Octavia Sperati
Octavia Sperati

Interview

Mit "Grace Submerged" hievt das gemischte Sextett aus Norwegen nun bereits seinen zweiten Longplayer auf den Markt. Anlass genug, um Sängerin Silje mit ein paar Fragen zu löchern. Textliche Inhalte, das Dasein als Band, die zu fünf Sechsteln aus Frauen besteht und, und, und… die Musikerin zeigt sich offen und freundlich und bringt ein wenig Licht ins Dunkel.

Octavia SperatiHallo die Damen, hallo der schlagzeugspielende Herr! Wie sind denn die bisherigen Reaktionen der Presse auf euer zweites Album ausgefallen, Silje?

Hallo! Bisher ziemlich gut! Die meisten Schreiber haben die CD allerdings erst vor kurzem erhalten, daher dürfte der Großteil der Reviews erst noch kommen.

Was sind deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen dem ersten Album „Winter Enclosure“ und dem neuen Werk „Grace Submerged“?

Wir haben uns alle als Musiker und im Gesamten als Band weiterentwickelt und wissen nun besser, was wir mögen und was nicht. Die Songs auf der neuen Scheibe sind heavier und ein wenig „rockiger“ ausgefallen, wobei der Doom-Einfluss nach wie vor präsent ist. Wenn man schon für drei Veröffentlichungen (die EP „Guilty“ mitgezählt – Anm. d. Verf.) im Studio war, kristallisiert sich so langsam heraus, was man mag und nicht mag. Selbstverständlich verändert man sich selbst ebenfalls als Musiker. Wir machen einfach die Musik, die wir mögen, und wenn sechs Leute ihre Persönlichkeit in die Musik einbringen, kommt sowieso nie das raus, was man erwartet, hehe…

Der Bandname ist ja nicht gerade besonders gewöhnlich. Bitte erzähl uns doch ein wenig über die Bedeutung von „Octavia Sperati“.

Der Name war die Idee unserer Bassistin Trine und stammt aus dem Römischen Reich. Octavia Sperati war die beliebteste Schwester Kaiser Augustus‘. Sie war weise, schön und stark, laut Augustus eine „Perle“ unter den Frauen. Eine Rivalin für Cleopatra – sie war genau so schön, wenn nicht sogar schöner, und die Geschichte besagt, dass sie genau so clever war wie ihr berühmter Bruder. Octavia wurde von den Menschen des Römischen Reiches geliebt und bewundert – sozusagen von ganz Europa, wie es damals war. Wir mochten die Idee, den Namen einer Frau zu benutzen, die Stärke und Integrität in dieser großen Ära symbolisiert hat.

Als wir feststellten, dass es noch eine andere Band namens OCTAVIA gibt, haben wir den „Nachnamen“ einer anderen Octavia angehängt, Octavia Sperati. Sie war eine Schauspielerin im örtlichen Theater und spukt nun dort umher. Normalerweise benutzen wir nur die Kurzversion unseres Bandnamens, aber offiziell lautet er OCTAVIA SPERATI.

Selbst euer Plattenlabel hat Schwierigkeiten, eure Musik zu kategorisieren. Wie würdest du mit eigenen Worten OCTAVIA SPERATIs Musik beschreiben?

Ich finde, Candlelight beschreiben das, was wir tun, ganz gut. Aber ich glaube, Dom Lawson vom Kerrang! hat es in einem Review gut auf den Punkt gebracht: „Extravaganter, dramatischer Doom mit Rock’n’Roll im Herzen“. Hm, es ist schwierig, seine eigene Musik zu beschreiben, zumal wir nie versucht haben, uns selbst in ein Genre einzuordnen. Wir wissen, was wir nicht mögen, aber mit sechs Leuten in der Band, die allesamt kreativ involviert sind, ist es schwierig, Grenzen zu ziehen. Somit machen wir einfach die Musik, nach der uns ist.

Klar musste es so kommen, dass auch ich das Thema aufgreife, aber anhand der Tatsache, dass ihr bis auf euren Schlagzeuger eine komplett aus weiblichen Mitgliedern bestehende Band seid, würde ich gerne mal wissen, was diesbezüglich die dämlichste Frage war, die man euch gestellt hat?

Ich glaube, die Frage, wie es denn sei, eine Band bestehend aus Frauen zu sein, ist so ziemlich die dümmste Frage. Man fragt ja auch keine Männerband, wie es ist, eine Männerband zu sein, haha! Die Leute sind allerdings regelrecht schockiert, wenn sie sehen, wie wir unser Equipment selbst tragen und aufbauen.

Tja… Vorurteile eben. Ist es trotzdem manchmal ein Vorteil für euch, oder seid ihr generell „eine Band wie jede andere auch“? Behandeln euch die Leute aus dem Musikbiz und die Fans anders als eure männlichen Kollegen?

Jein. Natürlich sind viele sehr skeptisch, aber das verschwindet schnell, wenn sie uns sehen und kennen lernen. Man kann natürlich nicht leugnen, dass diese Musikszene sehr männerdominiert ist, aber was sollen wir denn tun, außer wir selbst zu sein? Es kann natürlich von Vorteil sein, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, aber andererseits müssen wir leider um so mehr beweisen, was in uns steckt – und dass wir eigentlich auch „nur eine Band“ sind.

Kommen wir zum Album zurück. Welche Bands haben euch beim Komponieren von „Grace Submerged“ am meisten beeinflusst?

Wie ich schon sagte, sind wir ja zu sechst, und alle haben unterschiedliche musikalische Einflüsse, aber generell glaube ich, dass Bands wie BLACK SABBATH, TYPE O NEGATIVE, SLAYER, PANTERA, all die großartigen norwegischen Black Metal-Bands wie ENSLAVED, DARKTHRONE, IMMORTAL und EMPEROR, aber auch CLUTCH uns alle mehr oder weniger beeinflussen, wobei diese Bands auch nur einen Bruchteil dessen darstellen.

…was eure Musik um so interessanter macht, wie ich finde. Wovon halten die Texte auf „Grace Submerged“ denn so? Was hat es mit dem Albumtitel und dem Cover auf sich?

Wir sind keine politische Band, aber es ist verdammt schwierig, davon nicht beeinflusst zu werden, gerade auch, wenn man die Nachrichten sieht oder liest. Es sind hauptsächlich die religiösen Kriege zwischen wirtschaftlich und kulturell armen Ländern gegen den Rest der Welt, wegen welchen ich mich nur schwer zurückhalten kann. Aber gleichzeitig ist Meinungsfreiheit gefährlich. Letztendlich leiden diese unglücklichen und mittellosen Menschen unter diesen Kriegen, wobei sie manchmal aufgrund mangelnden Wissens gar nicht wissen, wogegen sie eigentlich kämpfen.

Wie du siehst, geht auf dem Plattencover die Erde unter. Der Mensch hat die Fähigkeit, all das Schöne um ihn herum, um uns alle herum, zu zerstören, sowohl physisch als auch psychisch, und so möchten wir das Cover verstanden haben. Das mag arg klischeehaft klingen, aber für mich erscheint das alles sehr real.

Außerdem sind zwei der Songs des neuen Albums von unserer ersten EP. Ich hatte damals eine üble Zeit, da eine mir sehr nahe stehende Person Selbstmord beging. Diese Person stand auch drei weiteren meiner Bandkolleginnen sehr nahe, und die Texte auf erwähnter EP spiegeln mich in der damaligen Situation wider. All meine Texte sind demnach auf verschiedene Weise sehr persönlich.

Einige Songs sind ja fast schon Singer-/Songwriter-artig, beispielsweise „Don’t Believe A Word“. Scheint ein sehr, sehr persönlicher Song zu sein, oder?

Hihi… der Song wurde von Phil Lynott geschrieben und ist ein THIN LIZZY-Cover. Unsere Keyboarderin und ich haben den Song überarbeitet. Wir wollten auf dem Album eine kleine Verschnaufpause haben, und wir dachten, dass unsere Interpretation dieses Songs wunderbar dafür geeignet war.

Argh, Asche über mein Haupt. Na ja, in ein Fettnäpfchen muss ich ja auch mal reintreten, damit ich weiß, wie sich das anfühlt. Ich muss aber zu meiner Entschuldigung sagen, dass ich mit der Geschichte THIN LIZZYs nicht all zu vertraut bin und mir auch keine Infos vorlagen. Sei’s drum, da habt ihr mich kalt erwischt, hehe…

Wie schaut es denn bezüglich Liveaktivitäten aus?

Wir warten gerade darauf, eine Europatour bestätigt zu bekommen, und ich glaube, dass auch Deutschland mit auf der Gigliste ist. Wir haben noch nie bei euch gespielt, und dagegen müssen wir auf jeden Fall dringend etwas tun, hehe…

Hoffen wir das Beste. Nun, für die Musikrichtung, die ihr spielt, sind die Songs ziemlich kurz. Manche von ihnen sind gerade mal poppige dreieinhalb Minuten lang. War das beabsichtigt? Oder kam das einfach ganz natürlich?

Das war mir gar nicht bewusst! Demnach ist das nicht geplant, aber wir versuchen, die Songs nicht all zu lang und damit langweilig werden zu lassen. Wenn wir allerdings mal einen Song schreiben sollten, der 18 Minuten lang ist und gut kommt, dann hätten wir auch kein Problem damit.

Ich auch nicht, hehe. Beobachtet ihr eigentlich, was in der Musikszene passiert? Oder machen OCTAVIA SPERATI ihr ganz eigenes Ding?

Ich hoffe doch sehr, dass wir unser eigenes Ding machen – aber ich glaube, wenn man heutzutage in der Musikszene überleben will, sollte man die Szeneentwicklung schon irgendwie im Auge haben.

Was denkst du denn so über den Reunion-Wahn, der momentan mal wieder komplett außer Kontrolle gerät? Gibt es Reunions, die du völlig überflüssig findest – oder auf die du schon ewig gewartet hast und nun glücklich darüber bist?

Hehe, du sagtest schon selbst: „Reunion-Wahn„. Ich glaube, das liegt an den schlechten Zeiten, die das Musikbiz durchlebt. Die alten Herren brauchen Geld und müssen sich wieder zusammen tun, um ihre Konten wieder aufzufüllen. Teilweise verstehe ich sie. Ich meine, das ist ihr Lebensinhalt, manche wissen ja nicht mal, was sie sonst tun sollten. Und einige Fans haben diese Bands noch nie gesehen, als sie jünger waren, somit ist es für die doch großartig, die Bands nun zu sehen.

Ich finde, HEAVEN AND HELL ist eine Reunion der guten Sorte, zumal ich finde, dass die Jungs diese Anerkennung verdient haben. Schau doch, sie haben diesen ganzen Hard Rock-Kram (der später zum Metal wurde) mit initiiert, und egal, was ist: wir schulden ihnen eine ganze Menge. Und Tony Iommi hat so verdammt hart daran gearbeitet, BLACK SABBATH mit unzähligen verschiedenen Line-Ups am Leben zu erhalten.

Auf jeden Fall! Ich danke dir vielmals für deine Zeit für metal.de, Silje. Hast du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser?

Vielen Dank!

10.05.2007

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