Mastodon - Marrow Deep

Review

Wenn das MASTODON einmal mehr seinen mächtigen Körper in Bewegung setzt und zum filigranen Gewaltballett anhebt, dann weiten sich aller Augen und setzt die Gefolgschaft zum kollektiven Götzendienst an. So auch im Angesicht von „Marrow Deep“. Erneut scheitern alle natürlich beim Versuch, die Ehrerbietung angemessen zu gestalten: Headbangend im Moshpit mit voller Wucht wegzuträumen, während man sich grimmig lächelnd mit vertracktem Rhythmus ins Prog-Nirwana wippt – es ist einfacher, die Segnungen alkoholfreien Sekts im Bierkönig zu preisen. Erfüllender tendenziell nicht.

MASTODON sind eine Zumutung

Denn einerseits zeigt „Marrow Deep“ einmal mehr, dass MASTODON im Prinzip eine Zumutung sind. Beträchtliche Brocken von Sludge, krasse Rhythmen, die klangliche Umarmung psychoaktiver Substanzen und funkelnde Melodien: Es gibt alles auf einmal, wobei aktuell Keyboardsoli solche der Gitarre ersetzen. Das neue tragende Element schmälert aber, und das verweist auf das Andererseits, die musikalische Magie der Band zu keinem Moment. Im Gegenteil: Es gelingt der gebeutelten Crew aus Atlanta auf „Marrow Deep“ einmal mehr, all die nicht zwingend blutsverwandten Elemente faszinierend schlüssig zu integrieren. Man gibt sich das erste Album nach Brent Hinds zwei- bis dreimal und schon fräsen sich diverse Hits brutal betörend in die Seele. Direkt. Das bekommen beispielsweise die an anderem Ort ähnlich breit aufgestellten OPETH nicht immer so elegant hin.

„Marrow Deep“ ist brutal betörend

Über die Fähigkeiten von Brann Dailor, Bill Keliher und Troy Sanders muss nichts mehr gesagt werden. Der neue Gitarrist Nick Johnston ersetzt Brent Hinds nicht, zumal er nicht singt, zusammen mit Keyboarder João Nogueira hilft er aber, MASTODON vom Abgrund und in die Offensive zu treiben. Heißt es in „Barbarians Blood“ einleitend „We’re in danger of losing everything!“, so zerlegt die Musik der folgenden guten Stunde diese Befürchtung nach allen Regeln der verrückten Kunst.
Und was bleibt, da alle Stücke grollen und funkeln? Namedropping. Josh Homme (KYUSS/QUEENS OF THE STONE AGE) taucht im fixen „Snakes For Dinner“ nach 20 Jahren erneut als Gast auf und die Szenerie gegen Ende in dunkelsamtenes Lanegan-Licht.
„The Vanishing“ stellt schleppend-verstrahlt den Genius früher BLACK SABBATH heraus und „The Three Fates“ sich selbst als angemessen epischer Schlusspunkt mit Neil Fallon von CLUTCH.
Jedenfalls: Die mächtigen MASTODON sind zurück – und wer weiß, wieviele Punkte nach weiteren 20 Stunden von „Marrow Deep“ unter diesem Text stünden …

27.08.2026
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