Mastodon - Hushed And Grim

Review

Soundcheck November 2021# 3 Galerie mit 15 Bildern: Mastodon - European Tour 2019 in Hamburg

Wenn selbst den Atlanta-Prog-Heroen von MASTODON die Farbpalette aus den Händen rutscht und eine grauschlierige Zwischenwelt an die Stelle von psychedelisch-bunten Tagträumen tritt, dann müssen es wahrhaft düstere Zeiten sein. „Hushed And Grim“? Ein über siebzigminütiges Doppelalbum ohne Lichtblicke? Haben Troy, Bill, Brent & Brann sich diesmal unter dem Einfluss einer scheinbar nicht enden wollenden Pandemie verhoben?

Werkschau und Weiterentwicklung

Entwarnung – für MASTODON-Fans und eigentlich die gesamte stilistisch aufgeschlossene Musikwelt. „Hushed And Grim“ ist zum Glück unheimlich gut, weist keinerlei Längen auf, verbindet Werkschau und Weiterentwicklung und kommt vor allem gar nicht so düster herüber, wie Cover und Titel vermuten lassen.

Schon die drei vorab veröffentlichten Tracks „Pushing The Tides“, „Teardrinker“ und „Sickle And Peace“ vermittelten einen gewissen Eindruck von der Stilvielfalt, die MASTODON auf „Hushed And Grim“ servieren könnten – und auch von den neuen Pfaden, die das Quartett stets zu schlagen bereit ist. Wo „Pushing The Tides“ bis zum erlösenden Brann-Daylor-Refrain noch am ehesten den Sludge-Wurzeln der Südstaatler huldigt, ist „Teardrinker“ eine Classic-Rock-Hymne, die mit frech konventionellem Aufbau und unverschämter Eingängigkeit viel riskiert und alles gewinnt. Und „Sickle And Peace“? Hypnotisch, irgendwie neu, irgendwie ganz schön fesselnd.

MASTODON waren vielleicht nie besser

Von einer Track-für-Track-Besprechung soll an dieser Stelle abgesehen werden, weil erstens jedes MASTODON-Album eine Reise darstellt, bei der sich vieles nur im Kontext erschließt und zweitens für überzeugende Doppelalben genau das gleiche gilt. Die Reise von „Hushed And Grim“ führt uns zu einigen der vielschichtigsten und verschrobensten Kompositionen, aber auch zur vielleicht ersten reinen Ballade der Bandgeschichte. Wir werden Zeuge, wie Brent Hinds einen Southern-Sludge-Prog-Bastard gebiert und „Peace And Tranquillity“ mit einem manischen Prog-Jazz-Riff Lügen straft. Wir dürfen einer Band zuhören, bei der vier großartige Musiker sich nicht gegenseitig neutralisieren, sondern einander immer wieder zu neuen Höchstleistungen in ihren jeweiligen Disziplinen anspornen. So gelingt sogar das unwahrscheinliche Kunststück, ein Doppelalbum keine Sekunde zu lang wirken zu lassen.

Ohne Werke wie „Leviathan“,  „Crack The Skye“ und ihr Vermächtnis schmälern zu wollen: Es könnte sein, dass MASTODON nie besser waren als auf „Hushed And Grim“. Ausnahmslos jeder der 15 Songs weist hier eine Tiefe und Vielschichtigkeit auf, die auf den letzten Veröffentlichungen nie so ganz bis zum Ende durchgehalten wurde. Zudem haben MASTODON heute MASTODON vor 15 Jahren voraus, dass sie ihre prägnanten Stimmen nicht als Dressing auf knackige Prog-Epen träufeln, sondern als integrale Song-Bestandteile mitdenken. Solch ganzheitliches Songwriting macht am Ende den Unterschied zwischen Genre-Meilensteinen und Meilensteinen aus.

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29.10.2021

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8 Kommentare zu Mastodon - Hushed And Grim

  1. Lake sagt:

    Mögen die Nörgler wieder nörgeln. Kein sludge oder zu wenig. Nicht bei nuclear blast veröffentlicht. Egal, dieses Album beinhaltet auf ganzer Länge das, was einen Klassiker ausmacht: Innovation, Weiterentwicklung sprich Progrssivität, Hooklines en Mass, eine Spitzenproduktion, keine Längen im Gegenteil: das Ding wird zum Ende hin immer besser, hat selbstverständlich nicht mehr viel mit Remission zu tun aber hat das ernsthaft jemand erwartet?? Mastodon sind was sie immer waren: eigenständig, progressiv, songdienlich, kurzum Album des Jahres, fertig!!

    10/10
  2. casualtie78 sagt:

    Mastodon……der Name ist schon lange bekannt,habe aber noch nie ein Album in voller Länge gehört. Warum auch immer,irgendwie sind die immer an mir vorbei gezogen. Vielleicht war es auch wegen den absolut bescheidenden Cover der Platten. Spaß beiseite…..
    War offensichtlich ein Fehler. Habe „Hushed and grim“ 2mal bei youtube durchgehört und muss sagen-mir gefällts. (Bisher) keine Ahnung wie sehr die sich im Sound seit ihren Anfangstagen verändert haben,aber egal. Wird wohl zeitnah nachgeholt.
    Sehr gutes Album und ich befürchte das es eine ordentliche Langzeitwirkung haben dürfte. 🙂 Die 3 Sänger bringen auf jeden Fall eine gute Abwechslung mit sich ,die Songs haben n guten Aufbau und da es mitlerweile draußen regnet gibts jetzt Runde 3.

    9/10
  3. Vlad_the_Impala sagt:

    Die wird echt mit jedem Hören besser … noch 2-3 Durchläufe, und ich zück hier auch die Höchstnote. 🙂
    Gefällt mir sehr.

  4. Vlad_the_Impala sagt:

    Ok, dann geh ich heute wohl mal „All In“.
    Ich liebe dieses Album … und möchte es mir einfach immer und immer wieder anhören. <3

    10/10
  5. Intravenom sagt:

    Ein großartiges Meisterwerk vom ersten bis zum letzten Song.
    Wird wahrscheinlich mein Album des Jahres vorausgesetzt Meshuggah bringen dieses Jahr kein Album mehr raus.

    10/10
  6. Lysolium 68 sagt:

    Schön wie Mastodon das immer schaffen.

    9/10
  7. Schraluk sagt:

    Geniales Album. Wieder mal. Unverkennbar Mastodon. Aber nach vorn guckend, natürlich ohne zu kopieren oder sich anzubiedern. Eingängiger, aber nach wie vor kantig und eine perfekte Weiterentwicklung von ‚Emperor Of Sand‘. Harter Anwärter für das Album des Jahres. I like!

    10/10