
Free For All Festival 2026
Super Atmosphäre zu fairen Preisen
Konzertbericht
Unweit der niederländischen Grenze liegt das Dorf Weener, zu dem der Ortsteil Stapelmoor gehört. Ein beschauliches Fleckchen Erde, an dem man in Ruhe verweilen kann. Jedenfalls an 364 Tagen im Jahr, denn an einem Tag findet im Stapelmoorer Park das Free For All Festival statt. Das Festival gibt es schon länger, doch nach einer Pause aufgrund verschiedener Schwierigkeiten gewinnt es seit 2023 wieder deutlich an Aufwind. Dieses Jahr kratzt es an der Sold-out-Marke, was am starken Line-up und den günstigen Eintrittspreisen liegen dürfte. Doch auch sonst stimmen die Rahmenbedingungen – lest selbst, warum wir wiederkommen möchten.
Das Free For All Festival ist gemütlich und gut organisiert
Wir kommen an, als das Free For All bereits in vollem Gange ist und schauen uns um, während THE BROKEN HORIZON aufbauen. Es gibt Merch zu fairen Preisen und eine gute Getränkeauswahl – wo sonst findet man neben Bier mehrere Sorten Cider, darunter sogar alkoholfreie Varianten? Die Hauptbühne hat eine gute Größe, und die Beergarden Stage entpuppt sich als normaler Pavillon mit kleiner Soundanlage – nette Idee!
THE BROKEN HORIZON machen jedenfalls ordentlich Party. Die Spanier sind zum ersten Mal in Deutschland und spielen eine Musikrichtung, die auf dem Free For All oft vertreten ist: Metalcore. Im Vergleich zu den folgenden STESY wirkt der Auftritt jedoch fast konservativ. Die Österreicher sind nicht nur so grellpink gekleidet, dass J.B.O. neidisch werden könnten, sondern haben die Menge von der ersten Sekunde an auf ihrer Seite. Es ist nicht der erste Auftritt der Band auf dem Festival, und viele Wiederholungstäter sind heute anwesend. Zum EIFFEL-65-Cover „I’m Blue“ brechen alle Dämme.
Düsterer, aber nicht schlechter wird es anschließend mit den Dänen von CABAL, deren Deathcore mächtig durch den Park wummert. Direkt um den Stapelmoorer Park herum liegt ein Wohngebiet und spätestens bei den Bässen der Gruppe können alle Anwohner testen, ob ihre Fenster noch fest im Rahmen sitzen. Dementsprechend gibt es zahlreiche Mosh- und Circle-Pits.
Das Line-up bietet keine Zeit für Pausen
THE NARRATOR haben seit ihrem Deal mit Nuclear Blast und der Tour im Vorprogramm von ANY GIVEN DAY deutlich an Aufwind gewonnen und nutzen das heute. Es wird merklich voller vor der Bühne, und die Gruppe präsentiert ihr aktuelles Album „Phosphor“. Ein Blick auf die zahlreichen Shirts der Band im Publikum zeigt, dass heute viele Fans vor Ort sind. Der Gig ist sehr gut – wenn die Gruppe ihre Karten richtig spielt, wird sie auf den Festivalplakaten bald weiter nach oben wandern.
ENEMY INSIDE punkten mit einer gelungenen Mischung aus Alternative Metal, Rock und Melodic Death Metal. Sängerin Nastassja Giulia singt, flüstert und schreit sich durch die Tracks und verteilt dabei wichtige, Mut machende Botschaften.
Wir haben wenig Zeit zum Durchatmen, denn mit DEAD BY APRIL steht das nächste Highlight an. War uns der Sound der Schweden in Vechta noch etwas zu poppig, sitzen heute die besseren Mischer an den Reglern und sorgen dafür, dass die Metal-Instrumente gegenüber den omnipräsenten Synths besser zur Geltung kommen.
FROM FALL TO SPRING haben sich für den Eurovision Song Contest beworben und sind ebenso durchs Raab-Raster gefallen wie FEUERSCHWANZ. Blöd für ihn, denn die Nu-Metal-Band hat eine Menge Energie und entfesselt diese gemeinsam mit dem Publikum. Die eigenen Songs kommen bereits gut an, doch als sie PAPA ROACHs Smash-Hit „Last Resort“ covern, singt jede:r Anwesende auf dem Platz mit. Da können uns persönlich SWISS & DIE ANDEREN nicht mehr ganz so abholen, doch die Fans sehen das anders und eskalieren noch einmal komplett.
Was bietet die Beergarden Stage auf dem Free For All?
Zugegeben: Bei dem starken Programm auf der Hauptbühne besuchen wir die Beergarden Stage eher selten, um etwas Zeit zum Durchatmen zu haben. Wir schauen kurz bei Re:Wollte vorbei – einem Akustik-Punker aus Emden, der sympathisch wirkt, aber nicht ganz unseren Nerv trifft.
Das wahre Highlight der Stage ist zu später Stunde der Auftritt von FOR VICTORY. Die BOLT-THROWER-Coverband macht ohnehin immer Spaß, aber das sehen nicht nur wir so. Vor der kleinen Bühne entwickelt sich ein Moshpit, der so heftig ist, dass mehrere Mitarbeiter kommen müssen, um das Absperrgitter der ersten Reihe festzuhalten. Der Ruf nach einer Zugabe ist so laut, dass die Band kurzerhand „No Guts, No Glory“ noch einmal spielt, weil sie keine Zeit hatten, weitere Songs mit ihrem Aushilfsgitarristen zu proben. Der Gig ist ein wunderbarer Farbtupfer an einem corelastigen Tag.
Als wir heimgehen, nehmen wir uns fest vor, dieses nahezu perfekt organisierte und schön gelegene Event wieder zu besuchen. Leider findet es 2027 zeitgleich mit dem Rockharz statt, sodass zumindest dieser Schreiberling verhindert ist. Dennoch merken wir es uns für die kommenden Jahre und sprechen eine klare Empfehlung aus.
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Jannik Kleemann































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