Hämatom - Lang lebe der Hass

Review

„Dap da da da, dap da da da, es regnet Bier!“, so geht der erste Refrain von „Lang lebe der Hass“, dem neuen Album von HÄMATOM und Geschwisterkind des vor einem Jahr erschienenen „Die Liebe ist tot“. Ein Stück, das eine Art Songbattle mit SALTATIO MORTIS war und die Partyseite der vier Himmelsrichtungen beleuchtet. Passt irgendwie nicht zum Albumtitel, aber es kommen ja noch zehn weitere Lieder hinterher, die wir uns anschauen und -hören können.

HÄMATOM übertreiben es am Anfang etwas

Das Album mit zwei Singles zu eröffnen ist ja nicht ungewöhnlich, aber „Es regnet Bier“ und „GAGA“ sind zwei Kandidaten für Lieder, die erst mit mehr Promille oder zumindest in Feierlaune zünden. Für Fans des tiefgründigeren Materials von Alben wie „Keinzeitmensch“ können die Stücke schwer erträglich sein. Schön, dass danach mit dem Titeltrack ein klassischer HÄMATOM-Song folgt, welcher zeigt, dass die Band noch weiß, wo der Hammer hängt.

„Keinen Bock auf Menschen“ ist trotz des spannenden Titels ein recht harmloser Song, „Straßenbande 666“ klingt ein bisschen nach TRAILERPARK goes Metal, auch wenn der Titel eine zwar genauso erfolgreiche, aber um Meilen schlechtere Gruppe aus dem gleichen Genre parodiert. Im Gegensatz zu den ersten beiden Partysongs der Scheibe geht dieser aber gut nach vorne und macht durchaus auch im Albumkontext Spaß, wenn über den Nonsens-Text hinweg gesehen werden kann.

„Lang lebe der Hass“ bietet gute Songs, aber auch Stangenware

„Nobody’s Perfect“ ist wieder recht unauffällig musikalisch, allerdings ist die Textzeile „nobody’s perfect außer ich“ grammatikalisch nicht schön. „SOS“ ist textlich echt gut geworden, auf „Räche sich wer kann“ verdingt sich Ex-EQUILIBRIUM-Sänger Robse Dahn, die Message ist dabei recht simpel aber effektiv gehalten. Zum Abschluss gibt es mit „Olympia“ einen etwas längeren, epischeren Track, der wohl am ehesten noch aus „Bestie der Freiheit“-Zeiten stammen könnte. Die englische Version von „Es regnet Bier“ unterscheidet sich abseits der Sprache und dem Feature von SALTATIO MORTIS nicht vom Original.

Etwas handzahm ist der Sound des Albums. Wie schon bei „Die Liebe ist tot“ bemängelt, spendiert Vincent Sorg auch hier der Scheibe wieder zu wenig Bumms. Für DIE TOTEN HOSEN ist der Sound optimal, HÄMATOM könnten da etwas mehr Krawall vertragen.

Ein wenig weniger Party wäre toll – „Lang lebe der Hass“

Live werden diverse Songs von „Lang lebe der Hass“ sicherlich die Hütte abreißen, aber insgesamt wirken einige der Stücke substanzloser als noch zu Zeiten von „Wenn man vom Teufel spricht“ oder auch „Wir sind Gott“ und „Bestie der Freiheit“. HÄMATOM haben nun genug gefeiert und könnten auf dem kommenden Album gerne wieder ernstere Töne mit einem neuen Produzenten einschlagen.

10.11.2022

Redakteur für alle Genres, außer Grindcore, und zuständig für das Premieren-Ressort.

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