
Wer SARCATOR noch als kompromisslose Blackened-Thrash-Band in Erinnerung hat, dürfte bei „The Ones We Follow“ zunächst etwas überrascht sein. Auf ihrem vierten Studioalbum haben die Schweden nämlich beschlossen, sich endgültig von sämtlichen Genregrenzen zu verabschieden. Statt ausschließlich mit schnellen Riffs und aggressivem Gesang um sich zu werfen, mischen SARCATOR diesmal klassischen Heavy Metal, Punk, Gothic Rock und sogar Western-Einflüsse unter ihren Sound. Das klingt nach einer ziemlich wilden Kombination, funktioniert aber erstaunlich gut.
SARCATOR verlassen die gewohnten Thrash-Pfade
Bereits der Titeltrack macht deutlich, dass sich SARCATOR musikalisch weiterentwickelt haben. „The Ones We Follow“ dauert nicht einmal drei Minuten und verbindet die raue Energie des Thrash Metal mit einem beinahe punkigen Rhythmus. Dazu kommt Mateo Tervonens aggressiver Gesang, der dafür sorgt, dass die Schweden trotz der neuen Einflüsse sofort wiederzuerkennen sind.
„The Underground Streets“ schlägt anschließend eine deutlich düsterere Richtung ein. Statt mit Vollgas nach vorne zu preschen, setzen SARCATOR stärker auf Atmosphäre und einen treibenden Groove. Gerade die Gothic-Rock-Einflüsse geben dem Song einen ungewöhnlichen Charakter, ohne dass die Gitarren dabei an Härte verlieren.
Mit „You Gotta Possess Me“ wird es wieder direkter. Hier treffen aggressive Riffs auf eine ordentliche Portion Rock ’n’ Roll. Die Mischung erinnert stellenweise an KVELERTAK und macht deutlich, dass SARCATOR inzwischen mindestens genauso viel Interesse an eingängigen Songs wie an technischen Spielereien haben.
Besonders interessant ist „In Search Of Oblivion“. Die Band selbst bezeichnet den Song als eine Art Powerballade, wobei dieser Begriff angesichts des weiterhin ziemlich rauen Gesangs etwas ungewöhnlich erscheint. Musikalisch verbinden SARCATOR hier die düstere Atmosphäre von DANZIG mit dem schweren Groove der 90er-METALLICA. Dazu gesellen sich melodische Passagen, die stellenweise an Gothic-Rock-Bands wie THE SISTERS OF MERCY erinnern. Dass diese Mischung tatsächlich in einem Song funktioniert, gehört zu den spannendsten Aspekten der neuen musikalischen Ausrichtung.
Zwischen Gothic Rock und Wildwest-Atmosphäre
Mit „Rotting Chapels“ nehmen sich SARCATOR anschließend deutlich mehr Zeit. Das über siebenminütige Stück zeigt, dass die Schweden trotz ihres stärkeren Fokus auf Eingängigkeit nicht sämtliche komplexeren Arrangements über Bord geworfen haben. Hier stehen wieder die düstere Atmosphäre und die Verbindung unterschiedlicher musikalischer Einflüsse im Vordergrund.
„Bleeding Ages“ greift diese Stimmung auf und lässt die Western-Einflüsse noch deutlicher hervortreten. Zwischen schweren Gitarren und einer beinahe gespenstischen Atmosphäre entsteht eine ungewöhnliche Mischung aus Metal und düsterem Rock. Besonders spannend ist dabei, wie selbstverständlich SARCATOR diese unterschiedlichen Stilrichtungen miteinander verbinden.
Mit „Volatile Insight“ rückt die aggressivere Seite der Band wieder stärker in den Mittelpunkt. Die Nummer wirkt deutlich ungestümer und erinnert daran, dass die Schweden ursprünglich aus dem extremen Metal kommen.
„Ain’t Fit To Live“ schlägt anschließend wieder eine andere Richtung ein. Schwere, stampfende Riffs treffen auf Slide-Gitarren und einen ausgeprägten Americana-Einschlag. Inhaltlich geht es um einen Gesetzlosen, der kurz vor seiner Hinrichtung steht und sein Schicksal akzeptiert. Musikalisch erinnert der Song dabei stellenweise an die rockigere Phase von MÖTLEY CRÜE in den Neunzigern.
Dass SARCATOR ausgerechnet mit solchen Einflüssen experimentieren, hätte man nach ihrem Debüt wohl kaum erwartet.
SARCATOR finden ihren eigenen Weg
Auch gegen Ende gehen den Schweden die Ideen nicht aus. „Wasteland Strider“ überrascht mit klarem Gesang und einem eingängigen Groove, der noch einmal eine völlig andere Seite der Band zeigt. Der abschließende „Wanderlust“ nimmt sich anschließend über sieben Minuten Zeit und greift erneut die ungewöhnlicheren Einflüsse des Albums auf. Sogar eine Mundharmonika findet hier ihren Platz.
Diese musikalische Offenheit ist gleichzeitig die größte Stärke und die größte Herausforderung von „The Ones We Follow“. Denn so spannend die unterschiedlichen Einflüsse auch sind, entsteht stellenweise der Eindruck, dass SARCATOR möglichst viele ihrer Ideen auf einer einzigen Platte unterbringen wollten. Gerade Fans der früheren Blackened-Thrash-Alben dürften sich an manchen Stellen fragen, wo die kompromisslose Aggressivität geblieben ist.
Andererseits wäre es wohl ziemlich langweilig, wenn eine junge Band bereits auf ihrem vierten Album beschließen würde, sich für den Rest ihrer Karriere auf eine einzige musikalische Formel zu verlassen. SARCATOR zeigen stattdessen, dass sie nicht nur starke Riffs schreiben können, sondern auch ein Gespür für Atmosphäre, Melodien und ungewöhnliche Arrangements besitzen.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Band trotz der stilistischen Vielfalt ihre Identität nicht vollständig verliert. Tervonens harscher Gesang und die weiterhin präsenten Extreme-Metal-Einflüsse sorgen dafür, dass selbst die rockigeren Passagen unverkennbar nach SARCATOR klingen.
„The Ones We Follow“ ist damit ein mutiger Schritt, der nicht jeden bisherigen Fan gleichermaßen begeistern dürfte. Wer allerdings bereit ist, sich auf die Mischung aus Thrash Metal, Gothic Rock und Western-Atmosphäre einzulassen, bekommt ein ungewöhnlich abwechslungsreiches Album. SARCATOR zeigen, dass musikalische Weiterentwicklung nicht zwangsläufig bedeutet, die eigenen Wurzeln aufzugeben.

Alana Vandekerkhof































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