Drone
Interview mit Bassist Martin

Interview

DRONE gehören im Bereich Neo-Thrash zu den heißen Newcomern des Jahres. Beim Wacken Metal Battle 2006 konnten sie sich erfolgreich gegen internationale Konkurrenz behaupten und den begehrten ersten Preis, einen Plattendeal mit Armageddon Music, ergattern. Statt nun aber popstarmäßig die Sau rauszulassen, hieß es bei den Jungs: Klotzen, statt kleckern! Sie trümmerten im Stage One ihr Debüt-Album „Head-On Collision“ ein, welches vor kurzem auch erschienen ist. Das Battle geht dieses Jahr in seine zweite Runde, DRONE touren sich gerade den Arsch ab und fanden glücklicherweise ein paar freie Minuten, um sich meinen Fragen zu stellen. Bassist Martin hatte viel zu berichten…

Drone

Glückwünsche gibt’s ja zahlreich zu verteilen. Da wäre der Sieg beim W:O:A Metal Battle 2006, das wirklich gelungene Debüt, die jetzige Tour im Zuge des zweiten Battles, tja, und irgendwann werdet ihr ja auch alle mal Geburtstag gehabt haben. Wie fühlt Ihr Euch denn gerade, angesichts der bestimmt aufregenden letzten Monate?

Super, es ist schon eine tolle Sache, sein eigenes Cover auf einmal in großen Magazinen zu sehen, und mit den Reviews sind wir sehr zufrieden. Am meisten Laune haben aber natürlich die vielen Gigs gemacht! Live spielen ist für uns einfach immer wieder das Beste am Musik machen. Naja, und Geburtstag haben wir auch alle bald, haha.

Soweit ich das überblicke, ist „Head-On Collision“ ziemlich positiv aufgenommen worden, wobei ich da nur für die hiesige Presselandschaft sprechen kann. Wie nehmt Ihr das wahr? Wie war das bisherige Feedback, und gibt’s vielleicht auch schon aus dem weltweiten Ausland erste Reaktionen auf das Album? Immerhin habt Ihr Euch ja erfolgreich mit internationaler Konkurrenz gemessen, dürftet also schon „ein bißchen“ auf Euch aufmerksam gemacht haben.

Die Reaktionen aus Frankreich und Polen waren besonders positiv und verrissen wurden wir zum Glück nirgendwo. Wir sind zu unserer Freude sogar auf das Cover des österreichischen Magazins „Arising Realm“ gekommen, mit 4 Seiten Bericht. Die Scheibe muss also bei denen gut eingeschlagen sein.

Stichwort Reaktionen und Feedback: Wie sieht es da auf Eurer Seite aus? Das Album ist ja seit einem Monat für die breite Masse erhältlich, aber Euch hängt es schon einige Zeit länger in den Ohren. Habt Ihr bereits genügend Abstand gewonnen, um selbstkritisch Revue passieren zu lassen? Was denkt Ihr im Nachhinein über das Album, was hättet Ihr gern anders oder vielleicht auch besser gemacht?

Wir alle sind immer noch sehr zufrieden! Andy Classen war einfach super! Sicherlich hätte man noch Details verbessern können, aber man hat ja keine 2 Monate im Studio Zeit. Als wir aus dem Studio raus sind haben wir die Scheibe erstmal ein paar Wochen lang kaum gehört. Wenn man sich dann wieder mit mehr Abstand die Aufnahme ganz genau anhört, entdeckt man Kleinigkeiten, die man hätte anders machen sollen. Aber wir sind wie gesagt immer noch sehr glücklich mit dem Resultat.

„Head-On Collision“ in einem Satz?

Der Titel ist Programm!!!

Bevor wir weiter ins Detail gehen, wollen wir kurz auf Tuchfühlung mit unseren Lesern gehen. Ich denke, man kann Euch guten Gewissens als „Newcomer“ bezeichnen, und für den Großteil unserer Leser dürftet Ihr auch relativ unbeschriebene Blätter sein. Ihr ahnt es schon, der obligatorische Teil mit der Bandgeschichte naht, aber keine Sorge – wir fangen hier nicht vom Urschleim an. Am interessantesten sind doch eh die Sternstunden in der Entwicklung einer Band. Welche Ereignisse waren für Euch als Band besonders prägend? Wie kam es zur Bewerbung zum Metal Battle? Wolltet Ihr Euch einfach mit einer ganzen Schar nationaler und internationaler Bands messen, oder hattet Ihr von Anfang an das Ziel des Plattenvertrags vor Augen?

Kommen wir erstmal zu den prägenden Momenten, von denen es einige gibt. Hervorzuheben ist definitiv unser Videodreh zu „Welcome to the Pit“. Das war ein wichtiger Schritt für uns. Abgesehen von dem Erlebnis an sich hat uns das Ergebnis in vielerlei Hinsicht nach vorne gebracht. Ein weiteres Highlight war sicherlich der Auftritt in der Markthalle, bei dem wir als krönenden Abschluss auch noch als Sieger gehen durften. Na, und das WACKEN darf in der Auflistung natürlich nicht fehlen, das war wirklich ein großartiges Gefühl.
Um uns beim Metal Battle zu bewerben haben wir zwei Tage vor der Deadline ein Roughmix unserer ersten Aufnahme „Octane“ losgeschickt. Irgendwie hatten wir das Gefühl, dass dieser Contest genau unser Ding ist, im Gegensatz z.B. zum Emergenza, an dem wir auch mit bescheidenem Erfolg teilgenommen haben. Wir sind dort bis ins Westdeutschlandfinale gekommen.
Der Plattenvertrag hatte beim Metal Battle für uns nicht die höchste Priorität. Da wir so viele unserer Helden live in der Markthalle gesehen haben, war es schon ein Gewinn, dort auf derselben Bühne spielen zu dürfen. Dasselbe gilt natürlich für das Wacken. Und wenn man noch mit so vielen hochklassigen Bands im Contest spielt, dann denkt man einfach nicht daran, dass man „ganz bestimmt“ gewinnen wird. Man gibt einfach sein Bestes, mehr geht sowieso nicht.
Unabhängig vom Ergebnis war es für uns auch einfach interessant, wie Außenstehende, also in diesem Fall die Jury, uns im Vergleich zu anderen, zum Teil internationalen Bands, bewerten würden. Das Resultat ist natürlich ein riesiges Kompliment und hat uns dazu motiviert, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzuführen.

Könnt Ihr Euch noch an Euren ersten Gedanken erinnern, gleich nachdem Euch die Jury als Sieger verkündet hat?

Das Video davon steht immer noch auf der Wacken-Homepage, da merkt man vielleicht, dass wir das Ganze in dem Moment noch gar nicht richtig realisiert haben. Erstmal waren da nur ganz viele Hände, die man schüttelt. Bewusst wurde es uns wohl erst, als wir vor Motörhead auf der Mainstage vorgestellt wurden.

Wie ging es danach eigentlich weiter? Gleich ins Studio, um das Album einzuprügeln, oder erstmal Papierkram mit Armageddon Music erledigen, Welteroberungspläne austüfteln… ?

Lange feiern war nicht drin, zunächst haben wir einige Songs fertig geschrieben und dann ging auch schon auf die Suche nach dem richtigen Studio um die Scheibe für die Metal Battle Tour 2007 fertig zu kriegen. Der Zeitplan war recht eng, aber wir haben uns reingehängt und es hat dann alles wie geplant funktioniert.

Ihr habt im renommierten Stage One Studio unter Obhut von Andy Classen aufgenommen – wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit ihm? Konntet ihr von seiner Erfahrung zehren, hat er das Endresultat maßgeblich beeinflußt oder hattet ihr alle künstlerischen Freiheiten im Studio?

Andy ist Gott! Er hat nicht nur die Technik vollkommen beherrscht, sondern es auch noch geschafft jeden von uns zu seiner persönlichen Höchstleistung zu motivieren.
Deswegen haben wir auch seiner Meinung als Außenstehender oft vertraut, was sich im Nachhinein als richtig erwiesen hat. Natürlich wurden die Kompositionen an sich nicht verändert. Es ging eher darum, die Feinheiten so gut wie möglich auszuarbeiten. Mit knapp drei Wochen Studiozeit kann man auch nicht anfangen, Songs komplett umzustellen. Es sei denn, man spielt Punk…….

Mit dem Namen „DRONE“ assoziiere ich – stilistisch – nicht unbedingt so eine Granate, wie Ihr sie mit „Head-On Collision“ vorgelegt habt. Logischer erscheint mir da das Arbeitstier in einer Insektenkolonie. Was verbindet Ihr mit diesem Namen?

Arbeitstier geht schon in die richtige Richtung. Wir waren auch von den vielen unterschiedlichen Bedeutungen des Wortes begeistert. Da gibt es die militärische Assoziation zur Kampfdrohne, und „dröhnen“ beschreibt gut die Soundwand, die wir gerne erschaffen. Natürlich hat das nichts mit der Musikrichtung Dronemetal zu tun, bei der ja wirklich alles nur dröhnt. Ich selber kann mit Bands wie SUNNO))) auch nichts anfangen, obwohl ich experimentelle Musik mag.

Worum geht’s auf „Head-On Collision“? Emotional beladene Songs wie „Life of Riley“ klingen zumindest nicht nach der üblichen Hau-Drauf-Mach-Alles-Kaputt-Masche, sondern lassen tiefgründige Texte erahnen.

Bei uns gibt es inhaltlich keinerlei Festlegung, aber alle Texte haben eine bewusste Aussage! Bei „In the End“ wird beispielsweise die Trauer um verstorbene Freunde thematisiert, aber auch primitive Emotionen wie das Gefühl, eine Kettensäge in der Hand zu haben („Chainsaw Symphony“) finden durchaus Ihren Platz.
Die Texte entstehen bei uns aber zuletzt. Wir komponieren die Musik und schauen dann, welche Stimmung textlich umgesetzt werden soll.

Das Coverartwork ist auch sehr modern ausgefallen, zumindest trifft man heutzutage oft auf diese gerenderten Bilder. Mir scheint, die Kollision hat da bereits stattgefunden. Ein Gesicht ist noch erkennbar, aber der Rest scheint sich in einer verheerenden Explosion aufzulösen. Was hat Euch dazu inspiriert?

Wir haben dem australischen Designer Justin Maller (http://superlover.com.au) völlig freie Hand gelassen. Bis auf einige Stichwörter und den Albumtitel hatte er keine Vorgaben. Das Artwork sollte einfach brennen und ein optischer Schlag ins Gesicht werden, was ihm unserer Meinung nach auch absolut gelungen ist.
Außer der „Chaosphere“ von Meshuggah fallen mir keine anderen gerenderten Cover ein. Es sollte sich eben auch ein wenig abheben, ohne völlig außergewöhnlich zu sein.

Das zweite Metal Battle ist gerade voll im Gange, und ihr spielt bei jedem Bundesausscheid, um der Meute nochmal einen richtigen, finalen Arschtritt zu verpassen. Was könnt Ihr zur Tour sagen? Ich denke mal, es ist etwas sinnlos, Euch zu jeder teilnehmenden Band zu befragen, aber gibt es eventuell Kandidaten, Favoriten, die Euch aufgefallen sind, und denen Ihr den Sieg beim diesjährigen Ausscheid gönnen würdet?

Wir sind überrascht, wie hoch das Niveau in diesem Jahr generell ist. Viele der teilnehmenden Bands hätten jetzt schon einen Deal verdient.
Es ist sicherlich gut, dass es einen Juryentscheid gibt. Dann fällt das Ergebnis objektiver aus, und es gewinnt nicht die Band, die plump die meisten Kumpel mitbringt (wie beim Emergenza ;)). Gespannt sind wir auf die Halbfinale, die werden bestimmt sehr hochwertig sein.

Wo wir gerade bei Favoriten sind, wie sieht’s denn diesbezüglich mit Euren persönlichen Vorlieben aus? Mit welchen Klängen foltert Ihr Eure Trommelfelle und was kommt Euch auf keinen Fall in die heimische Anlage?

Jeder von uns bevorzugt andere Musik: Marcelo hört Lamb of God und Unearth, würde sich aber nicht freiwillig Tool anmachen, was wiederum Felix neben Katatonia liebend gerne hört. Scooter hingegen findet er nicht sonderlich gut, haha ;). Mutz kann mit Placebo genauso wenig anfangen wie ich mit Reggae. Dafür stehe ich auf Dillinger Escape Plan, Sikth und Mastodon, wohingegen Mutz die Anlage bei Aerosmith und Mötley Crue bis zum Anschlag aufreißt.
Wir sind im Allgemeinen sehr vielseitig in unserem Musikgeschmack.

Der Sieg beim Metal Battle bzw. die Veröffentlichung des Debüts zählt sicherlich zu den bisherigen Höhepunkten Eurer jungen Karriere. Gibt es auch ein „Worst-Of“-Erlebnis, z.B. den schlimmsten Live-Auftritt oder das krasseste Groupie? Welche Erinnerung würdet Ihr am liebsten für immer aus Eurem Gedächtnis tilgen?

Der Gig in Jena im Rahmen der Metal Battle Tour diesen Februar war zweifelsohne ein Tiefpunkt. Die Reaktion der Horde Blackmetaller, die den größten Teil des Publikums ausmachten, war alles andere als freundlich. Andererseits war es auch eine interessante Erfahrung, mal Gegenwind zu bekommen. Das muss wohl jede Band irgendwann mitmachen und ich würde dieses Erlebnis nicht unbedingt vergessen wollen. Man wächst eben auch an solchen Erfahrungen.

…und wovon träumt Ihr, wenn Ihr an die Band denkt? Oder steht Ihr mit beiden Beinen in der Realität, und nehmt die Dinge so, wie sie auf Euch zukommen?

Ein großer Traum ist es, monatelang in den fettensten Hallen der ganzen Welt zu zocken!!! Und so ein Circle Pit mit einem Durchmesser von 150m und 5000 tobenden Leuten wäre auch schon was Feines. Aber wir sind eigentlich Realisten und freuen uns auf jeden einzelnen Gig.

So, dass war’s dann auch schon! Ich danke Euch für die Geduld, und dass Ihr Euch die Zeit für meine Fragen genommen habt! Gibt es noch etwas, was Ihr unseren Lesern mit auf den Weg geben wollt?

Gründet eine Band und rockt die Scheiße fett!!!!!

Galerie mit 11 Bildern: Drone - Live auf dem Cypefest 2019
23.03.2007

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