Betzefer
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Interview

Betzefer kommen aus einem Land, das nicht unbedingt im Zeichen des Metals, aber viel mehr im Zeichen des Terrors steht: Israel. Sie machen eine Mischung aus modernem Thrash und Rock, erinnern dabei zeitweise an die großen Sepultura, gleichzeitig eine ihrer größten Vorbilder. Mit dem Gitarristen der musikalischen Hoffnung aus dem mittleren Osten sprach ich vor ihrem ersten Auftritt auf deutschem Boden im Kölner Underground.

BetzeferDavid: Willkommen in Köln. Seid ihr mehr nervös oder begeistert?

Ich denke, begeistert, nicht nervös. Es ist nicht so, dass wir nicht vorbereitet wären. Wir sind bereit für alles und haben seit Jahren gewartet, um die Chance zu bekommen, nach Europa zu reisen. Also, nee, wir sind nicht aufgeregt.

David: Was bedeutet eigentlich der Bandname, Betzefer?

Im Hebräischen ist das ein Slangausdruck aus zwei Worten und bedeutet „Schule“. Als wir diese Band vor sieben Jahren gegründet haben, waren wir immer noch in der Schule und haben dort auch ein paar Auftritte gehabt. Es war irgendwie eine Art Scherz. Jetzt, wo wir über die Grenzen nach Europa getreten sind, mögen wir echt, wie dieser Name präsentiert wird und herüberkommt.

David: Ihr bzw. eure Lieder sind noch ziemlich unbekannt hier in Deutschland. Da ist es doch bestimmt schwierig unter diesen Umständen eine Show wie heute Abend zu spielen, oder?

Ich finde nicht. Wir sind hier, um Spaß zu haben. Wir haben nicht viel in Europa gespielt, aber zu Hause haben wir bestimmt über 200 Auftritte gehabt. Bei unseren letzten beiden Gigs kamen sehr viele Leute, bestimmt über 1000. Das hier ist also nichts ungewöhnliches.

David: Ich meine eher den Punkt, dass die Leute hier eure Lieder einfach nicht kennen und das schwieriger werden könnte, als bei euch zu Hause.

Ja, das stimmt. Aber wir werden auch vor 50 Leuten Spaß haben, sogar, wenn es nur vor einigen Freunden ist. Das macht am meisten Spaß.

David: Als ich „Israel, Tel Aviv, Metal“ hörte, dachte ich, dass da irgend etwas nicht stimmen kann. Ich habe eigentlich noch nie etwas über Metal oder Rock aus Israel gehört. Wie sieht die Szene dort aus?

Da gibt es echt viele Metal Bands. Aber es ist anders als bei jeder andere Szene in Europa oder den USA. Sie ist sehr isoliert. In der Metal Szene gibt es einen sehr starken Zusammenhalt, aber es gibt halt nur die israelischen Bands und die israelischen Fans. Die meisten Leute bekommen keine ausländischen Bands zu sehen. In einem guten Jahr bekommen wir ca. fünf bis sieben Bands zu sehen, die aus dem Ausland kommen. Für mich fühlt die Szene sich an wie eine Familie, aber trotzdem ziemlich isoliert. Viele dort wissen einfach nicht, wie es ist, eine Show in Europa zu spielen.

David: Wieso habt ihr euch entschieden, dieser Metal Szene beizutreten?

Wir mochten schon immer alles mögliche an Musik, nicht nur Metal, sondern auch Rock, Punk und Hardcore. Das ist einfach die Musik, die wir lieben, daher haben wir uns hier wiedergefunden.

David: Eure Muttersprache ist nicht englisch, aber ihr drückt euch trotzdem auf Englisch aus. Seht ihr da Schwierigkeiten?

Nein, ich denke, unser Englisch ist ziemlich gut und unser Sänger hat keinen Akzent oder so. Wir spielen viel Musik. Ich glaube, es ist für uns sogar leichter, Songs auf Englisch zu schreiben, da die ganzen Bands, zu denen wir uns verbunden fühlen, ebenfalls auf Englisch singen.

David: Wie ist es dazu gekommen, dass ihr nun die Möglichkeit habt, hier in Deutschland eine Show zu spielen, aber in baldiger Zukunft auch Platten zu verkaufen?

Wir fühlten uns vor ca. zwei Jahren bereit, unser erstes Full Lenght Album zu schreiben. Ein Jahr später haben wir es zu Ende gebracht und haben dann beschlossen nach Europa zu kommen, um es hier aufzunehmen. Während wir hier in den Studios waren, haben wir die Möglichkeit gehabt für FEAR FACTORY eine Show in Holland zu eröffnen. Dort haben wir jemanden von Roadrunner getroffen. Er ist zu uns gekommen und hat uns für die tolle Show gelobt. Er meinte auch, dass Roadrunner im Moment viele europäische Bands signed und dass er unsere CD an bestimmte Leute weitergeben könnte. Wir blieben in Kontakt und haben nach Beendigung der Aufnahmen ein Kopie an ihn geschickt. Wir haben denen eine Kopie geschickt, Tue Madsen, unser Produzent eine und unser Büro auch eine, so dass sie dort drei Kopien zur Sicherheit hatten und sich nicht vor uns verstecken konnten, haha.

David: Man hört aus eurer Musik neben dem Metal auch Rock’n’roll Parts heraus. Wie würdest du euren Stil bezeichnen?

Ich weiß nicht. Ich stecke Betzefer nicht gerne in eine bestimmte Schublade. Leute meinen, es ist eine Mischung aus Metal und Rock, aber wir sind durch viele Sachen beeinflusst worden, auch Punk oder brutale Sachen. Es kommt alles aufs selbe heraus. Aber wir sind definitiv viel durch PANTERA und SEPULTURA beeinflusst worden.

David: Genau darauf wollte ich hinaus. Am Anfang ihrer Karriere hat die Band Ektomorf, mit denen ihr auch bald auf Tour seid, betont, dass sie speziell durch SEPULTURA beeinflusst wurden/werden. Nun haben sie das Problem, den Leuten ihre eigene Identität klarzumachen. Siehst du da Schwierigkeiten?

Jeder wird von etwas inspiriert bzw. beeinflusst. Du kannst einfach nichts neues kreieren, wenn du nicht durch etwas beeinflusst wurdest. Ich denke, wir haben da keine Probleme. Es sind ja bei uns nicht nur diese beiden Bands, sondern Tonnen von Bands. Wir hören verdammt viel verschiedene Musik. Alles, was du bewusst oder unbewusst hörst, inspiriert dich. Sogar, wenn wir eine große Band wären, würden wir uns von Dingen beeinflussen lassen. So ist es bei uns.

David: Na ja, bei dieser Band ist es wohl offensichtlicher als bei anderen Bands. Den Sänger kann man schon als kleinen Max Cavalera bezeichnen. Wärt ihr dann die kleinen Ektomorf?

Haha, ich denke nicht. Jede Band macht ihr eigenes Ding. Als ich das erste Mal EKTOMORF gehört habe, mochte ich sie direkt. Der Link zu SEPULTURA ist ziemlich eindeutig, aber ist doch okay. Ich habe keine Problem damit.

David: Habt ihr ein Problem damit, dass Leute denken, ihr wärt automatisch eine politische Band, weil ihr aus Israel kommt?

Um ehrlich zu sein: Nein. Wir sind genau das Gegenteil davon. Wir sind völlig unpolitisch. Wir wählen nicht. Wir leben in Tel Aviv und haben alle keinen Fernseher und lesen auch keine Zeitung, soll heißen haben überhaupt keine Verbindung zur Politik. Unsere Texte handeln nie von Politik. Wir nehmen nie Partei ein oder sagen, was richtig oder falsch ist. Jeder liegt richtig und jeder liegt falsch. Wir sind hier, um Musik zu machen und Musik ist Entertainment und Spaß und soll nicht von Politik handeln.

David: In Deutschland ist es selbstverständlich abends in einen Klub oder wie auch immer zu gehen ohne, dass etwas passiert. Wenn ich diese schrecklichen Dinge aus Israel sehe oder höre, in wiefern betrifft es euch als Band aber auch die jungen Menschen im Land?

Manchmal tut’s es und manchmal nicht. Vor zwei Monaten hatten wir diese riesige Show in Israel, wo wir den Deal mit Roadrunner Records gefeiert haben. 30 Minuten bevor die Türen aufgingen, gab es einen Bombenanschlag in Tel Aviv, ca. 20 km entfernt von uns. Viele Leute wurden getötet. Nach einer Weile ignorierst du es nicht, aber du gewöhnst dich daran. Es klingt komisch, aber du musst dein Leben weiterleben. Du kannst nicht die ganze Zeit zu Hause sitzen oder vor dieser Scheiße davonlaufen. Und wie gesagt, 30 Minuten vor der Show war der Anschlag und alles lief trotzdem weiter, die Leuten kamen und wir haben gespielt. Es ist traurig, aber so ist es eben.

David: Wart du persönlich schon mal in einer gefährlichen Situation?

Nein, ich gehe einmal die Woche in einen Klub und habe keine Angst davor. Ich denke, in einem Bus mitzufahren, wäre echt beängstigend, aber das mache ich nicht.

David: Würdest du sogar erwägen, von Israel wegzuziehen, wenn ihr hier als Band Fuß fassen würdet?

Wir könnten hierher ziehen, wenn es die Möglichkeit gäbe. Wir haben kein Problem längere Zeit von zu Hause wegzubleiben. Das möchten wir eigentlich auch: An so viele Orte wie möglich gehen. Wir arbeiten in Israel nun seit sechs Jahren und jetzt möchten wir den Rest der Welt sehen und überall spielen, wo es nur geht.

David: Für mich bedeutet Metal…

…fucking heavy Music und eine gute Zeit – meistens.

David: Wieso sollten die Leute Betzefer unterstützen?

Wenn sie die Band und die Musik mögen, dann sollten sie uns unterstützen, aber wenn nicht: Fuck it! Jeder hat seinen eigenen Geschmack und ich habe kein Problem damit, wenn jemand unsere Band nicht mag.

David: Was sieht eure Strategie in naher Zukunft aus?

Unser Album wird am 6.6. veröffentlicht. Wir werden also viel Touren. Wir haben auch im Sinn ein neues Video zu drehen. Es passiert sehr viel im Moment und es gibt große Pläne, aber wir gehen das Schritt für Schritt an. Jetzt konzentrieren wir uns auf die anstehende Tour, Termine klar machen etc. Wenn das durch ist, geht es weiter: Nächste Tour, nächstes Video, nächstes Album.

David: Also habt ihr euch den Arsch abgearbeitet, damit die Arbeit erst jetzt anfängt?

Ja, das wollen wir ja alle. Bevor wir gesigned wurden, haben wir acht Stunden am Tag gearbeitet, nur um Geld für die Band zu besorgen und sie am Laufen zu halten. Wenn wir jetzt dafür arbeiten können, um diese Band größer werden zu lassen, um besser zu werden, mehr Konzerte zu spielen, dann ist es genau das, was wir wollen. Es ist wie ein Traum, der wahr wird. Je mehr das wird, desto weniger muss ich meiner beschissenen Arbeit nachgehen.

David: Was könnt ihr mit eurer Musik bewirken, dass ihr aber auch Jugendliche in eurem Land eine bessere Zukunft haben?

Einige Leute haben Vorurteile gegenüber jüdischen Menschen oder Leuten, die aus Israel kommen. Wir möchten einfach mit so vielen Menschen in Kontakt kommen, um denen zu zeigen, dass Menschen in Israel genauso sind, wie überall anders auch. Menschen sind Menschen, ob Juden, Moslems, Christen oder was auch immer. Wir sollten alle miteinander auskommen – alle!

04.05.2005

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