Tony Naima & The Bitters
Tony Naima & The Bitters

Interview

Der schwedische Sänger TONY NAIMA nahm den Bandnamen DISMEMBER sehr wörtlich und zerstückelt auf seinem just erschienenen Erstling zehn Songs der Schweden-Deather auf seine ganz eigene Art und Weise. Mit Skalpell bearbeitete er die Songs von DISMEMBER bis nichts mehr als das Gerippe übrigblieb. Wie er dieses Skelett wieder zum Leben erweckte, lest Ihr in folgendem Interview und Ihr könnt es vor allem auf "Dismember" auf äußerst unterhaltsame und kurzweilige Weise nachhören.

Tony Naima & The BittersSei so gut, und fasse deinen musikalische Werdegang zusammen.

Wie viele andere träumte ich als Kind davon ein Gitarrenheld zu sein. Sänger zu sein, war nichts für mich, ich konnte Axl Rose oder Bruce Dickinson einfach nicht das Wasser reichen. Also habe ich es erst gar nicht versucht.
Aber als der Grunge kam, sah ich ein: Hey, du kannst doch singen!
Mike Patton war immer ein großer Einfluss für mich und ist in meinen Augen der beste Sänger, den ich kenne. Mit zunehmende Alter veränderte sich mein Musikgeschmack. Er ist viel breit gefächerter, ich höre Musik, bei der ich mitfühlen kann. Nachdem ich viel über die Musik von Stina Nordenstam und Jeff Buckley herausgefunden habe, verlangsamte sich meine Suche nach neuer Musik. Und genau an diesem Punkt befinde ich mich immer noch.
Aber, wenn ich etwas gerne höre, dann frage ich mich selber nicht, warum ich es gerne höre. Ich mache es einfach.

Wie ist denn deine persönliche Beziehung zum Metal im Allgemeinen und zum Death Metal im Speziellen?

Wie ich schon gesagt habe, bin ich mit Iron Maiden, AC/DC, Guns n’ Roses und Konsorten aufgewachsen. Zu dieser Zeit gab es für mich eigentlich nur drei Musikstile: Hardrock, Synth und alles andere. Alles mit verzerrten Instrumenten war etwas für mich. Es lief nicht viel Death Metal im Fernsehen oder Radio. Aber als das aufkam, hörte ich mir das natürlich auch an. Wie ich gesagt habe: Eben alles mit verzerrten Gitarren!

Wie und wann ist denn die Idee Songs von DISMEMBER zu covern entstanden?

Nun, ich bekam eine Anfrage von Regain Records, ob ich Bock hätte zwei DISMEMBER Songs auf der Release-Party zu „The God That Never Was“ zu spielen. Ich willigte ein. Ich dachte: Das ist zu verrückt, um Nein zu sagen. Niemand sagte etwas darüber, wie wir die Songs arrangieren sollten.
Wir haben vor der Release-Party zwei oder drei Mal geprobt. Wir haben einfach angefangen zu spielen und haben versucht nicht zu viel darüber nachzudenken. Also sind die Versionen, die wir dort gespielt haben und die, die jetzt auf „Dismember“ erschienen sind, allesamt sehr spontan.

Und wie kam es dann zu der Platte und der Zusammenarbeit mit der Band?

Nach der Release-Party bekam ich einen Anruf von der Plattenfirma. Wir sprachen darüber, wie verrückt der Gig doch war, und wie überwältigend die Reaktion des Publikums und von Seiten der Band aus war. Folglich haben sie mich gefragt, ob wir denn daraus nicht eine Platte machen könnten.

Auf deiner Myspace-Seite beschreibst du deine Musik mit den Worten: Sie klingt wie alles andere, das aus Holz gemacht ist.
Wie meinst du denn das?

Haha…ich hasse es nur zu erklären, welche Musik ich spiele. Ich denke, es ist ganz normale Rockmusik. Ich komme aus dem nördlichen Teil Schwedens. Ich liebe die Natur und ich liebe die Produkte der Natur. Ich denke, ich wollte damit sagen, dass wir keine künstliche Band sind.

Wie fühlt es sich eigentlich an solche dunklen und brutalen Texte zu solch sanfter und beruhigender Musik zu singen?

Ich liebe es einfach Strukturen aufzubrechen und man bekommt auch nicht wirklich oft die Chance, das zu tun. Ich denke, das die Texte noch dunkler und brutaler wirken, wenn man sie in so ein schönes Gewand packt. Die Leute sind so etwas nicht gewöhnt, sie erwarten es nicht und somit kommen die Texte ganz anders rüber.

Wie fiel denn bislang das Feedback auf diese großartige Platte aus?

Vielen Dank erstmal! Der Rücklauf war großartig bisher. Wir hatten vergangenes Wochenende unseren ersten Gig und es war fantastisch Live-Feedback für die Songs zu bekommen. Ich denke, die meisten im Publikum mochten unsere Songs … in einer gewissen Art und Weise.

Wie waren denn die Reaktionen aus der „Nicht-Metal-Szene“. Irgendwelche unterschiedlichen Meinungen oder totaler Schock, wenn sie mit den Originalen konfrontiert werden?

Manche Leute mögen es, manche nicht…und viele verstehen es einfach nicht. Es ist wie mit allen anderen Sachen: Es wäre soooo langweilig, wenn alle dasselbe mögen würden.
Natürlich hört sich ein Death Metal Fan unsere Songs anders an.
Aber es ist Musik. Jeder hört sie auf seine eigene Weise. Es gibt keine allgemeine Regel, der man folgen kann.

Es gibt einige Metal-Cover von Pop-Songs. Außer der „Raining Blood“ Version von Tori Amos und deiner Scheibe kenne ich kaum Künstler, die es andersrum versuchen. Wo siehst du persönlich den Sinn einer Coverversion?

Es ist alles Musik und es kommt immer was anderes dabei raus, das hängt ganz und gar vom Verursacher ab. In diesem Sinne ist es Spaß, sich die Idee vom jemand anderem auszuborgen und zu schauen, was dabei rauskommt. Aber ich denke auch, dass nur das Original den wahren Charakter des Songs besitzt. Denn niemand kennt seine Kinder besser, als die Eltern.

Für mich persönlich macht es nur bedingt Sinn, wenn eine Death Metal Band eine Death Metal Song covert. Ich denke, ein Cover macht dann Sinn, wenn dem Original neue Aspekte entlockt werden oder man das Original gar nicht mehr raushört. So wie auf „Dismember“ oder die „Sound Of Silence“ Version von NEVERMORE. Wie denkst du darüber?

Ich stimme deiner Aussage zu. Es ist viel interessanter etwas neu zu interpretieren, anstatt es einfach nachzuspielen und es zu wiederholen. Aber das ist natürlich meine persönliche Meinung. Wenn du einen Song so verehrst, dass du ihn einfach spielen oder aufnehmen musst…dann musst du es wohl einfach so tun.

Nenn mir bitte die 5 besten Coverversionen aller Zeiten.

Puh, das ist wirklich schwierig. „Purple Rain“ und „I’m Sailing“ von Stina Nordenstam, „Billie Jean“ in der Version von Chris Cornell und „Hallelujah“ von Jeff Buckley.

Wie siehst du das „Projekt“ mit DISMEMBER? Die Musik ist ernsthaft und großartig, aber siehst du die Gefahr, dass dieses Album als „Spaßprojekt“ angesehen wird, als Hintergrundmusik für Metal Partys, während man sich zusäuft? Würdest du dich als Musiker missverstanden fühlen, wenn die Leute die Songs nur auf den Spaßcharakter minimieren würden?

Jeder sollte auf seine eigene Art und Weise wahrnehmen und verstehen. Ich hatte selten zuvor so viel Spaß und ich bin sehr stolz auf diese Platte. Und ich fühle mich wirklich sehr geehrt, dass ich dieses Projekt machen durfte.

Was bedeuten die Songs für dich? Nur ein spaßiger Zeitvertreib oder ein ernsthaftes Projekt?

Alles was mit Musik zu tun hat ist auf eine gewisse Art sehr ernsthaft für mich; ernsthaft und spaßig zugleich. Ich spiele und mache Musik, weil es etwas ist, bei dem ich mich gut fühle. Sonst würde ich es ja nicht machen. Und ich denke, das die Texte großartig sind, einfach in die Fresse und kein Blödsinn. Ich habe sehr viel gelernt, wie man dazu Texte schreibt!

Denkst du, dass sich die Metal Szene manchmal selbst zu Ernst nimmt?

Überhaupt nicht. Metaller machen das, was sie mögen. Die kommerzielle Musikwelt ist eigentlich tot. Sie nehmen sich viel ernster, aber sie würden es nie zugeben.!

Sind Live-Aktivitäten außerhalb Schwedens geplant, vielleicht auf den Festivals im Sommer?

Ich hoffe es! Wenn ihr wollt, dass ich irgendwo spiele: Ich werde dort sein!

Welche Metal-untypische Instrumente kann man den auf „Dismember“ hören?

Wir haben die Nyckelharpa, ein schwedischer Folk-Instrument. Das ist eine Geige, auf der man Knöpfe drücken muss, um die Noten zu wechseln. Es gibt außerdem noch eine Posaune, ein Saxophone und ein Akkordeon. Mann, ich liebe dieses Instrument, damit bin ich aufgewachsen!

Zum Abschluss noch bitte dein persönliches Highlight in Sachen Schweden-Tod.

Ganz klar „Skin Her Alive“ von DISMEMBER. Das ist wie ein Schlag in die Fresse!

Also liebe Booker, ihr habt es gelesen: TOM ANGELRIPPER und MAMBO KURT sind ausgelutscht. Ruft TONY NAIMA & THE BITTERS, und sie werden erscheinen. Gute Musik auf der Bühne und blendende Stimmung davor sind garantiert. Danke!

14.12.2006

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