Versengold - Was Kost Die Welt

Review

Kaum eine Band bearbeitete die pandemiekonformen Bühnen derart stark wie die Bremer Folk-Band VERSENGOLD. Ob Autokino-Konzert, Sitzplatzkonzerte oder Streaming: VERSENGOLD bespielte alle Live-Formate und die Eindrücke dazu schildert uns Frontman Malte Hoyer im Interview. Neben den Live-Konzerten wurde ein neues Werk kreiert. „Was Kost Die Welt“ ist der Nachfolger vom erfolgreichen Album „Nordlicht“, welches seit Sommer 2019 in den Plattenläden steht.

Eine berechtigte Frage: „Was Kost Die Welt“

Der Titel der Scheibe wirft eine berechtigte Frage in Zeiten von Pandemie und Klimawandel auf: „Was Kost Die Welt“. VERSENGOLD setzen den Trend fort und neben unterhaltsamen Nummern wird ein kritischer Blick auf das aktuelle Zeitgeschehen gewagt.

Der Titeltrack kommt in einer sehr leichten Verpackung daher, sodass der Text in Teilen albern wirkt. Hoyer und Mitstreiter thematisieren Kreuzfahrten und deren Auswirkungen auf die Umwelt in dieser Art und Weise, um vor allem Menschen zu erreichen, welche sich primär mit unterhaltsamen Dingen beschäftigen. Ein ernsthafter Ansatz zum Thema Klima- und Umweltschutz ist zum Beispiel auf der „Funkenflug“ zu finden. So kann der Titeltrack musikalisch und textlich nur bedingt überzeugen. Sollte der Song jedoch nur einen Menschen dazu bewegen sich mit dem Thema Klimaveränderung zu beschäftigen, dann hat er seinen Zweck erfüllt.

„Hier Kummp De Storm“ ist ein typischer VERSENGOLD-Track, welcher in plattdeutscher Mundart dargeboten wird. „Bella Schau (Mit Mir In Die Sterne)“ nimmt die verschiedenen Horoskope dieser Welt humoristisch aufs Korn, „Windsbraut“ wird balladesk melancholisch und dürfte vor allem auf zukünftigen Konzerten gut funktionieren.

Unterhaltsame Selbstironie liefert Hoyer mit „Hey Hanna“ und verpackt sein schlechtes Taktgefühl für Standardtänze in diesem Lied. „Die Wilde Jagd“ schaut nach Thüringen und den Hörselberge. „Die Wilde Jagd“, „Der Alte Rathenstein“  und „Eis Und Asche“ sind Geschichten aus Thüringen und Sachsen, welche unter Mitwirkung von Fans entstanden sind.

„Kobold Im Kopp“ ist ein Ohrwurm

Der zweite Teil der Scheibe hat es musikalisch in sich. „Augen Auf Und Durch (Gib Nicht Auf)“ spiegelt die Angst von Menschen wider, welche sich in schwierigen Zeiten weniger verdrängen lässt. „Der Alte Rathenstein“ ist das Trinklied auf „Was Kost Die Welt“ und beschäftigt sich unterhaltsam mit einer Sage aus dem Elbsandsteingebirge. Der Ritter Kunz von Rathenstein stürzte in die Teufelsschlucht, nachdem er seinen Weinkeller geleert hatte. Der Ohrwurm der Scheibe ist „Kobold Im Kopp“. Laut Hoyer haben alle Bandmitglieder irgendwo einen „Kobold Im Kopp“ und so nehmen VERSENGOLD sich selbst auf die Schippe.

Das Gegenstück folgt prompt. „Sternensee“ behandelt den Abschied von Menschen und liefert eine starke melancholische Note, welche an die Substanz geht. „Eis Und Asche“ erhält externe Unterstützung von Annie Hurdy Gurdy. Das Gesangsduo beschäftigt sich mit dem Ascheweib aus Zittau inklusive einem eingängigen Refrain. Der Schlusspunkt nennt sich passend „Die Letzte Runde“ und ist textlich wie auch musikalisch ein weiteres Highlight, wo Hoyer seine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten beschreibt.

„Was Kost Die Welt“, ein starker Genrevertreter von VERSENGOLD

Hoyer und VERSENGOLD legen bereits im ersten Monat des Jahres 2022 die Messlatte für Folk- und folkige Mittelalterwerke weit oben an. „Was Kost Die Welt“ ist ein starker Genrevertreter, der einen Spagat zwischen Unterhaltung, kritischer Anregung und tiefgehender Melancholie liefert und somit nahtlos an „Nordlicht“ anknüpft. Die Anfangsphase ist mit leicht verpackten, textlich teilweise in Albernheiten abrutschenden, Titeltrack musikalischer Schwachpunkt. Wenn es VERSENGOLD gelingt, Menschen über diesen Weg zum Thema Klimawandel anzusprechen, dann hat dieser Ansatz seine Berechtigung. Die musikalischen Highlights liegen vor allem bei den unterhaltsamen Ohrwürmern „Kobold Im Kopp“ oder „Hey Hanna“ sowie den melancholischen Noten und Texten zu „Sternensee“ oder „Die Letzte Runde“. VERSENGOLD kreieren ein starkes Werk, welches Anhänger von Folk Rock und folkigen Mittelalterklängen begeistern sollte.

21.01.2022

Ein Leben ohne Musik ist möglich, jedoch sinnlos

Exit mobile version