Intervals - A Voice Within

Review

Die Kanadier konnten mich mit ihrer 2012er EP „In Time“ seinerzeit restlos begeistern. Damals waren die Herren aus Toronto noch rein instrumental unterwegs, mittlerweile hat man sich mit Sänger Mike Semesky verstärkt, der den neun Kompositionen von „A Voice Within“ seine Stimme leiht. Stilistisch geht der Vierer um Gitarrenhexer Aaron Marshall und Premium-Drummer Anup Sastry (SKYHARBOR) auf seinem Full-Length-Debüt den bereits eingeschlagenen Weg weiter: Geboten wird sehr modern anmutender Progressive Metal, der von melodischem Modern Metal über verspielte Djent-Ausflüge bis hin zu jazzig-avantgardistischer Riffkunst alles bietet, was der geneigte Hörer zeitgemäßer Experimental-Kost benötigt.

Der Opener „Ephemeral“ beginnt nach kurzem Intro mit einem prägnanten Gitarren-Lead auf rhythmischem Rifffundament, bevor im weiteren Verlauf Fronter Semesky in den Vordergrund tritt. Dass dieser als Neuling ganz besonders unter die Lupe genommen wird, ist klar. Und keine Frage – der Herr macht seinen Job mehr als solide. Allerdings kann seine Allerwelts-Stimme nicht wirklich mitreißen – auch, weil Semeskys Gesangslinien in „Ephemeral“ wirklich nicht die spannendsten sind. Folglich stellt der erste Track der Platte eine gewisse Spaßbremse und einen etwas unglücklichen Auftakt dar.

Im Anschluss agieren sowohl Sänger als auch Band dann aber glücklicherweise differenzierter, insbesondere das folgende „Moment Marauder“ ist eine sehr abwechslungsreiche Nummer mit sehr markantem Hauptriff, welches Semesky mit flächigem Gesang bestens ergänzt. Neben diversen, durchaus atmosphärischen Momenten servieren die Kanadier zudem verspielte, jazzig angehauchte Zwischenparts, die für besonderes Flair und klangliche Bandbreite sorgen. Bei „Automaton“ geht es danach flotter zu Werke, wunderbar griffige und artistische Gitarrenläufe mit Modern-Metal-Schlagseite treffen hier auf einen verhältnismäßig minimalistisch gehaltenen Refrain, der mit seiner Schlichtheit einen angenehmen Kontrast zum ansonsten sehr versierten Riffing bildet. Ausgesprochen starker Song!

Das anschließende „The Self Surrendered“ kann trotz seiner Länge von acht Minuten und zahlreichen Parts überzeugen, vor allem das ultratight dargebotene Mute-Riffing ist ein wahre Freude. Aber auch der sehr zurückhaltende Mittelteil transportiert einen gewissen Charme. Gut, die etwas hölzernen Chöre im Schlusspart hätte man sich sparen können, dennoch: Es ist wahrlich beeindruckend, was hier instrumental veranstaltet wird. Vor allem Marshalls Gitarrenspiel ist wunderbar leichtfüßig und innovativ. Mühelos wechseln die Songs von sterilem Djent hinüber in angeswingte Lounge-Töne, ohne dass dabei ein hörbarer Bruch entsteht. Das ist am Ende auch der Tatsache geschuldet, dass Musikfreund Marshall während seiner stets präsenten Gitarrenläufe nicht stupide auf den selben Skalen reitet, sondern äußerst intelligent gestrickte Tonfolgen verwendet, in welche mit Sicherheit unzählige Stunden Arbeit geflossen sind. Und dann ist da noch dieser Drummer, Anup Sastry, der über die komplette Albumdistanz eine perfekte Symbiose aus Groove und Technik an den Tag legt.

Highlights gibt es folglich eine ganze Menge: Mit „The Escape“ und „Atlas Hour“ bieten INTERVALS beispielsweise zwei richtig starke Songs, von denen ersterer vor allem mit Leichtigkeit, zweiterer eher mit Atmosphäre punkten kann. Aber auch das rasante „Siren Sound“ mit seiner atemberaubenden Gitarrenarbeit und der abschließende, sehr abwechslungsreiche Titeltrack müssen hervorgehoben werden.


Das einzige „Problem“ – wenn man so will – bleibt letztlich der Gesang. Man könnte argumentieren, dass eine eher austauschbare Stimme wie die Semeskys, die dazu noch eher geradlinig eingesetzt wird, den herausragenden Gitarrenarrangements mehr Raum bietet. Man könnte aber ebenso behaupten, dass die Stücke durch die überwiegend wenig spannenden Vocals am Ende auch insgesamt einfach unspektakulärer klingen. Hier ist letzten Endes wohl der persönliche Geschmack des jeweiligen Hörers gefragt. Antesten sollte man „A Voice Within“ aber unabhängig davon –  insbesondere dann, wenn man sich im Kreis von Formationen wie MNEMIC, SCAR SYMMETRY, CIRCLES, MONUMENTS und TEXTURES pudelwohl fühlt.

05.03.2014

"Am Ende isses immer Arbeit."

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