Fiddler's Green - Winners & Boozers

Review

FIDDLER’S GREEN waren auch schon einmal innovativer. Wagte man nach „Nu Folk“ (das letzte, wirklich einzigartige Werk) im Jahr 2003 den Schritt in die schnellere und lautere Richtung, ist es seitdem auch leider dabei geblieben. „Winners & Boozers“ knüpft musikalisch genau an den Vorgängern an – und das ist auch schade. Schon „Wall Of Folk“ klang nur noch nach Pub und Alkohol und Party, das ändert sich auch bei „Winners & Boozers“ leider nicht. Die ersten beiden Tracks „A Night in Dublin“ und „A Bottle A Day“ klingen schnell und energiegeladen und funktionieren sicher auch live wieder super zum Pogen und Ausflippen. Aber dennoch bekommt man bei den ersten Takten des Albums schon das Gefühl, genau zu wissen, was man zu erwarten hat und wie sich das Album noch entwickelt. Natürlich muss auch wieder etwas Schunkelrock und auch ein Instrumental („Blacksmith Reel“) mit auf die Platte, was man mit „No Lullaby“ und „Raise Your Hands“ abhaken kann, letzteres überzeugt durch die relativ eintönige Melodie noch nicht mal wirklich.

Leider sind FIDDLER’S GREEN seit mehreren Platten absolut vorhersehbar geworden. Lediglich der abwechslungsreiche und äußerst rotzige Rhythmus von „Old Dun Cow“ bleibt hängen und lädt zum wiederholten Hören und Gutfinden ein. Die Melodie der Geige und der Songaufbau erinnern gleichzeitig aber auch stark an „Goldwatch Blues“, welches auf „Nu Folk“ zu finden war – auch als Lied vier. Ist es verwerflich, hier Parallelen zu ziehen? Auch „We Don’t Care“ beschert dem Album durch ein starkes Geigenspiel einen kurzzeitigen Höhenflug, kann aber den Gesamteindruck des „Alles schon gehört“-Gefühls nicht abschwächen. Weiter schafft man es aber auch mit dem stärksten Geduldfaden nicht wirklich. Die Platte hat immerhin ganze 16 Songs, was selbst einem großen Fan ganz schön viel Kraft abverlangt. Wer länger durchhält, wird vielleicht noch „The More The Merrier“ mit den ganz coolen Drums mögen.

FIDDLER’S GREEN haben auf die Platte, die sich hinter einem verdammt starken Artwork versteckt, äußerst massentaugliche Musik gepackt. Die Jungs wissen, was für sie funktioniert und wie sie ihre Fans live zum Ausrasten bringen. Gleichzeitig ist der Stil der Band aber auch eingerastet. Wirkliche Überraschungen fehlen, und selbst der einzige Track der Platte, der sich deutlich hervorhebt („Old Dun Cow“), klingt nach einem älteren, schon vorhandenen Song. FIDDLER’S GREEN sind bekannt für treibende Drums, freche Texte, die sehr schnell runtergesungen werden, und rotzige Gitarren als Kontrast zur Fiddle. Es ist FIDDLER’S GREEN also zu verzeihen, dass sie auch auf „Winners & Boozers“ nur die Musik machen, die sie eben am besten können und wofür sie von vielen gemocht werden. Dennoch, wirklich im Gedächtnis bleibt die Platte durch ihre Vorhersehbarkeit leider nicht.

14.11.2013
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