Ehrenamt
Die Weltpremiere in Marsberg
Special
Vier Jahre nach „Total Thrash – The Teutonic Story“ meldet sich Regisseur Daniel Hofmann mit seinem neuen Dokumentarfilm „Ehrenamt“ zurück. Statt ein musikalisches Genre zu ergründen, geht Hofmann diesmal den Widrigkeiten, aber auch der Motivation hinter und hohen Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeiten auf den Grund. Und das anhand des Metal Diver Festivals in Marsberg, das Hofmann selbst mitbegründet hat.
Dementsprechend passend fand die Weltpremiere der Doku am 21. Februar 2026 in der Schützenhalle Marsberg statt, dem Austragungsort des Festivals. Hofmann selbst gibt im Laufe des Abends zu Protokoll, dass die Überlegung, die Premiere in einem Kino stattfinden zu lassen, im Raum stand. Doch da der Film „eh zu 60 Prozent in diesem Raum spielt“, trafen sein Team und er die Entscheidung, die Premiere dort abzuhalten, wo der Film maßgeblich entstanden ist.
Metal-Versammlung in Marsberg
Obwohl der Film anders als „Total Thrash“ nicht nur Musik zum Thema hat, wird beim Blick durch die Reihen schnell klar: Heute sind in erster Linie Metal-Fans anwesend. Viele von ihnen langjährige Wegbegleiter des Festivals. Selbstredend sind auch zahlreiche der Personen vor Ort, die für den Film vor der Kamera standen. Neben Mitgliedern des hinter dem Metal Diver stehenden Vereins gehören dazu Vertreter der Stadt Marsberg, der Sponsoren des Festivals und der im Film zu Wort kommenden Bands. Fans können im Laufe des Abends das direkte Gespräch zu unter anderem AXXIS, ERADICATOR, DARKNESS und TRAITOR suchen.
Um die Premiere zu etwas Besonderem zu machen, haben sich Hofmann und sein Team ein buntes Rahmenprogramm überlegt. Erst einmal erhalten Gäste am Einlass ein Freibier, was direkt für lockere Stimmung sorgt. Den Abend eröffnet Holger Schmenk mit einer Lesung aus seinen „Kumpels in Kutten“-Büchern sowie der kürzliche erschienenen SODOM-Biografie. Mit dabei ist DARKNESS-Schlagzeuger Andreas Lakaw, der mit seiner Band 2024 beim Metal Diver auf der Bühne stand.
Im gemeinsamen Gespräch betonen die beiden die enge Verbindung zwischen der Metalszene im Sauerland und der im Ruhrgebiet. Dies äußert sich nicht nur durch zahlreiche Ruhrpottbands, die beim Metal Diver auf der Bühne standen. Auch wie Fans aus beiden Regionen im regen Kontakt stehen thematisieren Lakaw und Schmenk auf der Bühne.
Im Anschluss folgt ein Poetry Slam unter dem Motto „Screen and Slam“. In dessen Rahmen geben zwei Mitglieder des Metal Diver Vereins Texte zum besten, die sowohl sozialkritische Töne anschlagen als auch vor musikalischen Referenzen nur so strotzen. Beide ernten dementsprechend lauten Applaus seitens des Publikums.
„Film ab!“ für „Ehrenamt“
Als nächstes steht die Vorführung von „Ehrenamt“ auf dem Plan. Stilecht wird der rote Teppich ausgerollt und alle am Film beteiligten Personen stehen für zahlreiche Fotos bereit. Das bringt ein wenig Hollywood-Flair ins beschauliche Marsberg.
Im Anschluss an die Fotorunde wird es kurz still im Saal. Hofmann betritt die Bühne und bedankt sich ausgiebig bei allen, die „Ehrenamt“ möglich gemacht haben. Im gleichen Zuge betont er, dass die Anwesenden nun keinen reinen Musikfilm zu sehen bekommen. Stattdessen folgt eine Kulturdokumentation, die den Fokus auf die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit im ländlichen Raum Deutschlands legt. Und dann heißt es „Film ab“.
Wie schon „Total Thrash“ profitiert „Ehrenamt“ von der Nähe des Regisseurs zum gewählten Thema. Diesmal steht der dem Thema sogar so nah, dass er selbst mehr als einmal im Film zu Wort kommt. Schließlich gestaltet Hofmann das Metal Diver Festival seit dessen Anfängen aktiv mit. Eine One-Man-Show braucht man deswegen aber nicht zu befürchten. Zahlreiche Mitglieder des Vereins kommen zu Wort.
Dadurch gelingt es dem Film, die verschiedenen Positionen in einem ehrenamtlich Verein zu beleuchten. Neben viel positiven Worten über den Beitrag eines jeden Beteiligen kommt auch Selbstkritik nicht zu kurz. So geben die Vereinsmitglieder im Film zu verstehen, dass ihnen gerade bei den ersten Ausgaben des Festivals so mancher Fehler unterlaufen ist. Schließlich haben sie ohne Plan oder große Erfahrung mit der Organisation eines Musikfestivals einfach losgelegt.
Schnell kristallisiert sich dadurch eine Grundbotschaft des Films heraus. Denn wer dem Geschehen auf der Leinwand folgt, erfährt schnell: Ehrenamtliches Engagement heißt vor allem, jede Menge Energie in etwas zu investieren, für das man brennt. Selbst wenn man am Anfang gar nicht so richtig weiß, wie das gewählte Vorhaben eigentlich funktioniert.
Im Laufe der 109 Minuten erzählt Hofmann die Entwicklung des Metal Diver Festivals bis zum zehnjährigen Jubiläum im Jahr 2025 nach. Bei diesem konnten SODOM als Headliner gewonnen werden. Deren Frontmann Tom Angelripper zeigt sich im Film beeindruckt von der Professionalität, mit der der ehrenamtliche Verein sein Festival durchzieht.
Ähnliche Reaktionen folgen von diversen Vertretern der Stadt Marsberg, die betonen, was für ein großer wirtschaftlicher Faktor das Festival für die gesamte Region ist. Schließlich sind Hotels am Wochenede des Festivals für gewöhnlich ausgebucht. Und auch der örtliche Supermarkt bemerkt jedes Jahr eine Umsatzsteigerung, wenn das Metal Diver Festival steigt. Ehrenamt ist eben nicht nur Selbsterfüllung. Es ist auch ein wichtiger Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben und Zusammenhalt. Das macht Hofmanns Film immer wieder deutlich.
„Ehrenamt“ ist eine klare Weiterentwicklung
Inszenatorisch stellt „Ehrenamt“ eine klare Weiterentwicklung gegenüber „Total Thrash“ dar. Hofmann weiß genau, wie er die Interviewten anordnet, um eine möglichst stimmige Bildsprache zu kreieren. Dazu gesellen sich zahlreiche, oft rohe Archivaufnahmen, die einen intimen Blick hinter die Kulissen des Metal Diver Festivals gewähren. Natürlich dürfen Konzertaufnahmen nicht fehlen. Doch diese halten sich in Grenzen. Schließlich ist „Ehrenamt“ eben kein Musikfilm.
Nachdem der Abspann über die Leinwand rollt, folgt ein lang anhaltender Applaus. Hofmann betritt gemeinsam mit allen anwesenden Mitgliedern des Metal Diver Vereins die Bühne. Es folgt ein ausführlicher Dank an alle Beteiligten. Anschließend folgt ein großes Gruppenfoto, bevor Hofmann und Crew für Fragen aus dem Publikum bereitstehen.
Die Metal Diver Dokumentation wuchs zu etwas Größerem heran
Nach „Total Thrash“ hatte Hofmann noch zu verstehen gegeben, dass er so schnell kein weiteres Projekt dieser Art angehen wolle. Doch das Team des Festivals hat ihn schnell umgestimmt. Nach eigenen Angaben hat er allerdings knapp zwei Wochen darüber nachgedacht, bevor er den Zuschlag gab, eine Dokumentation zum zehnjährigen Jubiläums des Festivals zu machen.
Im Verlauf der Arbeit wurde ihm schnell klar: In diesem Film geht es um mehr als „nur“ ein Festival. Daher stand am Ende nicht die „Metal Diver Dokumentation“, wie es der ursprüngliche Arbeitstitel war, sondern „Ehrenamt“. Die Produktion war allerdings nicht ohne ihre Tücken.
„Ehrenamt“ bald auch auf Tour
Anderthalb Jahre arbeitete Hofmann an dem Projekt. Die Finanzierung erfolgte, wie schon bei Total Thrash“, weitestgehend unabhängig. Hofmann gibt im zu verstehen, er wünsche sich, dass auch Projekte wie „Ehrenamt“ oder das Genrekino in der deutschen Filmlandschaft mehr Beachtung finden, auch im Hinblick auf mögliche Filmförderungen.
Dass der Regisseur und sein Team „Ehrenamt“ ohne solche Unterstützung realisiert haben, unterstreicht die Botschaft des Films. Mit viel Engagement und Zusammenarbeit ist eine ganze Menge möglich. Ohne Ehrenamt würde unserer Gesellschaft eine Menge fehlen. Davon können sich alle Interessiert auf der anstehenden Kinotour überzeugen.
