Inside The Wire
Interview mit Christoph Dzur

Special

The Dark Site geht hinter die Kulissen – die Interviewreihe „Inside The Wire“ widmet sich einigen Tätigkeitsbereichen im Musik- bzw. Metalbusiness, von denen der Fan normalerweise nicht allzu viel mitbekommt. Also versuchen wir mit einigen interessanten Interviewpartnern Licht in dieses Dunkel zu bringen!


Inside The Wire

Nachdem sich bereits Markus Wosgien (Nuclear Blast) über seine Tätigkeit ausgelassen hat, stellte sich nun Christoph Dzur in seiner Tätigkeit als Promoter/Label Management Assistance für Prophecy Productions den Fragen von C.P.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee für ein Label zu arbeiten?

Ich hab´ mich schon immer für Musik interessiert, gerade auch aus dem Bereich Metal/Independent. Von daher hat´s mich natürlich unheimlich gereizt, selbst in dieser Branche zu arbeiten.

Wie kamst Du gerade zu Prophecy Productions?

Eigentlich ganz unspektakulär. Ich war schon immer ein Fan der Prophecy Veröffentlichungen und als ich hörte, dass jemand gesucht wird, hab ich einfach mal angerufen. Ich hab dann ein Praktikum gemacht und …seitdem bin ich bei Prophecy.

Wie kamst Du überhaupt zum „Metal“?

Ich bin immer mehrgleisig gefahren – auf der einen Seite hab ich gerne Metal gehört, auf der anderen Seite allerdings auch schon immer düstere oder melancholische Sachen wie Fields Of The Nephilim oder Joy Division. Zum Metal kam ich recht kurios…ein Freund überspielte mir eine Kassette von Dio; allerdings stand auf der Kassi Ozzy Osbourne drauf…ich fand´s jedenfalls super und hab´4 Wochen lang „The Last In Line“ von „Ozzy Osbourne“ gehört *g*…als ich dann auf Hard´n´Heavy (kennt das noch jemand?) ein Video von Celtic Frost gesehen hab, war´s dann passiert…der Weg zum Metaller war frei *lach* (falls irgendjemand die „In The Chapel…“ EP von Celtic Frost loswerden möchte…dies ist ein verzweifelter Aufruf!)

Inside The Wire

Gib mal eine genau Berufsbezeichnung.

Ich bin gelernter Bürokaufmann

Wie sieht der typische Tagesablauf eines Promoters aus?

Ein Promoter ist im Prinzip die Schnittstelle zwischen Künstler, Journalist und Vertrieb. Die Aufgabe eines Promoters ist es, die Menschheit aufmerksam auf die von ihm betreuten Künstler zu machen.

Zunächst sollte man sich von dem Klischee verabschieden, dass die Leute bei einem Label den ganzen Tag tolle Musik hören, ein bißchen mit den Künstlern telefonieren und ansonsten den ganzen Tag viel Party machen. Mein normaler Tagesablauf beginnt damit, dass ich morgens zunächst die angesammelten Emails beantworte; anschließend geht´s dann an die „eigentliche“ Arbeit – das heißt, es werden Infoschreiben für Produkte und Texte für Werbeanzeigen erstellt, Promoaussendungen, Newsletter etc. vorbereitet, Interviews müssen koordiniert werden,…solche Sachen. Dann gibt´s auch solche Dinge wie die LORDS OF CHAOS Compilation, wo dann mit jedem Künstler oder ihren Plattenfirmen Verträge und Konditionen ausgehandelt werden. Im Gegensatz zu einem Künstleralbum musste hier ein komplettes Konzept entworfen werden. Kurzum: viel Schreibkram! Oftmals reicht ein Arbeitstag auch bis in den Abend hinein. Und auch wenn´s (wie überall) gelegentlich auch stressige Tage gibt, macht´s doch einen Riesenspaß!

Was macht Dir am meisten Spass, was am wenigsten?

Am meisten? Hmmm…eigentlich die Arbeit auf großen Festivals…auch wenn sie meist recht stressig ist, erlebt man dort oft die lustigsten Dinge. Am wenigsten: Das Eintüten von einigen hundert Promo-CDs…

Hat sich Deine Sichtweise hinsichtlich der Musik geändert, seitdem Du mit vielen Musikern Kontakt hast?

Hinsichtlich der Musik eigentlich nicht…gute Musik bleibt gute Musik…oftmals ist es interessant zu sehen, dass Künstler oftmals persönlich ganz anders sind, als man sie sich aufgrund Ihrer Musik vorstellen könnte.

Dein Kommentar zum Musik-Buisness.

Killing Is My Business…And Business Is Good!

Was würdest Du jemandem raten, der sich für diesen Job interessiert?

Hmmm…vielleicht einfach mal nachfragen, ob´s Möglichkeiten gibt, ein Praktikum zu machen. Das ist eigentlich eine sehr gute Möglichkeit, um mal reinzuschnuppern.

Inside The Wire

Welche Qualifikationen sollte man mitbringen?

Günstig ist eine kaufmännische Ausbildung. Man sollte sich auf Englisch einigermaßen verständigen können und man sollte sich natürlich auch mit der Musik des jeweiligen Labels identifizieren können.

Mit welchem Eurer „Künstler“ arbeitest Du am liebsten zusammen und warum?

Da ich unsere Künstler alle persönlich kenne und durch die Bank alle sehr umgängliche und nette Menschen sind, arbeite ich mit jedem unserer Künstler gerne zusammen. Das ist jetzt auch nicht nur so gesagt, sondern wirklich ehrlich. Bei Silencer war´s vielleicht etwas schwierig, da bei ihnen von Anfang an klar war, dass es keinerlei Interviews, Live-Auftritte etc. geben würde. Das erschwert die Promo natürlich etwas, allerdings sind Silencer so kultig durchgeknallt, dass es auch schon wieder Spaß machte.

Wie könnte man Deiner Meinung nach die Menschen dazu animieren mehr CDs zu kaufen und nicht zu brennen oder aus dem Netz zu saugen?

Durch liebevolle Aufmachung, gute Qualität und einen fairen Preis.

Warum sollte jeder unserer Leser mindestens eine Prophecy CD zu Hause im Regal stehen haben?

Weil gute Musik glücklich macht!

Persönliche bzw. anstehende Label-Ziele?

Label: Wir möchten weiterhin Künstler fördern, die es schaffen, das Innerste der Seele zu berühren!

Persönlich: Schwadorf (Empyrium) einmal beim Minigolf zu schlagen!

Wie siehst Du die Zukunft der Musikindustrie?

Gute Qualität wird sich immer durchsetzen.

Deine momentane Nicht-Label Top 5

Coven: Witchcraft – Destroys Minds And Reaps Souls Freunde Der Italienischen Oper: Um Thron Und Liebe Count Raven: Hippies triumph (Track) Radio Werewolf: 1960 Cadillac Hearse (Track) Chaos Z: 45 Jahre Ohne Bewährung

Hast Du vor, diesen Job zu machen, bis Du alt und grau bist?

*lach*…grau wird man in dem Job schneller als man denkt…frag mal bei unserem Mailorder nach…www.grau.cd…!

Weitere Informationen zu Prophecy Productions und/oder Christoph und seinen Kollegen findet ihr unter Prophecy Productions.

01.03.2003

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