Static-X
"Wenn man vorbeigelaufen wäre, hätte man nur gehört, wie auf Holz geklopft wird."

Interview

Wir haben mit Static-X über das 25-jährige Jubiläum von „Wisconsin Death Trip“, den Entstehungsprozess und die anhaltende Bedeutung des Albums im Industrial-Metal gesprochen.

Hey, willkommen bei metal.de. Heute sprechen wir mit Tony von STATIC-X über das 25-jährige Jubiläum von „Wisconsin Death Trip“. Schön, dass du dir Zeit nimmst. Wie geht es dir aktuell?

Danke, mir geht’s gut. Ich bin seit etwa einem Monat nicht mehr auf Tour, aber wirklich ruhig wird es trotzdem nicht. Zu Hause gibt es immer genug zu tun, und diesen Monat stehen auch noch ein paar Shows mit meinem Sideprojekt an.

Wie viele Shows sind das?

Nur zwei. Eine in Mexiko-Stadt an einem Samstag und eine hier in Los Angeles, am Freitag davor.

Wenn du heute, 25 Jahre später, auf „Wisconsin Death Trip“ zurückblickst – was bedeutet dieses Album für dich inzwischen?

Es ist ehrlich gesagt kaum zu fassen. Dass etwas, an dem man vor 25 Jahren beteiligt war, heute noch Menschen erreicht und ihnen immer noch Spaß macht, ist ziemlich verrückt. Es fühlt sich immer noch unwirklich an.

Hattest du damals das Gefühl, dass ihr gerade ein Album aufnehmt, das später als Meilenstein des Industrial Metal gelten würde?

Nein, absolut nicht. Ich war total im Moment gefangen. Wir haben die Platte aufgenommen, aber ich hatte parallel noch meinen Job. Ich war tagsüber im Studio und bin danach zur Arbeit gegangen. Es war wie ein Doppelleben – tagsüber Rockstar-Fantasie, nachts Realität. Ich habe meinen Job tatsächlich erst etwa eine Woche vor der ersten Tour aufgegeben. Erst dann wurde alles richtig surreal.

„Wisconsin Death Trip“ hat diese besondere Mischung aus Industrial Metal und fast schon punkiger Energie. Wie hat sich dieser Sound damals entwickelt?

Als ich angefangen habe, mit den anderen zu jammen, waren die Songs noch recht thrashig. Die Band kam ursprünglich aus einer Thrash-Ecke und bewegte sich gerade mehr in Richtung Grunge. Manche Songs waren aggressiver, andere dreckiger und grooviger. Mir hat gefallen, dass wir ständig mit Stilen experimentiert haben. Ich komme selbst aus den Bereichen Death Metal, Thrash und Hardcore Punk – das sind die Sachen, mit denen ich aufgewachsen bin. Es war cool, all das einfließen zu lassen.

Irgendwann hatten wir sogar eine richtige Punk-Phase und haben BLACK FLAG- oder CIRCLE JERKS-Cover gespielt. Und dann kam dieser Moment: Drum Machine, Gitarrenriff – und wir dachten uns, lass uns MINISTRY und PRONG ein bisschen auseinandernehmen. Das war der Punkt, an dem wir gesagt haben: Das ist es. Und dabei sind wir geblieben.

Was war damals die größte Herausforderung im Studio?

Eigentlich das komplette Album. Es war unser erstes richtiges Studioalbum auf diesem Level. Einige von uns hatten zwar schon Erfahrungen gesammelt, aber nicht in dieser Größenordnung. Für mich war es komplett neu – vorher hatte ich nur Demos in eher fragwürdigen Hinterhof-Studios aufgenommen.

Besonders die Drums waren eine Herausforderung. Wir haben sie zuerst im Proberaum aufgenommen, aber nicht klassisch. Stattdessen wurden selbstgebaute Trigger aus Holz und Elektronikteilen benutzt. Wenn man vorbeigelaufen wäre, hätte man nur gehört, wie auf Holz geklopft wird. Alles wurde per MIDI auf einem alten Macintosh aufgenommen. Später im Studio haben wir damit Samples getriggert, und die Becken wurden dann live eingespielt. Ein ziemlich umständlicher Weg, aber so haben wir es damals gemacht.

Gibt es Studioanekdoten aus dieser Zeit, die Fans vielleicht noch nicht kennen?

Ich glaube, die meisten guten Geschichten sind inzwischen bekannt. Zum Beispiel, dass Gesang auch mal nackt aufgenommen wurde oder, dass wir ständig Sushi bestellt haben, ohne wirklich darüber nachzudenken, dass das alles vom Budget abging. Typischer Studio-Wahnsinn.

Für die 25th-Anniversary-Edition wurde das Album neu aufgelegt. Worauf lag dabei der Fokus?

Es wurde nicht nur remastered, sondern komplett neu gemixt. Der ursprüngliche Produzent ist dafür noch einmal zurückgekommen und hat am Sound gefeilt. Jetzt klingt alles größer, druckvoller und einfach moderner. Es ist cool, das Album mit diesem neuen Glanz noch einmal zu hören.

Es gibt auch unveröffentlichte Tracks und Demos. Wie habt ihr entschieden, was auf die Anniversary-Edition kommt?

Wir haben einfach alles zusammengesucht, was noch übrig war. Viele B-Seiten hatten wir schon früher veröffentlicht, aber das restliche Material lag noch herum. Jetzt ist im Grunde alles draußen.

War es emotional, beim Remastering wieder isolierte Gesangs- oder Instrumentenspuren zu hören?

Natürlich löst das Emotionen aus, wenn man diese Stimme hört. Aber wir waren darauf vorbereitet, weil wir uns bei früheren Projekten schon intensiv mit Archivmaterial beschäftigt haben. Trotzdem ist es immer etwas Besonderes.

Was glaubst du, was Wayne dazu sagen würde, dass „Wisconsin Death Trip“ auch 25 Jahre später noch gefeiert wird?

Ich denke, er wäre einfach dankbar, dass den Leuten dieses Album immer noch etwas bedeutet. Er war damals stolz darauf – und wäre es heute sicher auch.

Viele Künstler nennen dieses Album als wichtigen Einfluss. Wann hast du gemerkt, welchen kulturellen Stellenwert es hat?

Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, ob mir das überhaupt bewusst ist. Aber wenn Musiker, zu denen man selbst aufgeschaut hat, einem sagen, wie viel ihnen gerade dieses Album bedeutet, dann ist das schon etwas Besonderes.

Wie reagieren die Fans heute live auf die Songs von „Wisconsin Death Trip“?

Ein Teil des Publikums ist natürlich älter geworden, aber viele bringen inzwischen ihre Kinder mit. Und die Kids gehen total darin auf, ziehen sich entsprechend an und feiern die Songs. Diese Mischung aus alter und neuer Generation ist wirklich cool.

Wie hat sich deine Beziehung zu den Songs über die Jahre verändert?

Ich hatte diese Songs lange Zeit gar nicht gespielt. Als wir wieder damit angefangen haben, habe ich gemerkt, wie viel Spaß sie machen. Sie sind simpel, direkt und nicht übermäßig ernst. Genau das schätze ich heute sehr daran.

Wenn ihr „Wisconsin Death Trip“ heute neu schreiben würdet – was würdest du ändern?

Gar nichts. Es war dieser eine perfekte Moment, in dem wir einfach ausprobiert haben, was passiert, wenn man verrückte Ideen zulässt. Viele Songs entstanden aus völliger Albernheit – und genau das macht die Band aus.

Welcher Song steht für dich am meisten für die DNA von STATIC-X?

Ganz klar der Titeltrack „Wisconsin Death Trip“. Er hat Härte, Groove, diese leicht discohafte Note und gleichzeitig etwas Humor. Genau das sind wir.

Vielen Dank für das Gespräch.

Galerie mit 29 Bildern: Static-X - Summer Breeze Open Air 2025
Quelle: Static-X
07.01.2026

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