Manuel Trummer - Highway To Hell: Das Satanische Im Heavy Metal

Review

Ist Heavy Metal jetzt eigentlich Teufelsmusik oder nicht? Diese Frage beantwortet der Kulturwissenschaftler MANUEL TRUMMER in seinem Buch „Highway To Hell“ und betrachtet auf 166 Seiten die Geschichte des Teufels in unserer Gesellschaft und von da aus seinen Weg in den Heavy Metal. Fans von haptischen Produkten kommen hier voll auf ihre Kosten. Mit rotem Seitenschnitt, unterstützenden Bildern im Text und in roter Schriftfarbe enthaltenen Songtexten, die zum jeweiligen Kapitel passen, macht „Highway To Hell“ optisch schon eimal gut etwas her.

„Highway To Hell“ kommt zwischendurch vom Weg ab

Auch inhaltlich beginnt es spannend und Manuel Trummer beleuchtet nach einer kurzen Begriffsabgrenzung die verschiedenen Aspekte des Teufels beziehungsweise des Satanismus im Heavy Metal. Das ist zum Beispiel Satanismus als Show-Act wie im Fall von ALICE COOPER, als wenigstens halbwegs ernst gemeinte Blasphemie wie bei VENOM oder als Sinnbild für Freiheit und Hexenkult bei COVEN. Manuel Trummer erläutert jeweils an verschiedenen Songtext- und Interview-Auszügen die Einstellung der jeweiligen Bands und liefert so nicht nur neue Informationen, sondern erlaubt es Oldschool-Fans, gleichzeitig in Nostalgie zu schwelgen. Wie der Untertitel des Buches es vermuten lässt, liegt der Fokus dabei hauptsächlich auf klassischem Heavy Metal.

Oder zumindest trifft das für die erste Hälfte des Buches zu. In der zweiten Hälfte entfernt das Buch sich von individuellen Band-Beispielen und erweitert den Rahmen, in dem Satanismus betrachtet wird. Dabei wird die norwegische Black-Metal-Szene rund um MAYHEM und Konsorten noch einmal unter die Lupe genommen. Hier geht es allerdings mehr um die Abgründe der Szene an sich als um einen konkreten Bezug zum Satanischen und beim Satz

„Die ungewöhnlich hohe Suizidrate unter Black Metal-Musikern zeigt, dass Satanismus auch ein ernstzunehmendes psychologisches und pädagogisches Problem ist, indem er tieferliegende persönliche Feindbilder, Ängste und Traumata an die Oberfläche bringen kann.“

stellt sich sicher dem einen oder anderen die Frage, wie wissenschaftlich die angenommene Kausalität zwischen Satanismus und Suizidrate im Black Metal wirklich ist.

Auch das darauffolgende Kapitel „‚Aryan Black Metal‘: Von Satan zu Hitler“ hat an sich bestimmt seine Daseinsberechtigung, entfernt sich aber immer weiter vom roten Faden und der Zusammenhang zum Titelthema ist zwischenzeitlich kaum noch erkennbar. Insgesamt ist es nicht ganz klar, welche Frage oder These mit „Highway To Hell“ genau beantwortet werden soll. Heavy-Metal-Fans finden hier eine Zusammenstellung verschiedener satanischer Einflüsse und Zeichen, aber vermutlich nur wenige völlig neue Informationen.

Keine neue Pflichtlektüre, aber kurzweilige Unterhaltung

Nichtsdestotrotz ist „Highway To Hell“ mit seiner ansprechenden Aufmachung, überschaubaren Seitenzahl und Manuel Trummers angenehmem Schreibstil eine kurzweilige Lektüre. Auch, wenn die zweite Hälfte des Buches etwas an Wissenschaftlichkeit verliert und vom roten Faden abkommt, bündelt vor allem der erste Teil Informationen auf eine spannende Art und Weise, die die Fans mit auf eine Reise in die Vergangenheit nimmt und zum Reflektieren über die eigenen Motive in der Metal-Szene anregt. Und das natürlich am besten, während man sich durch die vierzig am Ende gelisteten satanischen Referenzwerke hört.

17.05.2024

"Es ist gut, aber es gefällt mir nicht." - Johann Wolfgang von Goethe

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