Anthrax - Cursum Perficio
Review
ANTHRAX haben sich zehn lange Jahre nach „For All Kings“ erneut angeschickt, ein neues Album zu veröffentlichen – trotz allem in unveränderter Besetzung. Die New Yorker haben auf besagtem Vorgänger ja durchaus erfolgreich bewiesen, dass sie auf ihre alten Tage zwar vielleicht nicht mehr die nervösen Thrash-Rotznasen von einst sein würden, aber immer noch mehr als soliden Dad Metal auf die Beine stellen können. Mit mehr Hang zu Midtempo, der seit einiger Zeit Einzug gehalten hat, darf man mittlerweile vermutlich schon so ein bisschen über das Thrash-Etikett der Herren um Scott Ian diskutieren. Und um es vorweg zu nehmen: Das zwölfte Album „Cursum Perficio“ kehrt nicht zum Elan eines „Among The Living“ zurück. Das Album klingt definitiv mehr nach der Art Musik, zu der sich Herren mittleren Alters mit Bierwampe einen Kasten kühles Blondes öffnen, den Grill anschmeißen, deftige, zwei-Daumen-dicke Steaks auflegen und entspannt im (bzw. um den) Takt mitnicken.
ANTHRAX bleiben beim hymnischen wie groovenden Hymnen-Metal
Auf der Skala von „Spreading The Disease“ bis „We’ve Come For You All“ tendiert „Cursum Perficio“ damit selbstredend mehr zu letzterem, nistet sich aber dann doch recht geschmeidig in der Nähe von „Worship Music“ ein. Will sagen: Bei ANTHRAX knüppeliert es hier und da doch noch mal beherzt im Gebüsch, vor allem die Stakkato-Salven von „Watch It Go“ sind einfach nur herrliches Getrümmer. Doch der Fokus des Songwritings liegt auch anno 2026 mehr auf hymnischen Metal der groovenden Sorte mit großen Hooks, die Joey Belladonna mit seiner nach wie vor dynamischen und kräftigen Stimme veredelt. Hin und wieder nimmt unsereins einen Hauch ARMORED SAINT wahr (oder bildet sich dies zumindest ein), was vielleicht nicht ganz von ungefähr kommt angesichts der einstigen, personellen Überscheidung beider Bands in Form von John Bush.
Jetzt haben die New Yorker allerdings auch länger schon den Dreh rausbekommen mit diesem neuen Sound, immerhin fahren sie ihn bereits eine ganze Weile. Obendrauf brechen sie immer wieder mit thrashigen Anflügen aus dem Midtempo aus, sodass die Marke zumindest hinreichend wiedererkennbar bleibt. Diese Form des Metal bleibt auch auf dem 12. Langspielsilberling der Band verlässlich und produziert einiges an erdigen Hymnen, die wie ein Flaschenöffner fungieren für das Feierabendbier. Die Single „It’s For The Kids“ macht es im Grunde vor und vereint die Stärken von „Cursum Perficio“ in einem bündigen Paket: Thrashige Backbeats, ein Midtempo-Refrain mit ergreifender Gesangslinie und ein geradezu nach epischem Metal klingedes Gitarrensolo, welches das Schwert im Schaft zittern lässt. Es kann der epochalen Gitarrenhexerei eines „Blood Eagle Wings“ zwar nicht ganz das Wasser reichen, kommt aber nah genug heran, um positiv aufzufallen.
Doch Dynamik wird nach wie vor groß geschrieben und hält „Cursum Perficio“ durchgehend im Rennen
Die große Stärke im Bandsound bleibt also die gelungene Dynamik. Auf der einen Seite steht die Metal-Hymne in ihrer urbaneren Form, wie ANTHRAX sie auf ihre alten Tage gefühlt mühelos in Stahl gießen. Auf der anderen Seite stehen diverse Elemente, die das Geschehen angenehm würzen. Auf der härteren Seite sind das die erwähnten Referenzen an die Thrash-Vergangenheit des Quintetts, die rhyhtmische Abwechslung bringen. Auf der anderen Seite sind das die großen Melodien, die immer wieder ihren Weg in die Gitarrenarbeit hinein finden. Ganz vorne mit dabei ist hier „The Edge Of Perfection“ mit seinen erhaben über die Hörerschaft hinwegsegelnden Harmonien, die tatsächlich für Gänsehautmomente gut sind. Wenn sich dann noch das blastende Getrommel von Charlie Benante und ätherische Backing-Vocals hinzugesellen, werden sicher so manche, mittelalte Männerknie weich, Arthrose hin oder her.
„Cursum Perficio“ schwächelt wenn überhaupt nur mal kurz bei „Infectious“, das etwas zu sehr im Midtempo vor sich hin trottet und angesichts der übrigen, hochqualitativen Tracks irgendwie fast wie ein Nachklapp wirkt. Doch selbst hier überzeugen die bandtypischen, chromatischen Licks nebst einem kecker Refrain und bewahren dieses schwächste Glied der Trackliste davor, ein Rohrkrepierer zu sein. Doch selbst dann würden die übrigen Songs die Falten im Handumdrehen glatt bügeln, vom angenehm belebenden Antrieb eines „NYC 93“ und seiner markigen „It ain’t worth doing unless you do it again“-Schlachtrufe über die ergreifende des Titeltracks hin zum rohen, Groove-metallischen Machismus eines „T.O.M.B.“, selbst bis ins kleinste Details wie der entfernt an „Any Place But Here“ gemahnenden Melodieführung von „The Long Goodbye“ wird’s auf „Cursum Perficio“ jedenfalls nicht so schnell langweilig. Damit stellt die neue Platte der New Yorker erneut eine mehr als solide Angelegenheit dar, die sicher nicht mehr den nervösen Spirit von einst atmet, aber ein mehr als würdiges Dad Metal-Album der New Yorker darstellt.
Anthrax - Cursum Perficio
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal, Thrash Metal |
| Anzahl Songs | 11 |
| Spieldauer | 54:13 |
| Release | 18.09.2026 |
| Label | Nuclear Blast Records |
| Trackliste | 1. Persistence Of Memory 2. The Long Goodbye 3. It's For The Kids 4. Everybody's Got A Plan 5. The Edge Of Perfection 6. Infectious 7. NYC 93 8. Cursum Perficio 9. T.O.M.B. 10. Watch It Go 11. My Victory |
