
Lost Society
"Meine Texte sind immer persönlich, weil ich gar nicht anders schreiben kann."
Interview
Wir haben mit Samy Elbanna von LOST SOCIETY über ihr neues Album „Hell Is A State Of Mind“, das Konzept, die heutige Zeit und Selbsttherapie durch Musik gesprochen.
Hey und willkommen bei metal.de. Heute spreche ich mit Samy von LOST SOCIETY über ihr neustes Werk. Das neue Album trägt den Titel „Hell Is A State Of Mind„. Der klingt eher psychologisch als physisch. Wann wurde euch klar, dass das der Kern des Albums sein würde?
Schon sehr früh im Songwriting. Wir haben fast zwei Jahre an den Songs gearbeitet und ziemlich schnell gemerkt, dass wir diesmal nicht einfach nur einzelne Tracks schreiben wollen. Es sollte eine Art musikalische und lyrische Geschichte werden. Ich liebe Konzeptalben – von „Seventh Son Of A Seventh Son“ von IRON MAIDEN bis „The Black Parade“ von MY CHEMICAL ROMANCE. Solche Alben funktionieren als großes Ganzes, aber auch, wenn man einzelne Songs hört. Genau dieses Gefühl wollten wir auch erreichen.
Am Ende ist daraus ein ziemlich dramatisches, fast theatralisches Album geworden – mit orchestralen Elementen und einer klaren Storyline.
War der Titel von Anfang an da oder entstand er erst während des Schreibprozesses?
Der kam eher zufällig. Etwa die Hälfte des Albums war schon geschrieben, als ich einmal krank zu Hause lag – mit fast 40 Grad Fieber. Ich hatte mein Laptop und ein Mikrofon vor mir und habe einfach Lyrics und Ideen aufgenommen. Zwischen all dem Chaos tauchte plötzlich die Phrase „Hell Is A State Of Mind“ auf.
Am nächsten Tag habe ich das unserem Produzenten geschickt. Er meinte sofort: „Da steckt etwas drin.“ Diese Mischung aus Schönheit und Tragik in der Formulierung hat uns sofort gepackt. Von da an wurde sie zum zentralen Punkt der Geschichte.
Geht es auf dem Album darum, der Hölle zu entkommen – oder zu akzeptieren, dass sie in uns selbst existiert?
Eigentlich beides. Auf der Oberfläche erzählt das Album die Geschichte einer Figur, die aus ihrer eigenen Hölle entkommt und so etwas wie eine Wiedergeburt erlebt. Aber wenn man tiefer schaut, geht es um die vielen „Geburten“, die ein Mensch im Laufe seines Lebens durchmacht.
Hölle kann alles sein: ein Job, der dich zerstört, der Verlust eines geliebten Menschen oder ein langer persönlicher Kampf. Gleichzeitig geht es aber auch um die Erkenntnis, dass es immer einen Weg aus der Dunkelheit geben kann – manchmal durch Selbstakzeptanz, manchmal durch das Verständnis, dass man nicht alles kontrollieren kann.
Glaubst du, dass Menschen überhaupt merken, wenn sie sich in so einem mentalen Zustand befinden?
Oft nicht. Ich kenne das zumindest von mir selbst. Wenn es einem schlecht geht, ist die erste Reaktion meistens Verdrängung. Man sagt sich: „Alles ist okay, ich brauche keine Hilfe.“
Viele Probleme entstehen genau daraus. Menschen sprechen nicht über ihre Gefühle, lassen alles in sich hineinwachsen – und irgendwann explodiert es. Dann trifft es Freunde, Familie oder völlig fremde Menschen im Internet.
Wie persönlich ist dieses Album im Vergleich zu euren früheren Releases?
Meine Texte sind immer persönlich, weil ich gar nicht anders schreiben kann. Ich schreibe immer aus meiner eigenen Perspektive. Für mich ist das auch das Schöne an Musik – niemand kann authentischer sein als du selbst, wenn du wirklich aus deinem Inneren schreibst.
Jeder Song ist im Grunde ein Tagebucheintrag aus einer bestimmten Phase meines Lebens. Natürlich benutze ich manchmal Metaphern oder fiktive Elemente, aber die Emotionen dahinter sind immer real.

Gibt es eine Zeile oder einen Moment auf dem Album, der dich immer noch besonders trifft?
Der zentrale Gedanke „Hell Is A State Of Mind“ natürlich – weil alles darauf zurückläuft. Aber ich mag auch den Titel „L’appel Du Vide“ sehr. Das ist ein französischer Ausdruck für das, was man auf Englisch „Call of the Void“ nennt.
Das sind diese kurzen, dunklen Gedanken, die plötzlich auftauchen – etwa wenn du auf einer Brücke stehst und dich fragst: „Was wäre, wenn ich einfach springe?“ Fast jeder kennt solche Momente. Sie sind irgendwie beängstigend, aber auch faszinierend, weil sie zeigen, wie nah Kontrolle und Kontrollverlust manchmal beieinanderliegen.
Ist Songwriting für dich eher Therapie, Konfrontation oder Selbstoffenbarung?
Eigentlich alles zusammen. Eine gute Therapie funktioniert ja auch nur, wenn man bereit ist, sich komplett zu öffnen. Genau so fühlt sich Songwriting für mich an.
Eure Musik hat viel Intensität. Woher kommt diese Aggression?
Zum einen aus meinen musikalischen Wurzeln. Ich bin mit Bands wie IRON MAIDEN, JUDAS PRIEST oder ALICE COOPER aufgewachsen. Diese Energie wollte ich wieder stärker in unsere Musik bringen.
Zum anderen liegt es einfach in meiner Persönlichkeit. Ich bin kein aggressiver Mensch, aber ein sehr intensiver. Wenn ich etwas mache, dann mit voller Hingabe – und das hört man wahrscheinlich in den Songs.
Gab es im Studio Momente, in denen alles kurz vor dem Chaos stand?
Definitiv. Einmal hatten wir etwa 25 Gitarrenverstärker und zehn Boxen im Studio stehen, um verschiedene Kombinationen auszuprobieren. Das sah völlig verrückt aus.
Und dann gab es noch den Moment, als ich mitten in den Vocal-Aufnahmen nach Australien und Neuseeland geflogen bin, um mit AMARANTHE zu spielen. Wir hatten schon einen Monat Vocals aufgenommen und wussten, dass danach noch drei Wochen Arbeit vor uns lagen. Da haben wir uns schon gefragt, ob diese Sessions jemals enden.
Spürt ihr Druck von Fans, die euren früheren Sound bevorzugen?
Ehrlich gesagt nein. Wenn ich Musik schreiben würde, um allen zu gefallen, müsste ich sofort aufhören. Das funktioniert nicht.
Wir schreiben Musik, die wir selbst lieben und auch in 20 oder 30 Jahren noch hören wollen. Natürlich freue ich mich, wenn Menschen das mögen – aber das kann nie die Grundlage unseres Songwritings sein.
Glaubst du, dass das moderne Leben es einfacher macht, in diese „mentale Hölle“ zu geraten?
Ja, absolut. Einerseits ist es heute leichter, über mentale Gesundheit zu sprechen, und das ist gut. Andererseits verbringen viele Menschen unglaublich viel Zeit online. Ich selbst merke manchmal, dass ich acht oder neun Stunden am Tag auf Social Media aktiv bin – und das ist eigentlich verrückt.
Diese ständige Verbindung kann sehr schnell zu einer Art Sucht werden.
Wenn du das Album deinem jüngeren Ich vorspielen könntest – wie würde er reagieren?
Er würde wahrscheinlich denken, dass ich komplett verrückt geworden bin. Aber im positiven Sinne. Wenn mir jemand früher gesagt hätte, dass ich einmal so singen oder Songs wie diese schreiben würde, hätte ich es nicht geglaubt.
Gleichzeitig wäre dieses Album ohne die vorherigen Releases nie entstanden. Alles baut aufeinander auf.

Was sollen die Menschen fühlen, wenn sie dieses Album hören?
Ich möchte, dass sie sich gestärkt fühlen. Dass sie verstehen, dass sie ihr eigenes Leben gestalten können.
Und musikalisch hoffe ich, dass sie dieses Gefühl haben, das man bekommt, wenn man ein Album hört, welches einen komplett packt – so wie damals, als man „Painkiller“ oder „Rime of the Ancient Mariner“ zum ersten Mal gehört hat.
Wenn du das Album in einem einzigen ehrlichen Satz beschreiben müsstest – welcher wäre das?
Life is difficult, but beautiful.
Vielen Dank für Deine Zeit.
Galerie mit 25 Bildern: Lost Society - Tour Is A State Of Mind Europe 2026 in Köln

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| Band | |
|---|---|
| Stile | Thrash Metal |
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