Loom Light - Ein Maerchen Das Es Nicht Mehr Gibt

Review

Wer tatsächlich glaubt, mit L’ÂME IMMORTELLE sei die Grenze zur floriansilbereisenesken Musik endgültig überschritten, der irrt. Genau wie auch jene, die behaupten, ILLUMINATE hätten im Schlager-Gothic alles gesagt. Wie naiv, denn die sind alle nur halb so schlimm: die Österreicher LOOM LIGHT setzen nämlich noch einen drauf und bringen es tatsächlich fertig, noch seichteren Pop mit noch mehr von Pathos triefendem Gothic, noch ausgelutschteren sporadischen Gitarrenriffs und ebensolchen Elektroelementen zu vermengen. Und das oftmals völlig planlos aneinandergeklatscht.

Demnach klingen diverse Ausflüge in Rock- und Digitalgefilde um so deplatzierter. Den Vogel schießen neben dem ungemein flachen Sound und dem gar grausig programmierten Drumcomputer allerdings die Vocals ab. Hauptsängerin Marie Luise versucht mit dünnem Stimmchen und pseudolaszivem Ächzen zu punkten und hätte von uns‘ DSDS-Diedä wohl bestimmt einen markigen Spruch der negativsten Sorte eingafahren – selbst dieser Un-Musiker hätte mit seiner „Kompetenz“ das nicht vorhandene Talent erkannt, und das heißt ja schon was. Und wieso diese Dame fast jedes „a“ wie ein „ä“ singt, ist mir auch schleierhaft. Doch auch die gesprochene Stimme von, ähem, Dark Romeo trägt zu unfreiwilliger Komik bei, besonders die Effekte zur Verfremdung der Vocals wie beispielsweise bei „Spieglein“ können ja wohl unmöglich ernst gemeint sein, oder? So etwas kommt raus, wenn man böse ist und an verbotenen Knöpfen spielt!

Diverse amateurhaft eingestreute Samples und musikalische Zitate aus Fremdkompositionen sowie auf dem Keyboard nachgespielte Instrumente in Form billiger Presets sorgen ebenfalls für Gänsehaut der unangenehmen Sorte. Was das Timing der Musiker angeht, bin ich mir fast sicher, dass die Software Pro-Tools hier der präziseste Musiker war. Gar grauslige Texte, die platter kaum sein könnten, treiben einem den kalten Schweiß auf die Stirn, und wenn es nicht schon vorher passiert ist, so überkommt einen spätestens bei „Zeit“, einem Möchtegern-JULI bzw. SILBERMOND-Vergehen, das Verlangen, einfach nur noch laut loszuschreien. Hat man es tatsächlich noch bis zum letzten Song geschafft, kommt man in den zweifelhaften Genuss von „Die Schlacht in Samor“, bei der Marie Louise zu MC Mary-Lou transformiert und mit ihren „FANTA 4 in schlecht“-Raps dem Werk die endgültige Krone der Peinlichkeit aufsetzt.

Da stellt sich mir die Frage, was dieser stümperhaft zusammengeschusterte Stilmix, welcher beinahe akustischer Körperverletzung gleichkommt, soll. Bis auf ein paar nette musikalische Ideen und der netten Aufmachung der CD gibt es leider nichts, was dem erschöpften Rezensenten zumindest einen kleinen Anlass gibt, um es positiv zu erwähnen. Bei aller Anerkennung der Mühen der Band muss ich trotzdem zu folgendem Fazit kommen: „Ein Märchen, das es nicht mehr gibt“? Nein, ein Album, das es niemals hätte geben sollen!

23.12.2006

Der metal.de Serviervorschlag

Oder auch: "Wer 'Ein Maerchen Das Es Nicht Mehr Gibt' von Loom Light mag, wird auch das hier mögen." Lass andere Leser wissen, welche Platten sie noch anchecken sollten, wenn ihnen "Ein Maerchen Das Es Nicht Mehr Gibt" gefällt.

Es gibt noch keine Empfehlungen zu diesem Album. Willst du die erste abgeben? Dann registriere dich oder logge dich ein.

Interessante Alben finden

Auf der Suche nach neuer Mucke? Durchsuche unser Review-Archiv mit aktuell 34300 Reviews und lass Dich inspirieren!

Nach Wertung filtern ▼︎
Punkten
Nach Genres filtern ►︎
  • Black Metal
  • Death Metal
  • Doom Metal
  • Gothic / Darkwave
  • Gothic Metal / Mittelalter
  • Hardcore / Grindcore
  • Heavy Metal
  • Industrial / Electronic
  • Modern Metal
  • Pagan / Viking Metal
  • Post-Rock/Metal
  • Progressive Rock/Metal
  • Punk
  • Rock
  • Sonstige
  • Thrash Metal

1 Kommentar zu Loom Light - Ein Maerchen Das Es Nicht Mehr Gibt

  1. deadwood sagt:

    Schön sarkastisches review, gefällt mir. Wegen mir darf der ganze Gothic aussterben…

    5/10