Still Loyal Fest II
Zu Ehren BOLT THROWERs

Konzertbericht

Billing: Baest, For Victory, Old Ruins
Konzert vom 06.02.2026 | Gulfhaus, Vechta

Die BOLT-THROWER-Tribute-Band FOR VICTORY lud an einem Freitag zum Still Loyal Fest ein. Die Prämisse: Jede auftretende Band muss einen Coversong der britischen Todesblei-Legende im Gepäck haben und die Gastgeber servieren eine Stunde feinstes Material aus allen Schaffensperioden der Band. Das Tauwetter machte die Anreise einfach – ein Glück, denn noch zwei Tage zuvor lag eine zentimeterdicke Eisschicht auf allen Straßen der Umgebung. Leider mussten COMMANDER aus München familiär bedingt absagen, doch die anderen drei Bands packten als Ausgleich ein, zwei Stücke mehr auf die Setlist.

OLD RUINS – Kein BOLT THROWER, dafür viel „Diablo“

Die Gelsenkirchener Band OLD RUINS stellt in mehrerlei Hinsicht den Exoten des Abends dar: Statt Death Metal spielen sie melodischen Black Metal mit „Diablo“-Thematik und sie haben keinen BOLT-THROWER-Song gelernt, wofür sie von den Veranstaltern bereits gerügt wurden. Trotzdem durften sie das Still Loyal Fest eröffnen und hatten neben Liedern ihres Debüts „Always Heading East“ auch einige Stücke des kommenden zweiten Werks im Gepäck.

Die Band, die laut eigener Aussage zusammen 750 Kilo auf die Waage bringt, überzeugte mit meist im Midtempo angesiedelten Stücken, die leicht ins Ohr gehen. Der Sound ist gut, lediglich der Bass etwas zu präsent – was jedoch besser ist, als ihn gar nicht wahrzunehmen. Auf die Nachfrage von Sänger und Gitarrist Kraje, wer „Diablo“ kenne, hebt vielleicht ein halbes Dutzend Menschen die Hand. Das ist überraschend, da es sich um eines der bekanntesten Videospiele überhaupt handelt.

Schade, dass OLD RUINS keinen Coversong dabei haben, denn BOLT THROWER im Black-Metal-Gewand wäre sicher interessant gewesen. Trotzdem machte der Auftritt viel Spaß und am Ende bekamen OLD RUINS verdienten Applaus.

FOR VICTORY sind nah am Original

Die Gastgeber FOR VICTORY haben kein Problem damit, ein BOLT-THROWER-Cover einzubauen, denn – wie der Name verrät – handelt es sich um eine Tribute-Band. Von den Outfits bis zu den Haaren des Sängers ist alles perfekt auf den britischen Death-Panzer abgestimmt.

Schließt man die Augen, hat man das Gefühl, BOLT THROWER hätten sich nie aufgelöst. Es ist beeindruckend, wie nah die Performance am Original ist. Da FOR VICTORY auf dem Still Loyal Fest alle Schaffensphasen der Briten berücksichtigten, musste Sänger Oli sogar beide Sänger (Karl Willets und Dave Ingram) imitieren und gab zusätzlich einen Shoutout an Martin Van Drunen (ASPHYX), der BOLT THROWER Mitte der 90er live unterstützte. Das ist Hingabe.

Die Setlist umfasst alle Banger der Band: Von „Powder Burns“ bis „For Victory“ ist alles dabei. Auch selten gehörtes Material wie „Contact – Wait Out“ findet seinen Platz. Den Abschluss bildet ein Doppelschlag, der zeigt, warum BOLT THROWER allein in Deutschland mehrere erfolgreiche Tribute-Bands verdienen – neben FOR VICTORY ist mit SPEARHEAD noch eine weitere aktiv. „The Killchain“ und „Those Once Loyal“ beschließen ein Set, das bei vielen Anwesenden wohlige Erinnerungen weckt, wie die Vielzahl an BOLT-THROWER-Tourshirts im Publikum belegt.

BAEST sind ein passender Headliner

Die Dänen BAEST sind ein stimmiger Headliner für diesen Abend. Der Death Metal der Band groovt gewaltig und mit „No Guts, No Glory“ haben sie auf „Venenum“ einen absoluten BOLT-THROWER-Klassiker gecovert, der heute natürlich nicht fehlen darf.

Ansonsten stellt die Band ihr neues Album „Colossal“ vor, vergisst dabei aber auch die Klassiker nicht. Das eröffnende Dreierpack aus „Genesis“, „Colossus“ und „Misfortunate“ zeigt sofort, wo der Hammer hängt. BAEST agieren mit enormer Spielfreude und reißen den Laden ab Sekunde eins mit. Sänger Simon Olsen hantiert ständig mit Selfie-Stick und GoPro, hat laut eigener Aussage jedoch keine Ahnung, was er da tue. So wirkt es auch – sympathisch. Umso mehr weiß er am Mikrofon zu überzeugen, denn seine Gesangsleistung ist grandios.

Das großartige „Ecclesia“ zeigt, dass BAEST mehr als nur ein wenig von BOLT THROWER beeinflusst wurden. Das Groove-Monster überzeugt wie eh und je. Zu „Depraved World“ wird Olsen kurz ernst und erklärt, das Lied sei der aktuellen Weltsituation geschuldet. Einer Pro-Grönland-Cap im Publikum warf der Däne mehrfach Komplimente zu – stabile Haltung.

Nach dem Opener der aktuellen Platte, „Stormbringer“, und dem Titelsong von „Necro Sapiens“ verabschieden sich BAEST und beenden das zweite Still Loyal Fest mit einem Paukenschlag. Die Veranstaltung ist rundum gelungen und machte allen Beteiligten sichtlich Spaß. Da der Laden gut gefüllt war, steht einer dritten Ausgabe hoffentlich nichts im Weg.

08.02.2026

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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