Usurper
Usurper

Interview

Was lange währt, wird endlich gut. Oder: Gut Ding will Weile haben. So hätte die Überschrift zu diesem Interview lauten können. Geht man davon aus, wie lange USURPER-Bassist Jon gebraucht hat, um meine Fragen per e-Mail zu beantworten, müßte man davon ausgehen, ihr neues, bereits im Januar erschienenes Album "Cryptobeast" sei auf Nummer eins in ihre heimatlichen, amerikanischen Charts eingestiegen, woran sich ein Marathon an Presseterminen angeschlossen hat. Doch weit gefehlt: Die fünf Amis sind seit jeher ein absoluter Underground-Tipp, der stetig Killerplatten abliefert, dazu noch "true to the bone" ist, aber von dem keiner großartig Notiz nimmt. Leute, nehmt endlich die Manowar des Death Metal wahr!

UsurperServus! Was geht in Chicago?

Alles verhält sich normal. Jeder rennt betrunken herum und brüllt: „Aus dem Weg, ich bin ein großer, besoffener Kerl!“

Glückwunsch zum neuen Killeralbum! Es ist immer wieder erfrischend, euren Songs zu lauschen, denn ihr scheißt gepflegt darauf, was gerade im Trend liegt.

Danke für das Kompliment, Mann! Yeah, Trends kommen und gehen, aber wir stehen immer noch. Das ist das Großartige an Usurper. Als wir anfingen Anfang der 90er, rebellierten wir gegen den laufenden Death Metal-Trend. Nun sind zehn Jahre vergangen und es gibt immer noch eine Menge beschissenen Trendmetal da draußen. Mit einem kleinen Unterschied: Diese neue Musik läßt alle Cannibal Corpse-Klone von früher richtig gut klingen. Wir machen einfach unser Ding. Was gerade angesagt ist oder sich verkauft, interessiert uns einen Scheiß, während wir unsere Alben schreiben. Das ist offensichtlich, wenn man unsere Songs hört.

Was ist die Essenz dieser Tracks? Titel wie „Metal Lust“ vom letzten Album oder jetzt „Kill For Metal“ sprechen für sich selbst. Man will einfach nur die Faust in den Himmel recken, verdammt viel Bier trinken, headbangen und sich die Lunge aus dem leib schreien.

Ja, das ist ein großer Teil von Usurper. Für uns ist das kein Scherz, wir leben wirklich für den Metal, schon seit Jahren. Seit kurzem bekommen wir öfters diese Kings of Metal-Kommentare ab und werden fast als Neuheit angesehen. Fast so, als hätten wir unsere Persönlichkeiten ganz plötzlich in diese Richtung entwickelt, um Platten zu verkaufen oder dieses Image als Gimmick zu haben. Laß dir eines gesagt sein: Wir verkaufen nicht so viele Alben und Gimmicks sind uns scheißegal. Usurper ist für uns nichts Neues, es ist unsere beschissene Leidenschaft. Aber um zurück auf deine Frage zu kommen: Die Essenz von Usurper ist das komplette Fühlen der Kraft, die in dieser Band steckt. Die Rhythmen treten dir in deine fucking Eier. Das Low End läßt dich in die Hose scheißen. Die Drums schwächen dein Herz und die „Vokills“ terrorisieren dich. Es geht uns nicht nur darum, den Metal zu preisen. Es geht darum, eine geschlossene Macht, ein totales Gefühl der Heavyness zu erzeugen.

Glaubst du nicht, daß es heutzutage zu wenige Bands gibt, die einen derartigen Vibe versprühen?

Es gibt definitiv zu wenige gute Metal-Bands und leider zu viele von diesen Baggy Pants tragenden Kids, die denken, ein Auf- und Abspringen auf der Bühne bedeutet, Metal zu sein. That’s fucking bullshit. Nur eine Handvoll echte Metal-Bands aus dem Underground bringen es wirklich. Es ist erschreckend.

Würdest du euch selbst als Poser bezeichnen, die sich genauso verhalten, wie es diese Spezies tun muß?

Uuummmmm… nein.

Habe ich mir gedacht. Genauso wie eigentlich die Antwort auf meine folgende Frage schon fest steht: Magst Du modernen Stoff wie In Flames, Soilwork oder Metalcore?

Nein, ich hasse das! Das ist für mich kein Metal! Da würde ich mir eher noch ältere Bands, wie Deep Purple oder die Scorpions anhören, obwohl diese weniger extrem waren. Es sind genau diese Gruppen, die du oben erwähnt hast, die die Undergroundszene im Metal töten. Ich weiß nicht… diese Frage macht mich krank!

Ok, nächste Frage: Ist dann ein Songtitel wie „Bones Of My Enemies“ an solche Bands adressiert?

Nein, „Bones Of My Enemies“ basiert eigentlich auf assyrischen Sagen. Aber natürlich kann man diesen Titel auf alles beziehen, was du willst. Quasi als basic hate song.

Aber kotzt es dich auf der anderen Seite nicht auch an, daß solche Bands mittlerweile tausende von Platten absetzen, ihr aber immer noch im Underground herumkrebst?

Es war nie unser Ziel, viele Platten zu verkaufen. In den 12 Jahren, in denen wir jetzt Interviews geben, haben wir immer eines betont: Das einzige, was uns am Herzen liegt, ist das Schreiben von harten Songs, die wir cool finden. Mehr nicht! Ob das Album dann 100.000 Mal oder nur 100 Mal über die Ladentheke wandert, juckt uns nicht. Natürlich wollen wir so viel verkaufen, daß uns das Label nicht droppt. Aber alles, was mehr ist als das, was wir für unseren nächsten Studioaufenthalt brauchen, benötigen wir nicht. Wir haben noch nie von der Band gelebt und werden das wahrscheinlich auch nie tun. Das ist ok so, denn ein Rockstardasein war uns noch nie wichtig. Sollen andere Truppen ruhig schnell groß werden. Das ist mir egal. Ich kümmere mich nur um Usurper.

Laß uns ein wenig über das neue Album sprechen: Was ist das „Cryptobeast“?

Eine Menge unserer Texte handeln von Kryptozoologie und seltsamen Entdeckungen unerklärbarer Lebewesen, Lycanthropie und hybriden Lebensformen. Ein „Cryptobeast“ ist eine solche Kreatur. Wir dachten, diese Bezeichnung fängt den Vibe des Albums perfekt ein. Einzig Usurper würden eine Platte „Cryptobeast“ nennen.

Musikalisch klingt ihr, als hätten euch Bands wie Vader oder Bolt Thrower beeinflußt, während ihr im Schreibeprozeß noch eine Thrash-Schlagseite hinzugefügt und Einflüsse eurer älteren Alben mit einfließen lassen habt. Kann man das so stehen lassen?

Eigentlich hören wir kaum andere Bands. Wir haben kein Problem mit den von dir genannten Combos, aber wir befassen uns mit ihnen nicht so intensiv, wie es andere denken. Earache haben auf der Rückseite auf der Promo-CD geschrieben, dass wir von Bolt Thrower beeinflusst seien. Das glaube ich nicht. Darüber hinaus könnte ich Dir keinen einzigen Titel eines Vader-Albums nennen. Wir sind alle von denselben alten Helden besessen: Slayer, Sodom, Destruction, etc.

Inwieweit hat sich die Rückkehr eures alten Drummers Joe Warlord, der ja auch Gründungsmitglied ist, bemerkbar gemacht?

Er hat viel zur neuen Platte beigetragen. Jahrelang mußten wir mit Schlagzeugern touren und auskommen, die es einfach nicht drauf hatten. Immer schon wollten wir einen Schritt weiter gehen. Das war uns aber nicht möglich, weil alle nicht schnell genug spielen konnten oder keinen Plan mehr hatten, wenn etwas über den üblichen, einfachen 4/4-Takt hinaus ging. Das war verdammt frustrierend. Wir haben immer alle mit Jon verglichen. 1998, als Dave Hellstorm bei uns eingestiegen ist, haben wir ihm sogar gesagt, er solle Joes Stil adaptieren. Ihn wieder zurück zu haben, ist eine große Erleichterung. Wir wissen, daß er alles spielen kann, was wir ihm vorwerfen, egal ob live oder im Studio. Sowas stärkt die Moral innerhalb der Band.

Wo habt ihr euren neuen Sänger Dan Tyrantor aufgetrieben? Er liefert eine Killerperformance ab und ist etwas mehr Death Metal als sein Vorgänger.

Wir kennen ihn schon seit Jahren. Er war von 1989 bis 1992 zusammen in einer Band mit Joe. Beide sind quasi nebeneinander im selben Wohnblock und derselben Schule miteinander aufgewachsen. Dan war einfach die natürlichste Lösung für uns. Er liebt den gleichen Metal wie wir, hat das gleiche Alkoholproblem wie wir und denselben etwas anderen Sinn für Humor. Natürlich nicht zu vergessen: seine großartige Stimme. Live bringt er es total.

Ihr habt euren Song „Warriors Of Iron And Rust“ neu aufgenommen. Warum gerade diesen?

Bevor wir die Platte aufgenommen haben, spielten wir ein paar Shows in der UK, um das neue Line-up zu testen. Das war eine großartige Erfahrung und hat uns enger zusammengebracht. Da wir noch nichts Neues veröffentlicht hatten, mußten wir ausschließlich auf altes Material zurückgreifen. Als Sieger und Publikumsliebling hat sich jeden Abend „Warriors Of Iron And Rust“ herausgestellt. 100% besser als mit der alten Besetzung. Eigentlich war er nur als Bonus Track geplant, aber unser Produzent Neil Kernon fand ihn so gut, daß er uns überredet hat, ihn regulär mit drauf zu packen.

Gibt es eine Chance, euch endlich mal wieder länger in Europa zu sehen?

Hoffentlich bald. Seit fünf Jahren warten wir nun darauf. Earache arbeitet gerade daran. Wenn ihr uns sehen wollt, schreibt einfach eine Mail an unser Label und verlangt danach, uns zu sehen!

Wenn ihr Europa mit Amerika vergleicht, würdet ihr sagen, daß hier der bessere Markt für „true to the bone“-Metal ist?

Ja, denn bei euch ist die Anhängerschaft dieser Musik größer. In Amerika gibt es diesen Markt zwar auch, aber er ist mehr im Underground. Vielleicht ist das ein Resultat davon, daß uns MTV hier immer weiter mit schwuler Musik füttert. Die Leute bekommen eine Gehirnwäsche verpasst. Die Europäer haben den Metal des Undergrounds schon immer besser verstanden und nie vergessen.

Letzte Frage: Was bedeutet dir der Metal?

Er ist mein Leben. Diese Frage in einem Interview komplett zu beantworten, ist unmöglich. Noch nicht mal eine durchdiskutierte Nacht mit zig Bierchen würde dafür reichen. Wenn du aber danach gehst, was meine Bandmitglieder und ich in den letzten Jahren alles für den Metal geopfert haben, muß ich sagen, daß er uns absolut alles bedeutet.

31.03.2005

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