Casket - Faithless

Review

Wenn ich Casket höre, beginne ich langsam doch die „Frozen“ von Sentenced zu lieben. Die „Entwicklung“ Caskets verläuft nämlich wesentlich dramatischer, weil markttechnisch effizienter.Man ließ sich offensichtlich von allen nur erdenklichen musikalischen Stilen „inspirieren“ von Gary Moore bis The Gathering über 80er Jahre Abfall wie Kylie Minogue und Sandra wurde überall erfolgreich geklaut. So tummeln sich auf dem billigen Plastik Schnulzballaden allererster Güte und sogar von einem mehr oder weniger direkt abgekupferten Klon von „Fear the Sea“ aus seligeren The Gathering Tagen hat man nicht zurückgeschreckt. Wahrscheinlich ist dies der Song, den sie im Promoinfo mit „ein Feuerwerk voller Emotionen und Leidenschaft“ meinten. Jedenfalls habe ich nur noch Anneke vermisst, aber in den anderen Songs haben sie ja hochkarätigen ebenso untalentierten und deshalb überproduzierten Trällerlerchenersatz gefunden Da strömt doch glatt eine Woge tiefer Trauer durch meine Haarwurzeln. Bei diesem seichten Gedudel rutscht einem Glatt das Herz in die Magengegend und voller Grausen denke ich an meine erste Freundin zurück. Würg. An anderer Stelle versucht man sich dann an eher rockigeren Tönen ala Gary Moore meets Joe Cocker mit Frauengesang, dessen Intensität mich direkt von der Holzbank meines Straßenfestbiergartens fegt! Mann oh Mann, das rockt ja besser, als jede dreimarkfuffzig Leihcombo ! Hut ab und kräftig ins Glas gekotzt ! Über „What for“ war ich dann wirklich erstaunt. Wie haben es die Jungens und Mädels geschafft, Bon Jovi und die Kelly Family in eine Band zu bringen ??? Aber dessen noch nicht genug, schiebt man gleich noch einen Gary Moore – artigen Song nach, der einem einfach ans Herz gehen MUSS ! So schön verträumt und seicht tragen einen die Keys und der Schmachtgesang in andere Sphären. Bei „Maybe“ bin ich mir immer noch nicht ganz sicher, ob die gesanglich unbegabte männliche Schmalzlockenstimme dort „Mayday“ (was wohl passend wäre) oder „Maybe“ singt. Jedenfalls haben wir es hier mal wieder mit einem Abklatsch altbewährter Schnulzrockklischees zu tun. Und fröhlich dudelt die Musik dann im letzten Track aus, so daß ich mich wieder sinnvolleren Dingen widmen kann. Alles in allem eine CD , die man unbedingt mal gehört haben muß ! So etwas originelles kommt einem nicht mehr so schnell unter die Ohren.

04.12.1998
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