Intervals - The Shape Of Colour

Review

Dass INTERVALS-Kreativkopf Aaron Marshall mit seiner PRS atemberaubende Dinge anstellen kann, ist spätestens seit der 2012er-EP „In Time“ in Szenekreisen kein Geheimnis mehr. Der Kanadier hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der Internet-Stars des Modern Prog gemausert. Und so vergeht kaum ein Tag, an dem Herr Marshall seine beachtliche Schar an Followern im Netz nicht mit einem kurzen Video oder Snippet beglückt, an dem sich hartgesottene Gitarren-Nerds ihre knochigen Finger verrenken dürfen.

Zuletzt tauschte Marshall (wieder einmal) seine komplette Band aus, was ihn aber natürlich nicht davon abhielt, weiter fleißig an neuem Material zu werkeln. Das Ergebnis trägt den Namen „The Shape Of Colour“ – und zeigt INTERVALS wieder im rein instrumentalen Gewand. Zur Erklärung: Auf den beiden Debüt-EPs verzichtete Marshall komplett auf Gesang, für das erste Full-Lenght holte er Frontmann Mike Semesky (mittlerweile bei RAUNCHY untergekommen) an Bord. Seinerzeit hatte Marshall seinen Sänger noch gegen die teils harsche Kritik verteidigt – dann allerdings jagte er ihn mehr oder weniger vom Hof. Auch Drummer Anup Sastry (MONUMENTS, Ex-SKYHARBOR) sowie Basser Lukas Guyader nahmen aufgrund musikalischer Differenzen ihren Hut. Den Tieftöner auf dem neuen Werk spielte Cameron McLellan (PROTEST THE HERO) ein, hinter den Kesseln nahm Travis Orbin (DARKEST HOUR, Ex-PERIPHERY) Platz.

Die Neuzugänge setzen durchaus frische Impulse im Klangbild, aber auch insgesamt beschreitet „The Shape Of Colour“ neue musikalische Wege – ging es auf den Frühwerken zwar durchweg virtuos, aber eben auch sehr modern zu Werke, treten auf dem neuen Werk wieder verstärkt klassische Tendenzen in den Vordergrund: Ein bisschen PINK FLOYD („Meridian“), eine Prise Rock-Sound („Sweet Toth“), hallige Blues-Gitarren (überall) – Marshall und Kollegen setzen wirklich alles daran, nicht in die seelenlose Djent-Ecke abzudriften. Und tatsächlich bieten INTERVALS dem Hörer phasenweise wunderbar stimmige Instrumental-Kost, beispielsweise im wiegend-atmosphärischen „Fable“ sowie dem unverhofft kernigen „Sure Shot“.

Das signifikante Problem der Scheibe ist jedoch das überbordende Mitteilungsbedürfnis des Masterminds: Ließ Marshall auf den früheren Releases noch Riffs und Songs als solche zur Entfaltung kommen, wirken die Leads und Solo-Einlagen des Meisters auf dem neuesten Output des Öfteren übertrieben prominent in Szene gesetzt. Folglich verkommen Stücke wie der knackig voranpreschende Opener „I’m Awake“ und der mit stimmungsvollem Zwischenpart ausgestattete, aber eben auch arg sololastige Schlusstrack „Libra“ phasenweise zu eintöniger Dudelei – die zwar handwerklich atemberaubend dargeboten ist, aber keinerlei dynamische Ausreißer bietet.

Nein, der neue Streich aus dem Hause INTERVALS ist nicht das erhoffte Meisterwerk geworden. Zweifelsohne bietet die Platte vor allem jenen Hörern, die sich selbst mit großer Hingabe einem Instrument widmen, hochklassiges Anschauungsmaterial. Als Album selbst zündet „The Shape Of Colour“ aber nur bedingt. Schade.

30.12.2015

"Am Ende isses immer Arbeit."

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