Lost Society - If The Sky Came Down

Review

Soundcheck September 2022# 25 Galerie mit 15 Bildern: Lost Society auf dem Summer Breeze Open Air 2016

„No Absolution“ markierte vor zwei Jahren eine drastische musikalische Kursänderung für LOST SOCIETY. Endgültig vorbei waren die Tage von thrashigen Riff-Attacken mit Crossover-Attitüde. Die Band setzte lieber auf fette Modern-Metal-Grooves. „If The Sky Came Down“ setzt diese Linie gnadenlos fort.

LOST SOCIETY setzen ihren Kurs fort

Selbst manch alteingesessene Fans, die den Weg des Vorgängers noch mitgingen, dürften sich angesichts von poppigen Refrains wie in „Stitches“ oder dem eröffnenden „112“ vor den Kopf gestoßen fühlen. Das sollen LOST SOCIETY sein? Ja, verdammt, das sind sie! Stillstand gibt es bei den Finnen nicht – aber ist das gut so?

Diese Frage lässt sich nicht klar mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Denn die Antwort hängt in erster Linie davon ab, ob man sich von den eigenen Erwartungen trennen möchte. Wer auf einer LOST SOCIETY-Platte nichts anderes als Thrash-Hammer der Marke „Terror Hungry“ oder „Kill (Those Who Oppose Me)“ akzeptiert, ist mit „If The Sky Came Down“ schlecht beraten. Von den Wurzeln der Band ist allenfalls im brachialen „(We Are The) Braindead“ noch ein winziger Funke zu spüren.

Doch selbst dieser Track erinnert mehr an MACHINE HEAD zu „Through The Ashes Of Empires“-Zeiten als SUICIDAL TENDENCIES oder NUCLEAR ASSAULT. Heuer heißen die Einflüsse von LOST SOCIETY viel eher LINKIN PARK, BRING ME THE HORIZON oder vielleicht noch LAMB OF GOD, zumindest in den riffbetonten Songs.

„If The Sky Came Down“ ist vielfältig

Eine emotionale, zerbrechliche Pianoballade hätte auf den Vorgängerplatten nur Fragezeichen hinterlassen. Im Gesamtkontext von „If The Sky Came Down“ stellt sie den logischen Ausklang einer mitreißenden Gefühlsachterbahn dar. Die wiederum gestaltet sich durch eine hohe Vielfalt aus.

Immer wieder streuen LOST SOCIETY elektronische Elemente wie in „Stitches“ ein, die an frühe Nu-Metal-Tage erinnern. Gleichzeitig krönt ein astreiner Pop-Punk-Refrain besagten Song, nur um am Ende in massiven Grooves aufzugehen. In „Awake“ hingegen setzt Frontmann Samy Elbanna zu zarten Streichern ein, bevor ein Gitarrenriff die nachdenkliche Atmosphäre durchbricht, das auf IN FLAMES‘ „Clayman“ wunderbar funktioniert hätte.

Lieber BLIND CHANNEL als EXODUS?

So spielen sich LOST SOCIETY durch einen Haufen eingängiger Hits, die die Festivalbühnen zum Kochen bringen werden. Dass sie mit den neuen Songs besser als Vorband von BLIND CHANNEL statt EXODUS aufgehoben sind, mag manchen Metaller alter Schule zum Naserümpfen verleiten. Aber das ist den Finnen offensichtlich egal. Sie gehen ihren Weg unbeirrt weiter und werden mit so starken Werken wie „If The Sky Came Down“ problemlos neue Fanschichten erschließen.

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29.09.2022

"Irgendeiner wartet immer."

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