Heino

Band

Heino (* 13. Dezember 1938 in Düsseldorf; eigentlich Heinz Georg Kramm; auch aktiv unter verschiedenen Pseudonymen wie etwa Gio Bilk, Bilk Gio, G. Bilk, H. Bilk u. a.) ist ein deutscher Musiker. Als Schlagersänger und Interpret deutscher Volkslieder bekannt geworden, wandte er sich im Verlauf seiner Karriere auch anderen Genres zu. Durch sein markantes Auftreten mit blonden Haaren und schwarzer Sonnenbrille sowie wegen seines charakteristischen Baritons wurde Heino zu einer volksmusikalischen Ikone. Heino hat nach eigenen Angaben bis zum Jahre 2013 über 50 Millionen Tonträger verkauft.

Herkunft und Ausbildung

Heino wurde als Sohn des Zahnarztes Heinrich Kramm und dessen Ehefrau Franziska im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk geboren. Sein Vater war katholisch, seine Mutter evangelisch. Sein Großvater, Bartholomäus Kramm, war Kantor in Köln-Dellbrück. Seine beiden Cousins waren Pfarrer. Heinos Vater, der eine Zahnarztpraxis in Köln-Kalk hatte, fiel am 2. August 1941 im Zweiten Weltkrieg. Eingeschult wurde Heino 1944 im sächsischen Großenhain. Als Halbwaise lebte er mit seiner Mutter und seiner fünf Jahre älteren Schwester Hannelore bis 1945 in Pommern, wohin sie evakuiert wurden. Nach Kriegsende kehrte die Familie nach Düsseldorf zurück.

Ab August 1952 absolvierte er in Düsseldorf eine Handwerkslehre zum Bäcker und Konditor. Die Berufsausbildung beendete er mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer Düsseldorf im Juni 1955. Als junger Mann spielte er beim SC Schwarz-Weiß 06 in Düsseldorf-Oberbilk auch Fußball. Er hat bis heute Kontakt zum Verein. Seine erste Ehe schloss er im Juni 1959 mit der damals 18-jährigen Henriette Heppner. Aus dieser Ehe ging 1960 der Sohn Uwe hervor, 1962 erfolgte die Scheidung. 1968 wurde er Vater einer unehelichen Tochter, die sich Ende November 2003 das Leben nahm – wie 1988 schon ihre Mutter, Heinos Jugendliebe. 1965 heiratete er seine zweite Ehefrau Lilo, von der er sich 1978 scheiden ließ. Lilo Kramm starb am 28. Januar 2010 an Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Wegen seiner hervortretenden Augen, verursacht durch eine Erkrankung an Morbus Basedow, trägt Heino seit den 1970er Jahren in der Öffentlichkeit immer eine sehr dunkle Sonnenbrille, die als eine Art Markenzeichen seine Erscheinung unverwechselbar macht. Auf früheren Plattenhüllen ist Heino noch ohne Brille mit blauen Augen abgebildet. Von der Stadt Bad Münstereifel wurde ihm ein Personalausweis mit Sonnenbrille auf dem Passbild ausgestellt, das Bundesinnenministerium stellte nach einem Pressebericht darüber klar, dass dies nicht gestattet sei, jedoch war der Personalausweis 2009 immer noch in Verwendung, und es wurde seinerzeit kein neuer ausgestellt.

Im April 1979 heiratete er seine dritte Ehefrau Hannelore Auersperg, die er 1972 bei der Miss-Austria-Wahl in Kitzbühel kennengelernt hatte. Das Paar lebt seit 2009 im historischen Kurhaus von Bad Münstereifel und betrieb von 1996 bis 2012 Heinos Rathaus-Café am Marktplatz. Seit 2012 existiert im historischen Kurhaus ein fremdbetriebenes Café mit dem Namen HEINOS Café.

Karriere

1961 trat Heino erstmals mit dem Trio OK Singers (Dino Engelhardt, Heino, Dieter Wolf) auf, mit mäßigem Erfolg. Trotzdem nahmen die OK Singers in den 1960er Jahren eine Schallplatte auf.

Der große Durchbruch gelang Heino, nachdem er 1965 bei einem Auftritt mit seiner Gruppe „Comedien Terzett“ in Quakenbrück auf einer Modenschau vom Schlagerstar Ralf Bendix entdeckt wurde, der ihn anschließend 20 Jahre produzierte. Gleich seine erste Platte, Jenseits des Tales (eigentlich die B-Seite der Single; die A-Seite hieß 13 Mann und ein Kapitän – die Coverversion eines Titels von Freddy Quinn), wurde mehr als 100.000-mal verkauft. 1967 erschien seine erste Langspielplatte. Es folgten zahlreiche weitere Hits – unter Mitwirkung des Songschreibers Erich Becht und des Texters Wolfgang Neukirchner („Adolf von Kleebsattel“) – und viele Fernsehauftritte, unter anderem in der ZDF-Hitparade und in der Starparade. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er Mitte der 1970er Jahre mit den Hits Blau blüht der Enzian, mit dem er auch im Film Blau blüht der Enzian zu sehen und zu hören war, und Die schwarze Barbara. Von 1977 bis 1979 war er auch in der 14-teiligen Serie Sing mit Heino im ZDF zu sehen.

Bei seinen Liedern handelt es sich überwiegend um Volkslieder, die im Stil der Schlagermusik interpretiert werden, so ist zum Beispiel Blau blüht der Enzian eine Bearbeitung des Volksliedes Wenn des Sonntags früh um viere die Sonne aufgeht (Das Schweizermadel). Er hat auch klassische Melodien aufgenommen, wie zum Beispiel das Ave Maria von Bach/Gounod oder Ave verum von Wolfgang Amadeus Mozart.

In den 1980er Jahren wurde es künstlerisch etwas ruhiger um Heino. Im Jahr 1983 sang er das Lied der ARD-Fernsehlotterie Sonnenschein – Glücklichsein.

Anfang der 1990er Jahre erzielte er wieder Erfolge durch eigene Fernsehserien bei dem Privatsender Sat.1 (Hallo Heino und Heino – die Show). Eine erfolgreiche Wiederkehr brachten ihm auch die Rap-Versionen seiner Hits Enzian und Schwarzbraun ist die Haselnuss im Jahr 1989, mit denen er auch bei Jugendlichen Anklang finden wollte.

Heino war in der ganzen Welt, vor allem aber in Deutschland, auf Tourneen. Zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum und seinem 40-jährigen Schallplattenjubiläum im Jahr 2005 moderierte Heino mit den beiden Co-Moderatoren Stefan Mross und Maxi Arland die Musiksendung Heino – die Show in der ARD. 5,8 Millionen Zuschauer sahen die Jubiläumsshow, zu der auch ein Livealbum und eine DVD erschienen. Im August 2006 trat er zum ersten Mal beim chinesischen Wetten dass..? (Xiang tiaozhan ma?) bei dem Sender CCTV-3 auf.

Am 22. Oktober 2005 begann Heino in Trier seine Abschiedstournee durch fünfundzwanzig Städte Deutschlands. 2009 startete zu seinem zweiteiligen Albumprojekt „Die Himmel rühmen“ – Festliche Lieder mit Heino eine Tournee mit klassischer Musik durch klassische Gebäude, unter anderem Kirchen. 2011 erschien eine DVD mit Live-Mitschnitten dieser Tournee.

Am 1. Februar 2013 veröffentlichte er das Studioalbum Mit freundlichen Grüßen. Das Album beinhaltet zwölf Coverversionen bekannter deutschsprachiger Pop-, Hip-Hop- und Rocklieder. Begleitet von umfangreichen Werbemaßnahmen, sorgte das Album bereits vor dem Veröffentlichungstermin für Kontroversen. In den ersten Tagen nach Erscheinen wurde das Album so oft aus dem Internet heruntergeladen wie kein Werk eines deutschen Interpreten zuvor und stieg auf Platz 1 in die deutschen Album-Charts ein. Am 1. August trat Heino als Überraschungsgast auf dem Metalfestival Wacken Open Air auf und spielte gemeinsam mit Rammstein den Song Sonne, den er auf dem Album Mit freundlichen Grüßen gecovert hatte.

Am 12. Dezember 2014 veröffentlichte Heino das Album Schwarz blüht der Enzian, auf dem er seine Hits in Metal-Stil neu interpretierte. Die Musik und Inszenierung nahmen bewusste Anleihen an Rammstein.

Für die von Januar bis Mai 2015 bei RTL ausgestrahlte zwölfte Staffel von Deutschland sucht den Superstar wurde Heino als Juror eingesetzt.

Im Frühjahr 2019 absolvierte der inzwischen 80-jährige Heino eine Abschiedstournee zu seinem Album und Tschüss. Nachdem er zunächst angekündigt hatte, nach dieser Tournee keine Konzerte mehr zu geben, nahm er durch die positive Resonanz anschließend von diesen Plänen Abstand. Für 2020 kündigte er eine Klassiktournee mit Orchester an, bei der er beispielsweise klassische Werke von Franz Schubert, Wolfgang Amadeus Mozart und Johannes Brahms interpretieren wollte.

Kontroversen

Kritisiert wurde Heino, als er 1983 und 1986 eine Tournee durch das damals wegen seines Apartheidsystems international geächtete Südafrika unternahm – trotz des UNO-Embargos und trotz eines Kulturboykotts vieler internationaler Künstler. Auch die Tatsache, dass Heino 1977 auf eine Bitte des damaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Hans Filbinger hin auf einer für Unterrichtszwecke produzierten Schallplatte alle drei Strophen des Deutschlandliedes sang, brachte ihm damals und bringt ihm bis heute Kritik ein. Er selbst sieht sich dabei unschuldig und bezeichnet eine Fernsehsendung zum Übergabeakt der Platten ursächlich für den „widerwärtigen Skandal“. Er habe sich zuvor bei Anwälten und der Politik abgesichert, sei sich also der Brisanz des Themas bewusst gewesen.

In einem Interview mit der österreichischen Zeitung Die Presse bezeichnete Jan Delay im April 2014 Heino, der auf Mit freundlichen Grüßen 2013 unter anderem ein Lied seiner Band Beginner gecovert hatte, als „Nazi“. Heino ließ daraufhin über seinen Rechtsanwalt Anzeige gegen Delay stellen. Der Rechtsstreit wurde außergerichtlich beigelegt, wobei Delay sich zu einem Schadensersatz in Höhe von 20.000 Euro verpflichtet hat.

Im März 2018 schenkte Heino der nordrhein-westfälischen Heimat- und Kommunalministerin Ina Scharrenbach (CDU) zum ersten NRW-Heimatkongress das von ihm selber eingesungene Musikalbum Die schönsten deutschen Heimat- und Vaterlandslieder. Zwar hatte keines dieser Lieder seinen Ursprung in der NS-Zeit, jedoch waren mehrere Stücke enthalten, die auch im Liederbuch der SS standen, etwa Der Gott, der Eisen wachsen ließ oder Wenn alle untreu werden. Dieser Umstand wurde in Medienberichten kritisiert. Heino erwiderte: „Die Lieder können doch nichts dafür, wenn sie instrumentalisiert worden sind.“ Auch Scharrenbach äußerte ihr Unverständnis über die Kritik: „Hier hat ein Künstler einer Ministerin ein Geschenk mitgebracht, und das ist es.“ Im Stern wurde kommentiert, die Kritik an Heino gehe am Ziel vorbei: „Kritik daran hätte man aber 1981 äußern sollen, als die Platte erschien. Dass diese Musik Jahrzehnte später für Aufregung sorgt, hat vermutlich andere Ursachen, die mit Heino wenig zu tun haben.“

Sonstiges

Aufgrund seiner markanten Erscheinung ist Heino Objekt vieler Parodien, unter anderem von Otto Waalkes in Otto – Der Film, wo dieser sowohl ihn als auch Michael Jacksons Thriller mit einer eigenwilligen Version von Schwarzbraun ist die Haselnuss zum Beat von Thriller parodierte.

Eine Unterlassungsklage im Jahr 1985 gegen Norbert Hähnel (Gastsänger der Gruppe Die Toten Hosen), der als sein Doppelgänger und „Der wahre Heino“ auftrat, hatte vor Gericht Erfolg.

Heino ist Pate eines Cafés im Freizeitpark Phantasialand, das den Namen „Heinos Kaffeehaus“ trägt, sowie seit Januar 2010 offizieller Pate des Kinderhospizes Bethel für sterbende Kinder.

2010 verlor Heino einen Prozess gegen eine Versicherung um einen Betrag von dreieinhalb Millionen Euro. Die Kosten für eine abgesagte Konzertreise mussten daraufhin Heino und der Veranstalter tragen.

Heino unterstützte 2015 bei der Wahl des Bürgermeisters von Bad Münstereifel den SPD-Kandidaten Werner Esser.

In der ARD-Produktion Willkommen bei den Honeckers, die am 3. Oktober 2017 erstausgestrahlt wurde, hatte Heino einen Cameo-Auftritt.

Heino erklärte sich nach Gründung der Deutschen Krebshilfe im Jahr 1974 durch Mildred Scheel solidarisch mit ihr im Kampf gegen Krebs. Er unterstützte wie Peter Alexander, Marika Rökk und andere Stars die Hilfsorganisation bei Veranstaltungen. Zuletzt trat Heino mit fast 80 Jahren in der ZDF-Gala 2018 Willkommen bei Carmen Nebel zum zehnjährigen Jubiläum auf, die einen Spendenbetrag von 3,2 Millionen Euro für die Stiftung Deutsche Krebshilfe erbrachte.

Filmografie

  • 1973: Das Wandern ist Herrn Müllers Lust
  • 1973: Blau blüht der Enzian
  • 1975: Großes Glück zu kleinen Preisen
  • 2021: LOL: Last One Laughing (1 Folge)

Diskografie (Auswahl)

Studioalben

grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfügbar

Auszeichnungen

Heino erhielt für seine Musik zahlreiche Gold- und die Platinschallplatten. Zudem die folgenden Ehrungen:

  • 1970: Goldener Electrola Hund für 1 Million verkaufte Singles
  • 1972, 1973, 1974, 1977, 1980, 1989: Goldene Europa
  • 1977: Löwe von Radio Luxemburg
  • 1980: Hermann-Löns-Medaille
  • 1984: Goldene Liederharfe
  • 1984: Golden Star USA von den deutschen Radiostationen in den USA
  • 1987: Robert-Stolz-Büste
  • 1989: Edelweiß-Preis
  • 1990: Bambi Sonderbambi Unknockable Stars Anm.
  • 1990: RSH-Gold
  • 1991, 1998: Goldene Stimmgabel
  • 1995: Ehrenlöwe von Radio Luxemburg
  • 1997: Schlager-Diamant
  • 2000: Krone der Volksmusik musikalisches Gesamtwerk
  • 2003: Bronzener Stier der Hohensalzburg
  • 2005: Krone der Volksmusik für sein Lebenswerk
  • 2006: Brisant Brillant für sein Lebenswerk
  • 2010: Düsseldorfer des Jahres
  • 2012: Stier der Hohensalzburg
  • 2014, 2015, 2019: Die Eins der Besten
  • 2015: Karl-Valentin-Orden
  • 2016, 2019: smago! Award
  • 2016: Ehrenmedaille für besondere Verdienste um Ägypten
  • 2018: MA Lifetime Achievement Award 2018 (Heino ist Träger des schwarzen Gürtels in Ju-Jutsu)
  • 2019: Ehrenbürger von Bad Münstereifel
  • 2019: Steiger-Award Lebenswerk
  • 2019: Goldene Eins

Literatur und Film

  • Heino: Und sie lieben mich doch. Autobiografie. Verlag Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-404-12588-6.
  • Mein Weg: Autobiografie. Heino. Verlag Bastei-Lübbe, Köln 2015, ISBN 978-3-7857-2532-0.
  • Heino – Made in Germany. Film von Oliver Schwabe, arte 2013, 47 Min.
  • Heino - ein deutscher Sänger (ZDF 1973) im Videoarchiv – Internet Archive

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