Kein Cover

Casket - Faithless

Review

Juchhu! Sie sind wieder da! Meine Lieblingsmuttersöhnchen wollen diesmal sogar groß hinaus – die Charts hat man angepeilt. Damit das auch klappt, hat man sich so richtig schön zurecht angezogen und seine Musik noch belangloser gestaltet. Geht das??? Noch belangloser als der Vorgänger Tomorrow? Jupp, das geht. Nette Melodiechen, nette Refrains, alles so richtig schleimig und glatt, zahnlos und banal. Hach Gott, wie schön muß das Musikerleben sein, wenn man sich nicht mehr über seine eigene Integrität Sorgen machen muß. Man schreibt ein Häufchen richtig übler Popsongs und wirft sie dem Publikum als „reifer“ vor und wartet auf den großen Geldsegen. Ich glaub‘ ja nun echt nicht, daß der kommen wird. Das Album ist sowas von strunzlangweilig, daß ich mir sehnlichst die Flippers-Dröhnung meines Vaters zurückwünsche. Dabei weißt das Material der Sechs hier starke Parallelen zu eben dieser Combo auf. Nein, selbst Sängerin Karin Trapp, die jetzt ihre Weiblichkeit schon auf Billiardtischen ausspielen muß (stört es jemand wenn ich jetzt mal kurz auflache?) hat sich nicht wesentlich verbessert. Genauso wenig markant und charismatisch wie das Songmaterial klingt ihre Stimme, es kommt zu keinem Zeitpunkt Feeling oder Stimmung auf. Sie singt nicht schlecht – aber total emotionslos. Auch der männliche Sangesgott will da nicht zurückstehen…und ihr wollt wirklich in die Charts??? Gut, bei dem Schrott der sich heutzutage darin tummelt hätt die Band wirklich gute Chancen, aber ehrlich gesagt glaube ich nicht, daß auch nur ein Hahn nach der Weichspülercombo hier kräht – wenn doch entschuldige ich mich vielmals und hoffe, daß die nächste Platte noch erfolgreicher und par consequence NOCH belangloser wird. Ich bitte die Herren Musiker und die Frau Sängerin nur inständigst sowas zu vermeiden – ansonsten müßte man eure feurige und mit Temperament gespielte Musik noch wegen übertriebener und fast schon toxischer Biederkeit verbieten. Bieder. Ein treffendes Wort. Combos wie Casket geben dieser Nation wohl den Ruf, daß alle Deutschen Biedermänner seinen, die ein absolut geregeltes und graues Leben führen. Man scheint damit nicht so weit von der Wahrheit zu liegen, zumindest nicht wenn es nach Casket geht. Noch mehr kann man wohl nicht versuchen, wie ein beliebiger Rock Act zu klingen und dabei die Gitarren weitesgehend aus dem Sound zu verbannen und dem Keyboard mal so richtig einen hohen Stellenwert zu geben. Wäre ja noch okay, wenn das Keyboard nicht ständig solch simpel gestrickte Melodien spielen würde. Und dann noch die Texte… „Babe, I will give you an advice…“ („Maybe“). Alleine dieser Satz ist in einem solch herrlichen Schulenglisch gesungen, daß selbst Till von Rammstein zum geboren Fremdsprachenkorrespondeten avanciert. Daß in diesem Satz „Babe“ vorkommt verwundert nicht wenn man sich die ganze Platte anhört: Der Texter scheint dieses Wort zu mögen. Ich frage aber mich einfach manchmal, was er eigentlich versucht uns mitzuteilen. Gut, genug die armen Jungs und das eine erotische Mädel (sieht jemand mein Grinsen?) fertiggemacht, jetzt muß ich sie doch einmal loben: Für den Klasse Weihnachts-Remix von „Way To Happiness“ von der ersten Platte gibt es noch einen besonderen Bonus! Roger Whitacker hätte sowas nicht besser hinbekommen. Also liebe Casket Freunde: Das ist der nächste Song für die elterliche Weihnachtsfeier! Na gut, ich gebe zu, so groß war das Lob dann vielleicht doch nicht. Kann ja auch nicht, frag ich mich warum denn dieser Song noch mal auf einem Album der Band auftaucht und dazu zigfach schleimiger als noch vor knapp 2 Jahren.

03.12.1998

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