Intervals - In Time (2012)

Review

Die Kanadier INTERVALS sind bisher wahrscheinlich nur Insidern ein Begriff – trotz zweier in Eigenregie veröffentlichter Digital-EPs segelt das Quartett nach wie vor unter dem Radar der internationalen Djent-/Progressive-Szene. Ein Grund dafür mag sein, dass sich bis heute kein Label gefunden hat, das für eine physische Veröffentlichung beider Scheiben hätte sorgen können. Zudem scheint auch die oft bemühte „Macht des Internets“ irgendwo ihre Grenzen zu haben. Hin oder her: In der Folge möchte ich den Mannen mit einer Besprechung ihrer 2012er Scheibe „In Time“ die längst überfällige Ehre erweisen. Der Anlass ist ein aktueller: Vor einer Woche beendete die Truppe um Bandkopf Aaron Marshall (Lead-Gitarre) und Drum-Tier Anup Sastry (u.a. SKYHARBOR, JEFF LOOMIS) die Aufnahmen für ihr Full-Length-Debüt, das demnächst (und hoffentlich auch in physischer Form) ins Haus steht.

Zurück zu „In Time“: Die fünf instrumental dargebotenen Stücke bewegen sich zwischen Djent und experimentellem Metal im weiteren Sinne, sprich: auch vor Ausflügen in Jazz- oder Progressive-Gefilde scheut die Band nicht zurück. Als Eckpfeiler des Sounds könnten dabei PERIPHERY, PROTEST THE HERO und die kürzlich hier besprochenen EXIVIOUS genannt werden – ohne die Jungs von INTERVALS zwangsläufig als Abklatsch zu bezeichnen oder mit den genannten Formationen in einen Topf zu werfen.


Trotz rhythmisch teils komplexester Patterns und der zweifelsohne herausragenden technischen Fertigkeit der Saiten-Fraktion machen die Stücke einen sehr kompakten und aufgeräumten Eindruck – was nicht zuletzt der starken Performance von Schlagwerker Sastry geschuldet ist, der den Laden mit ausgeprägter Tightness und viel Groove zusammenhält. Zudem vermeiden INTERVALS ausladende Frickel-Orgien und arbeiten immer wieder mit eingängigen, greifbaren Parts, den Hörer bei der Stange halten. Insbesondere die singenden, leichtfüßigen Leads von Aaron Marshall übernehmen dabei immer wieder die Rolle des Gesangs – und verleihen den Songs auf diese Weise Struktur und Wiedererkennungswert.

Ein wirkliches Highlight ist auf „In Time“ schwer auszumachen, da sich alle Stücke auf sehr hohem Niveau bewegen. Während es bei „Mata Hari“ eher technisch und versiert zu Werke geht, legen Songs wie das eher geradlinige „Tapestry“ (mit coolem Gast-Solo von Olly Steele / MONUMENTS) und das jazzig angehauchte „Epiphany“ den Fokus etwas mehr auf Atmosphäre und Melodie. Das flotte „Momento“ wiederum überrascht mit fast schon klassischem Melodic-Metal-Anstrich.

Am Ende stehen beeindruckende, viel zu kurze 23 Minuten und zweifelsfrei einer der Genre-Kracher des vergangenen Jahres. Natürlich: Die Frage, ob INTERVALS dieses Level auch auf Album-Länge an den Tag legen können, muss noch (und wird hoffentlich bald) beantwortet werden. Wirkliche Zweifel daran habe ich angesichts der Frische, Kreativität und Organik des Materials aber nicht. Fans eingangs erwähnter Formationen sollten, nein müssen (!) diese Truppe unbedingt antesten. Dank „Name your price“ (hier geht’s zum Bandcamp-Profil) können sich auch Skeptiker kostengünstig mit der Scheibe versorgen – wobei „In Time“ zweifelsfrei jeden Cent wert ist.

28.11.2013

"Am Ende isses immer Arbeit."

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