Linkin Park - Unshatter
Review
“The Hardest Part Of Ending Is Starting Again“. Wie besser könnte man die Vorgänge und die Gefühle nach dem Verlust einer geliebten Person mit einem Satz beschreiben? Als LINKIN PARK im Juli 2017 mit der Nachricht vom Tod ihres Frontmannes und Bandkollegen Chester Bennington fertig werden müssen, trifft es die Mitglieder nicht nur auf persönlicher Ebene sehr schlimm. Auch auf professioneller Ebene entstehen ein Vakuum und riesige Fragezeichen. Wie geht es weiter? Kann es weitergehen? Soll es weitergehen? Darf es weitergehen? Jahrelang liegt die musikalische Arbeit der Band brach. LINKIN PARK stehen von einem Tag zum anderen schlagartig vor dem Aus.
Offiziell gibt es zwar immer wieder Statements, dass LINKIN PARK weitermachen werden, jedoch nur, wenn ein Sänger “auf natürlichem Wege“ zur Band findet. Was auch bedeuten kann, nie. Entsprechend hatte auch niemand damit gerechnet, von dieser Band jemals noch einmal viel neues Songmaterial zu hören, geschweige denn mit neuer Stimme. Umso überraschender kam dann für alle Welt der Live Stream Anfang September 2024, mit dem LINKIN PARK die sprichwörtliche Katze aus dem Sack ließen, ihre neue Frontfrau Emily Armstrong und den neuen Drummer Colin Brittain vorstellten UND sogar ein neues Album in die Startlöcher stellten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.
LINKIN PARK plaudern aus dem Nähkästchen
“Unshatter“ ist eine Dokumentation, die die verbliebenen Bandmitglieder bei dem Entschluss begleitet, sich wieder zu einer Band zusammenzuraufen und sich eine neue Stimme und einen neuen Drummer zu suchen. Der Film entstand unter der Regie von Bandmitglied Joe Hahn und verläuft auf mehreren Zeitebenen. Zwischen Livemitschnitten vom ersten Stadionkonzert in neuer Konstellation am 15.11.2024 in São Paulo in Brasilien und Ausschnitten vom Comeback-Streaming-Konzert im September 2024 gibt es immer wieder Rückblenden, beginnend mit einem Tag im Studio von Mike Shinoda im Jahr 2022, bis sich der Kreis dann mit dem Livekonzert im São Paulo zeitlich wieder schließt.
In der ersten Rückblende zum Studiotag 2022 gibt es einzelne Statements der Bandmitglieder zu dem Moment, als alles mit dem Tod von Chester Bennington zum Halten kam. Es sei ein Vakuum entstanden – “we started as Kids and didn’t stop until that day“. Es folgen Erinnerungen an den Punkt, als sie beschlossen, wieder Musik zu machen, vielleicht kleiner zu starten, kleine Shows tagsüber auf kleinen Festivals zu spielen. Sich vielleicht anders zu nennen? Mike Shinoda erinnert sich, sie hätten den Druck klein halten und zunächst einfach als Freunde zusammenkommen wollen und nicht zu dem Zweck, Musik zu machen.
Die Doku folgt dann dem Prozess, wie die Band wieder aktiv zusammen Musik macht. Wie zwei Mitglieder, Rob Bourdon und Brad Delson, sich dagegen entscheiden, weiterhin aktive Mitglieder der Band sein zu wollen. Wie die Entscheidung fällt, Colin Brittain als Nachfolger für Rob Bourdon ins Boot zu holen und Brad Delson als Studiomusiker und Bandmitglied zurückkehrt, aber von vornherein ausschließt, wieder mit auf Tour gehen zu wollen. Und springt schließlich zu dem Punkt, an dem Emily Armstrong auf der Bildfläche erscheint. Mike Shinoda wird später sagen “Rather than answering a question that couldn’t be answered, she just started her own new story“, und das umschreibt ziemlich gut den Vibe, den die Doku einfängt.
“Unshatter“ ist kein Chester Bennington Tribut
Man sieht LINKIN PARK wieder zu einer Band zusammenwachsen, nur mit anderer Besetzung. Den Weg zum neuen Album, zur Livestreaming Show, zum Stadionkonzert. Die Doku vermittelt auf unaufgeregte Weise sowohl in den Rückblenden als auch den Live-Teilen die Freude und Aufregung, aber auch die Arbeit, die die sechs Musiker zusammenschweißt, und weiß auf diese Weise hervorragend zu unterhalten und den ein oder anderen Gänsehautschauer zu erzeugen. Wer also gerne einen Einblick möchte in das Schaffen der Band seit 2022 und mitreißende Liveperformances auf der großen Leinwand erleben will, dem sei “Unshatter“ sehr ans Herz gelegt. Es könnte sogar den ein oder anderen hartnäckigen Kritiker mit “der Neuen“ am Mikrofon versöhnen.
Wer jedoch eine Chester Bennington Tribut-Dokumentation erwartet; das liefert der Film nicht. “Unshatter“ beschäftigt sich tatsächlich vorwiegend mit dem Weg der Band ab dem Jahr 2022 und blickt selten ganz weit zurück – bis ganz zum Schluss. Da gibt es im Abspann einen Clip, der die ganz junge Band in ihren Anfangsjahren bei einer Probesession in einem Keller zeigt. Und plötzlich ist er doch da, der dicke Kloß im Hals, der dem Zuschauer die Tränen der Rührung in die Augen treibt – aber mit einem versöhnlichen Gefühl, denn während der ganzen Dokumentation entsteht nie der Eindruck, dass jemand ersetzt und vergessen werden soll. Vielmehr macht sie Hoffnung, dass das alte Material weiterhin auf hohem Niveau live dargeboten werden wird, und weckt einmal mehr die Freude auf das, was die Band noch vorhat. Und das ist so ziemlich das schönste Geschenk, das man als jahrelanger Fan erhalten kann.
Linkin Park - Unshatter
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Dokumentation |
| Anzahl Songs | 0 |
| Spieldauer | 110:00 |
| Release | 30.09.2026 |
| Label | Trafalgar Releasing |
