Markus Schauta - Der Heilige von Bruckstadt

Review

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Deutschland, 1631. Der Dreißigjährige Krieg tobt im gesamten Reich und entvölkert ganze Landstriche. Auch der Ort Bruckstadt leidet, wird er doch von einem alten Fluch geplagt, von Kannibalen und Untoten, während sich im umliegenden Moor tödliche Riesenspinnen und mysteriöse Sumpfelfen herumtreiben.

Moment. Das klingt historisch nicht korrekt? Ist es auch nicht und will es nicht sein. „Der Heilige von Bruckstadt“ ist ein Mix aus Historie und Fantasy. Wer sich ein bisschen mit der Frühen Neuzeit auskennt, sollte also besser die Scheuklappen aufsetzen, bevor es an den Spieltisch geht.

Fantasy meets History

Entsprechend phantastisch ist der Auftrag an die Spielcharaktere. Damit der Segen eines Heiligen erhalten bleibt, der in den Katakomben unter der Stadt begraben liegt, muss alle zehn Jahre sein Grabtuch erneuert werden. Scheint erst einmal einfach zu sein, aber die bisherigen Expeditionen in die Tiefe sind verschollen und es bleiben nur noch zwölf Tage Zeit, um das Ritual zu vollziehen.

Das klingt nach einem plumpen Dungeon Crawl, doch simpel gestrickt ist hier gar nichts. Die Story hält einige Überraschungen parat, das Szenario an sich bietet viele Möglichkeiten zur Erkundung. Falls die Spielfiguren vorab etwas über den Heiligen recherchieren, könnten sie zum Beispiel auf die Idee kommen, dass sie einige Gegenstände benötigen, die sich im Umland der Stadt finden lassen.

Weite Moore, tiefe Verliese und dunkle Märchen

Es geht also nicht nur in die Tiefe, sondern auch in die Weite, ins Moor, in ein Hügelgrab oder eine alte Festung. „Der Heilige von Bruckstadt“ ist angenehm offen gestaltet und gibt nicht vor, in welcher Reihenfolge irgendwas erledigt oder irgendein Ort besucht werden muss. Dabei haben die Spielfiguren ständig die Zeit gegen sich. Tatsächlich gibt Autor Markus Schauta auch einen kurzen Ausblick, was geschehen würde, wenn das Grabtuch nicht rechtzeitig erneuert werden kann und Bruckstadt den Segen des Heiligen verliert.

Viel mehr sei an dieser Stelle nicht über den Heiligen und sein Geheimnis verraten. Zu den Schauplätzen sei jedoch gesagt, dass diese durchaus charmant gestaltet sind. Im Spannungsfeld von Fantasy und Historie entsteht eine eigentümliche, verschrobene Stimmung, wie man sie vielleicht aus Büchern wie „Krabat“ oder Filmen wie „Brothers Grimm“ kennt. Dunkle Märchen und alte Sagen scheinen wahr zu werden, während die Grauen des Krieges und die Schrecken der Vergangenheit nach Bruckstadt einsickern.

Dabei schießt der Autor manchmal auch über das Ziel hinaus. An einigen Stellen in den Katakomben aber auch im städtischen Bordell, kann es zu Szenen kommen, die in ihrer plumpen Gewaltdarstellung durchaus als geschmacklos gelten können. Aber hey, das trifft auch auf manche Band zu, die wir hier besprechen also sei es an dieser Stelle lediglich erwähnt, um jene zu warnen, die es mit „Sex and Violence“ im Rollenspiel nicht so haben.

„Der Heilige von Bruckstadt“ kennt keine Gnade

Was aber abseits aller Geschmäcker zum Problem werden kann: „Der Heilige von Bruckstadt“ ist bockschwer. Laut Beschreibung können die Charaktere auf Stufe 1 anfangen und im Verlauf des Abenteuers Stufe 4 erreichen. Viele der Begegnungen fegen eine Stufe-1-Party jedoch schneller von der Bildfläche, als der Grunge einst den Haarspray-Metal aus dem Mainstream. Entweder bereitet man direkt mehrere Spielfiguren vor oder startet einfach mit einer kompetenten Gruppe auf Stufe 3 in die Geschichte.

Moment (zum zweiten). Was für Stufen? Mit welchem Rollenspiel-System kann man „Der Heilige von Bruckstadt“ überhaupt spielen? Ursprünglich für das System LAMENTATIONS OF THE FLAME PRINCESS geschrieben, kann das Abenteuer auch mit anderen Old-School-Systemen auf D20-Basis gespielt werden. Neugierige finden unter dem Schlagwort „OSR“ (kurz für Old-School-Renaissance oder -Revival) zahlreiche mehr oder weniger einstiegsfreundliche Systeme wie SWORDS AND WIZARDRY, OLD SCHOOL ESSENTIALS oder eben alte Editionen von DUNGEONS AND DRAGONS.

Spannend und fordernd

„Der Heilige von Bruckstadt“ ist ein spannendes, aber auch forderndes Abenteuer. Durch das Zeitlimit entsteht nicht nur Druck, sondern auch eine gewisse Epik in einem spektakulären Wettlauf gegen die Zeit. Denn um rechtzeitig das Grabtuch erneuern zu können, werden Opfer gebracht werden müssen.

Das Abenteuer steckt voller bizarrer Todesfallen und ist gnadenlos, wenn diese erst einmal ausgelöst wurden. Autor Markus Schachta hat allerdings auch viele sehr fantasievolle und überraschende Momente eingebaut. „Der Heilige von Bruckstadt“ ist abwechslungsreich und kann durch seinen offenen wie durchdachten Aufbau punkten.

Wer also bereits einige Erfahrungen mit OSR-Abenteuern hat, sollte in diesem Band viele Stunden Spielspaß finden, aber sich auch auf einige frustrierende Momente einstellen. Aber vielleicht macht gerade das den besonderen Reiz aus. Wenn man am Ende sagen kann: „Ja, wir haben Bruckstadt gerettet – aber es hat uns viel gekostet“, dürfte das der Beginn einer unvergesslichen Geschichte sein.

Der Soundtrack für fordernde Abenteuer in Bruckstadt: DAUTHUZ – Vom Schwarzen Schmied / CORVUS CORAX – Era Metallum / SAVAGE MASTER – Those Who Hunt At Night 

Würfeln und blättern, statt lauschen und headbangen – In der Rubrik „Dice ‚em All“ stellen wir euch ausnahmsweise keine Musik vor, sondern Rollen- und Brettspiele.

13.09.2022

Der metal.de Serviervorschlag

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