum ersten Mal damit begonnen, Gäste auf einer Platte zu haben, und das hat gut funktioniert und die Dynamik noch weiter gesteigert. Anders Strokirk war eine Selbstverständlichkeit, da sie auch eine Form von Melodic Death/Black Metal spielen. Wir kennen Anders seit den 90ern und er hat eine coole Stimme, die gut zum Song „Crowned In Blood“ passt.

Ein interessantes kleines Detail ist, dass Tobias Cristiansson, der Bassist von NECROPHOBIC, auch Gaststar im Video zu „Will Of Iron“ ist. Er hat wirklich knallhart daran gearbeitet, unseren „Blood King“ darzustellen.

Dann hören wir auch euren alten Gitarristen Leo Pignon.

Es hat Spaß gemacht, Leo, mit dem wir seit den 90ern immer wieder zusammengearbeitet haben, an Bord zu haben, vor allem weil Englisch seine Muttersprache ist und er den Sprechpart im Intro zu „Crowned In Blood“ perfekt hinbekommen hat.

Wie schaut es mit Joakim Svensson und Stefan Lundgren aus?

Joakim Svensson hat in den Bands, mit denen er gespielt hat, immer sehr gut gesungen, z.B. SKOGEN und BIRDFLESH. Mit seinem Gastauftritt bei „Lord, Master, King And Emperor – All In One“ hat er wirklich einen blendenden Job hingelegt. Außerdem ist er auch ein alter Freund von Linus – man könnte also sagen, dass wir all die wunderbaren Menschen, die wir kennen, ausnutzen, haha!

Na ja, und Stefan Lundgren spielt mit Peter Nagy, unserem Schlagzeuger, in dessen anderer Band MÖRK GRYNING. Er ist ein großartiger Musiker und half bei der Orchestrierung von „Blood King“. Außerdem spielt er auch Rollen im Intro von „Crowned In Blood“.

Ihr habt das Album bei Sverker Widgren in den Wing Studios in Sthlm aufgenommen. Bei „Needles Of Rust“ hatte euer Gitarrist Linus Nirbrant die Aufnahmen selbst übernommen, dieses Mal aber nicht. Warum diese Änderung?

Die letzte Platte „Needles Of Rust“ haben wir tatsächlich auch mit Sverker in den „Wing Studios“ aufgenommen. Allerdings haben wir für beide Platten selbst Bass und Gitarren aufgenommen und Sverker dann den Mix und das Mastering überlassen. Für „Needles Of Rust“ haben wir auch den Gesang selbst aufgenommen, aber für „Crowned In Blood“ bin ich in das „Studio Fluff“ unseres neuen Gitarristen Andreas (Morén; Anm. d. Autors) gegangen, um die Platte einzugrunzen, und das hat sehr gut funktioniert.

Der Grund, warum wir uns entschieden haben, den Aufnahmeprozess seit den ersten drei Platten zu ändern, ist, die Arbeit für Linus zu reduzieren. Wir wollten aber auch, dass neue, frische Ohren unsere Songs und unseren Sound zu hören bekommen. Also haben wir Sverker angehauen, und der hat sich meiner Meinung nach selbst übertroffen. Eine absolut unvergleichlich gute Produktion. Er hat auch das eine oder andere kleine Detail in den Sound einfließen lassen, an das man vielleicht nicht denkt, was ich zu schätzen weiß.

Vielleicht ist es nicht so interessant – Businesskram – aber gibt es einen Grund dafür, dass „Garden Of Death“ (2016) von Apostasy Records veröffentlicht wurde, „Needles Of Rust“ (2021) bei Black Lion Records erschien und ihr jetzt wieder bei Apostasy Records seid?

Der Hauptgrund, warum wir wieder bei Apostasy Records sind, ist wahrscheinlich das echte Interesse und der Veröffentlichungsplan, den sie präsentieren konnten. Als wir „Needles Of Rust“ veröffentlichten, erschienen die verschiedenen Teile der Veröffentlichung dreimal, also erst die CD, dann die Kassette und lange danach das Vinyl. Leider kein ganz perfektes Arrangement. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Wahl von Apostasy Records war, wie gut ihnen die neue Platte gefiel. Bisher haben sie alles gehalten, was sie versprochen haben, und wir hatten alle Teile der Veröffentlichung Wochen vor der Veröffentlichung der Platte. Sie haben uns auch bei der Finanzierung der von uns gedrehten Videos geholfen.

Wie sieht euer Bandleben aus?

Das Bandleben ist recht entspannt, wir treffen uns derzeit regelmäßig und proben. Wenn wir Musik schreiben, tauschen wir auch Ideen untereinander aus und Linus ist sozusagen die Spinne im Netz, wenn es um die Produktion unserer Musik geht. Wir versuchen, uns ein paarmal im Monat zu treffen, aber häufiger, wenn Aufnahmen oder Konzerte anstehen. Wir proben auch in kleineren Konstellationen, um das Ganze zusammenzubringen. Wir wohnen alle verstreut im Großraum Stockholm, abgesehen von unserem Gitarristen Andreas, der ca. 100 km von Stockholm entfernt in Västerås lebt.

Wir treffen uns nicht nur zum Proben, sondern auch zum Abhängen, so dass wir alle privat Freunde sind, könnte man sagen. Linus und ich machen seit über 30 Jahren immer wieder zusammen Musik. Peter und Pettersson (heißt auch Linus, Bass; Anm. d. Autors) sind seit den 90ern alte Freunde, und wir kennen Andreas, würde ich sagen, seit zehn Jahren.

Linus und du beantwortet ja üblicherweise die Interviews, aber wahrscheinlich hat jeder andere Stärken – wie ist die Aufteilung innerhalb der Band?

Abgesehen davon, dass Linus und ich, wie gesagt, normalerweise diverse Interviews beantworten, ist Linus die Spinne im Netz, wenn es um das Arrangieren und Zusammenstellen der Musik geht. Meine Aufgabe ist es, Texte zu schreiben, Liedmelodien und Rhythmen zu kreieren und mir die Übersicht zu verschaffen, wo möglicherweise etwas geändert werden muss, damit das Ganze so gut wie möglich wird.

Linus und ich sind auch diejenigen, die sich am meisten an der Produktion unserer Cover beteiligen, was wir bei den letzten drei Platten zusammen mit Björn Gooßes (Killustrations) getan haben. Die Zusammenarbeit mit ihm war fantastisch und er hat sehr detaillierte Cover erstellt, die ein visuelles Bild von THIS ENDING vermitteln. Peter und Pettersson helfen beim Schreiben von Liedern und bei der Ideenfindung für Arrangements. Peter hilft mir auch dabei, gemeinsam mit mir den Überblick über die Finanzen innerhalb der Band zu behalten, und ist so etwas wie ein Bandpapa.

Andreas arbeitet unter anderem mit dem Booking von Gigs, wird aber auf jeden Fall einen Teil zum Songwriting für das nächste Album beitragen. Als er in die Band kam, war „Crowned In Blood“ nämlich bereits geschrieben. Aber er hat auch jetzt schon dazu beigetragen – wie gesagt, er hatte ja den Gesang in seinem Studio aufgenommen. Mit anderen Worten: Jeder ist auf die eine oder andere Weise beteiligt.

THIS ENDING 2023 (v.l.n.r.): Linus Pettersson (Bass), Linus Nirbrant (Guitars), Mårten Hansen (Vocals), Andreas Morén (Guitars), Peter Nagy (Drums)

Was kommt als nächstes? Können wir euch über die zwei Festivalauftritte hinaus irgendwann live sehen?

Ja, jetzt suchen wir mit voller Kraft nach Auftritten. Wenn ihr also einen Booker oder einen Club kennt, in dem wir spielen sollten, bittet ihn, uns für eine klare Nacht mit richtig gemachtem Melodic Death Metal zu kontaktieren. Und wenn wir im September nach Deutschland kommen, um beim Metal Embrace Festival zu spielen, hoffen wir, an diesem Wochenende noch einige weitere Auftritte in Deutschland geben zu können.

Wir werden im Laufe des Jahres ein paar Auftritte in Schweden geben, und nächstes Jahr planen wir, im April auf eine kleinere Europatournee zu gehen. Wir lieben es, live zu spielen, hoffen also, dass es in Zukunft noch mehr davon geben wird, und freuen uns schon jetzt auf alle bisher gebuchten Auftritte. Wir werden auch bald mit der Arbeit an Songs für das nächste Album beginnen. Für uns ist der Songwriting-Prozess etwas, dem man Zeit geben muss, um so gut wie möglich zu sein.

Das war’s schon, danke für deine Antworten! Die letzten Worte gehören dir!

Danke für das Interview. An alle unter euch, die THIS ENDING noch nicht gehört haben: Ich hoffe, ihr gebt uns eine Chance und hört richtig zu. Unsere Musik ist wahrscheinlich nicht der am leichtesten verdauliche Melodic Death Metal, den man finden kann. Wir freuen uns aber darauf, euch alle kennenzulernen und bei zukünftigen Auftritten ein Bier zusammen zu trinken.

01.07.2024

- Dreaming in Red -

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