



Im Hause HULDER hat sich ein bisschen was getan. Beispielsweise ist das einstige Solo-Projekt der in den USA lebenden gebürtigen Belgierin Marliese Osborne mit dem Release des dritten Albums „Verbolgen“ zum Duo angewachsen. Zwar hatte Sam Osborne aka Necreon seine Ehepartnerin bereits auf vergangenen Veröffentlichungen sowie auf Tour tatkräftig am Bass unterstützt, nun ist er aber erstmals offiziell Teil der Besetzung und steuert zudem ein paar Backing-Vocals bei. Gitarren, Keyboards und der Großteil des Gesangs sind aber natürlich weiter Chefinnen-Sache.
Auf „Verbolgen“ gibt es ein paar kleine Updates
Das Update des Bandgefüges ist wohl noch die am wenigsten auffällige Veränderung bei HULDER. So gibt es etwa ein neues Bandlogo (entworfen von der in Black-Metal-Kreisen renommierten norwegischen Künstlerin Jannicke Wiese-Hansen) und auch der Sound wurde um ein paar kleine aber feine Details erweitert, ohne dass man sich dabei jedoch zu sehr von seinen bisherigen Wurzeln entfernen würde. Allerdings wurden die atmosphärischen Keyboards und Synthesizer der Marke frühe SATYRICON, EMPEROR oder GEHENNA um Drehleier (gespielt von Live-Gitarrist Keld aka Tanner Anderson von OBSEQUIAE und MAJESTIES) und Flöte ergänzt.
Dies verleiht „Verbolgen“ eine (unkitschige) folkige Note, welche den gleichermaßen erdigen wie majestätischen Gesamtsound des Albums unterstreicht. So schreiten HULDER nach dem akustisch knisternden Intro „Drie Raven“ mit „The Crowning“ auch gleich riffgewaltig und erhaben zur Tat. Keyboards und Drehleier sorgen für eine verwunschene Grundatmosphäre und das donnernde Schlagzeugspiel von Gast-Drummer Vrolok (AETERNUS, GORGOROTH), der sich den Hocker mit einem gewissen Vapula teilt, peitscht die Nummer unerbittlich voran. Beeindruckend ist auch mal wieder die rohe, grollende Urgewalt, die HULDER ihrer Stimme zu entlocken weiß.
Nach diesem mächtigen Einstieg geht es mit „Thy Binding Oath“ getragen und mit jener rituellen Atmosphäre weiter, die sich im weiteren Verlauf als wichtiger Eckpfeiler des Albums herausstellen soll. Auch hier kommt der Einsatz der traditionellen Instrumente gut zur Geltung und sorgt für erfrischende Farbtupfer. Der Titeltrack „Verbolgen“, was aus dem Flämischen übersetzt so viel wie „zornig“ oder „erzürnt“ bedeutet, macht seinem Namen alle Ehre, ist er doch der bis dahin aggressivste und am tiefsten im klassischen Oldschool Black Metal verwurzelte Track des Albums.
Zwischen schwarzmetallischer Bissigkeit und Ritualstimmung
Anschließend geht es kämpferisch weiter; auf eine derart mitreißende Schlachthymne wie „…And We Shall Sing“ wäre wohl auch Quorthon stolz gewesen. „In Blood And Earth“ bewegt sich zwischen treibendem Banger, nordischer Bissigkeit und folkloristischer Ritual-Atmosphäre, während das angriffslustige „Den Nacht Zijn Lied“ mit ein paar überraschend verspielten melodischen Lead-Gitarren punkten kann. „View From Nemeton“ zieht schließlich nochmal zwischen garstiger Raserei und Wikinger-Marsch mit unheilvollen Keyboards, schwindelerregenden Leads und einer ätherischen Klargesangseinlage von HULDER alle Register, bevor das rein instrumentale „The Glow Of Dawn“ den regulären Teil des Albums feierlich beendet.
Als Bonus lagen uns noch die beiden Tracks der digitalen 2025er EP „A Beacon From Darkened Skies“ vor, welche sich auch so problemlos ins Gesamtgerüst des Albums eingefügt hätten, deutete doch besonders das Titelstück den Übergang von „Verses In Oath“ zu „Verbolgen“ bereits an. Und auch die schöne Akustikballade „Zonnesteen“, bei der HULDER und Necreon stimmungsvoll im Duett singen, wäre sicher nicht aus der Reihe getanzt.
HULDER landen einen Befreiungsschlag, ohne Fans vor den Kopf zu stoßen
HULDER gelingt mit „Verbolgen“ genau das, was man vom verflixten dritten Album im Idealfall erwartet. Das Duo schafft es, das eigene Profil nochmal deutlich zu schärfen und damit einen musikalischen Befreiungsschlag zu landen, ohne jedoch die bisherige Identität zu stark zu verwässern oder Fans vor den Kopf zu stoßen.
Der ursprünglich als Dark Medieval Black Metal ausgewiesene Sound verschiebt sich etwas mehr hin zu erdigem Folk Black Metal, der vermehrt auf druidische Ritualstimmung, Naturverbundenheit und Epik setzt. Das geschmackvolle Artwork von Morrigan (ehemals Keyboards bei AETERNUS und OBTAINED ENSLAVEMENT) usterstreicht diese Entwicklung. Der perfekte Soundtrack für den nach diesem Höllensommer dringend herbeigesehnten Herbst.

Hans Völkel































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