The Crown
sprechen Klartext zu "Possessed 13"

Interview

The Crown stehen seit ihrer Bandgründung vor 13 Jahren für höchst energetischen Metal in der Schnittmenge aus Death und Thrash. Diese Mischung macht auch ihr neues Werk „Possessed 13“ einmal mehr zu einem Album, bei dem man null und nichts falsch machen kann. Grund genug also, mal bei Gitarrist Marko Tervonen nachzuhören, ob die Band das denn genauso sieht. Noch dazu bot dieses Interview die Möglichkeit, ein paar durch das Internet aufgeworfene Gerüchte zu klären. Viel Spaß beim Lesen!

Hi Marko! Alles senkrecht?

Na klar! Und selbst?

Ich erhole mich gerade von einer etwas exzessiveren Party und bin deswegen nicht ganz so fit.

Ich höre es. Aber keine Angst, ich werde es keinem erzählen. (lacht)

Vielen Dank! Aber jetzt erzähl mal ein wenig über euer neues Album „Possessed 13“? Was hat es mit dem Titel auf sich?

Zu allererst stand bei unseren Überlegungen fest, dass die Zahl 13 unbedingt im Titel enthalten sein sollte, da wir dieses Jahr unseren 13. Geburtstag feiern. Das Wort „Possessed“ war danach eine logische Auswahl, weil wir quasi seit 13 Jahren „bessessen“ von unserer Musik sind. Als wir dann diesen Titel ins Auge gefasst hatten, kam die Idee, doch 13 Songs auf das Album zu packen, was wir auch bei der Bonus-CD verwirklichten. Die 13 begegnet dir also ständig. Eine gute Zahl!

Was für Songs sind auf der Bonus-CD der limitierten Erstauflage gelandet? Demos?

Ja, zum Großteil. Es handelt sich um zwölf Demo-Tracks und ein Bathory-Cover.

Cool. Wo liegen deiner Meinung nach die Unterschiede zum Vorgänger „Crowned In Terror“?

Alles ist mehr auf den Punkt gebracht. Es ist weniger technisch und die Produktion ist einen Tick besser ausgefallen. Natürlich sind auch die Vocals eine große Änderung, weil ja Johan Lindstrand wieder mit an Bord ist. Außerdem habe ich das Gefühl, dass auf diesem Album jeder Song wirklich notwendig ist. Es ist ein sehr komplettes Werk.

Da fällt mir gerade noch eine Frage zu „Crowned In Terror“ ein, weil unser damals geplantes Interview aus unerfindlichen Gründen geplatzt ist. Im Mittelteil von „Speed Of Darkness“ habt ihr doch die Titelmelodie von Knight Rider adaptiert, oder?

(lacht) Ja mann, so ist es. Das war eine „fucked up idea“ von Magnus (Olsfelt, Bass – Anm. d Verf.). Irgendwie war das cool, denn viele haben es gar nicht erkannt. Das hat uns viel Spass beschert.

Dann bin ich mal gespannt, wann die A-Team-Melodie folgt. 🙂 Zurück zum eigentlichen Thema: „In Memoriam“ ist ein sehr ruhiges Instrumental. Warum ist es im Akt namens „Annihilation“ platziert worden?

Diese Unterteilung in drei Akte hat keinen wirklich tieferen Sinn. Das hat eher was mit unserem Artwork zu tun, das an Horrorfilme angelehnt ist. Deswegen kamen wir auf diese Unterteilung, bei der wir das Theater als Vorbild genommen haben. Es ist einfach eine coole, oberflächliche Geschichte, hinter der keine tieferen Gedanken stehen.

Wie kam es eigentlich zu diesem supercoolen, vollkommen aus der Reihe tanzenden Artwork?

Ja, wir mögen es auch sehr. Das fing alles an, als Magnus ein Horrorfilm-Picture-Book aus den 70ern gefunden hat. Das hat uns so gefallen, dass wir es an die für das Artwork zuständige deutsche Firma namens Locust Constructions geschickt haben. Sie kamen dann mit ihren Ideen, in denen sie die von uns geschickten Vorlagen abgewandelt hatten, zu uns. Wir waren von dem auf alt gemachten Booklet absolut begeistert. Sie haben uns das ideale Grafikpaket für dieses Album geschaffen.

Behandeln die Texte auch Horrorthemen?

Nein, nicht wirklich. Viele Leute denken, dass es sich bei „Possessed 13“ um ein Konzeptalbum handelt. Dem ist aber nicht so. Das Konzept liegt nur auf der grafischen Seite, an die wir dann musikalisch nur Kleinigkeiten, wie z.B. das gruselige Intro oder die Instrumentals, angepasst haben. Die Hauptsongs waren aber schon geschrieben, bevor diese ganze Horror-Idee aufkam.

Im April wart ihr schon in Europa unterwegs. Dann kamen noch ein paar Sommer Festivals. Hattet ihr eine gute Zeit?

Yeah, Wacken war einfach der Hammer. So verdammt viele Leute! Wir hatten definitiv unseren Spaß, zumal die Reaktionen auf uns sehr gut waren. Das Summer Breeze war auch sehr cool. Wir waren nur verdammt müde, weil wir tagsüber ein Video zu „Face Of Destruction – Deep Hit Of Death“ gedreht haben. Wir haben ca. 20 Takes benötigt. Also waren wir abends dementsprechend im Eimer, aber wir haben unser Bestes gegeben.

Jap, mir ist auch, ehrlich gesagt, nicht aufgefallen, dass ihr einen müden Eindruck gemacht habt. Anfangs war der Sound zwar nicht so prall, aber dann wurde es ein gewohnt guter The Crown-Gig.

Cool, dann haben wir es ja wirklich geschafft, unsere Müdigkeit zu überspielen. Das freut zu hören.

Kommen wir zu einem ernsteren Thema: Ich habe nicht vor, dich irgendetwas über den Split mit Tomas Lindberg zu fragen, weil…

Vielen, vielen Dank. Auf diesen Fragen hätte ich sowieso nicht mehr geantwortet.

…im Netz alles zur Genüge erklärt und breit getreten worden ist. Ich möchte nur eine Sache von dir wissen: Was waren deine Gedanken und Gefühle, als selbige Geschichte wieder hochgekocht ist?

Mein erster Gedanke war, dass das doch alles vollkommen unnötig ist. Wir sagen seit fast einem Jahr zur Presse, dass es persönliche Differenzen gab und das war es. Es geht niemanden etwas an, was passiert ist. Aber jetzt gab es wieder ein regelrechte Explosion im Netz zu diesem Thema. Irgendwie war das abzusehen, denn wir haben ein neues Album draußen und die Interviews beginnen wieder. Also fangen die Journalisten an zu graben und graben immer weiter, bis sie etwas herausfinden. Das landet dann sofort im Internet. Das Problem dabei ist aber, dass durch diese Einrichtung jeder, aber auch wirklich jeder, sogar das kleine 13-jährige Kiddie, denkt, eine Meinung zu diesem Thema haben zu müssen. Deswegen haben wir dieses lange Statement auf unsere Website gestellt, das wirklich alles erklärt.

Die ganze Geschichte ist auch ein weiteres Beispiel, wie mächtig das Internet heutzutage geworden ist.

Ja, das ist es ohne Zweifel. Aber es bringt viel Bullshit zu Tage. Ich habe ja schon das 13-jährige Kiddie angesprochen, das unbedingt seine Meinung haben muss und auf diese Weise vielleicht auch noch falsche Gerüchte verbreitet, weil es keine Ahnung hat, wovon es redet.

Apropos Internet: Du bist auch der Webmaster eurer Homepage. Hast du programmieren und ähnliches gelernt?

Nein, eigentlich habe ich da den ganz billigen Weg eingeschlagen. (lacht) Ich habe das Programm Dreamweaver benutzt. Es macht das Erstellen von Homepages sehr einfach. Das kann wirklich jeder. Ich habe es schon immer gemocht, mit PCs zu arbeiten. Ich habe auch schon Kurse für Networking besucht. Ich befasse mich mit High Tech-Zeug sehr gerne.

Dazu passt es dann ja sehr gut, dass du ein eigenes Studio aufmachen willst.

Ja, das ist defintiv einer meiner größten Träume. Ab November werde ich mich mehr darauf konzentrieren können. Es gibt schon ein gutes Studio in unserer Heimatstadt, das ich mieten werde, um wenigstens schon mal andere Bands produzieren zu können. Das macht mir sehr viel Spaß.

Wer ist dein Lieblingsproduzent und warum?

Puuh, da gibt es so viele, die klasse sind. Nicht weit von uns weg wohnt z.B. einer: Fredrik Nordström. Er hat ein unglaubliches Gehör. Andy Sneap hat auch sehr viel gute Musik produziert. Und Bob Rock nicht zu vergessen. Er hat Maßstäbe gesetzt.

Bob Rock ist ein gutes Stichwort. Auf eurer Homepage gibst du als Religion „Hetfieldism“ an. Wie stehst du zu „St. Anger“?

Das ist ein Thema, das wir stundenlang diskutieren könnten. Um es kurz zu machen: Ich denke, dieses Album ist einzigartig und es wird nicht so schnell wieder ein solches geben. Das muss nicht heißen, dass ich deswegen die Musik gut finde. Meiner Meinung nach sind fünf gute Tracks darauf enthalten. Die schlechten Stücke sind dafür aber auch richtig schlecht. „St. Anger“, „All Within My Hands“, eigentlich die ganzen schnelleren Sachen gefallen mir sehr gut.

Aber die Produktion ist einfach grottig.

Ja, natürlich. Aber ich kann verstehen, warum sie es gemacht haben. Jedes Metallica-Album war bisher eine Anti-Reaktion auf das vorherige. Da sie nun so viele Werke mit einer Killerproduktion hatten, sind sie wieder zurück in die Garage. Ich glaube, zu wissen, was sie damit aussagen wollten. Ich bin mir nur nicht sicher, ob sie es auf die richtige Art gemacht haben.

Ist der Song „Kill ‚Em All“ auf „Possessed 13“ demnach ein Tribut an Metallica?

Ja, auf jeden Fall! Anfangs hieß das Stück noch gar nicht „Kill ‚Em All“. Das war nur unser Arbeitstitel. Aber es klingt nunmal nach „Hit The Lights“ und den ganzen alten Sachen. Deswegen dachten wir uns, dass es blöd wäre, etwas zu verstecken, was eigentlich offensichtlich ist. Also beließen wir es bei diesem Titel.

Im November seid ihr wieder in Europa unterwegs. Gibt es eigentlich Pläne für ein Livealbum, weil selbiges in eurer Diskographie noch fehlt?

Wir haben uns schon darüber unterhalten. Ich wäre aber eher an einer Live-DVD interessiert, die allerhöchstem Standard gerecht werden soll. In letzter Zeit sind viele DVDs erschienen, die offen gesagt erbärmlich sind, was die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten angeht. Für meinen Plan wäre aber ein hohes Budget nötig. Wenn wir dies genehmigt bekommen, wird es auch eine dementsprechende Veröffentlichung geben. Halbe Sachen machen wir jedoch nicht.

Auf der eben angesprochenen Tour begleiten euch wieder, wie schon im April, The Monolith Deathcult. Hat die Chemie zwischen euch so gut gestimmt?

Yeah, auf jeden Fall. Das ist eine coole Band und noch dazu sind sie gute Freunde unserer Booking Agentur. Deswegen lag diese Entscheidung nahe. Dasselbe ist aber auch bei der zweiten Band (Darkest Hour – Anm. d. Verf.) der Fall, mit denen wir in den USA unterwegs gewesen sind.

Was gibt es sonst für Pläne? Ich habe mit Schrecken eine Ankündigung eurerseits gelesen, dass „Possessed 13“ das letzte Album mit eurem nicht mehr wegzudenkenden High Energy Thrash-Sound sein soll. Ist da was dran?

Ja und nein. Das ist auch wieder eine Sache, die im Internet unglaublich ausgeschmückt worden ist. Auf eine gewisse Weise ist dieses Album für uns schon ein Kapitel, das die jetzige Bandphase beschließt. Das liegt daran, dass wir auf den letzten Alben immer viele alte Ideen verwertet und diese mit neuen kombiniert haben. Jetzt sind unsere Reserven an Ideen aber vollkommen aufgebraucht. Die neuen Sachen, mit denen ich bisher angekommen bin, kommen alle aus dem sehr schweren Midtempo-Bereich. Ich möchte nicht sagen, dass wir die Geschwindigkeit generell verlieren, aber ich kann jetzt noch nicht sagen, wie die neuen Stücke am Ende klingen werden.

Aber ans Aufhören habt ihr keine Gedanken verschwendet, oder?

Nein, auf gar keinen Fall! Da kann ich jeden beruhigen.

Das wollte ich hören. Ich habe noch eine Sache aus dem Internet: Stimmt es, dass ihr euer letztes Album „Crowned In Terror“, das ja bekanntlich von Tomas Lindberg eingesungen worden ist, nochmals mit Johan am Mikro neu aufnehmen wollt?

Ja, das würden wir sehr gerne machen. Das wird bestimmt eine sehr interessante Sache, weil so etwas vorher noch niemand gemacht hat. Z.B: fände ich es persönlich sehr geil, wenn Morbid Angel „Formulas Fatal To The Flesh“ mit David Vincent am Mikro nochmals einspielen würden.

Wie ist das Gefühl, Johan wieder zurück in der Band zu haben?

Ooh, absolut exzellent. Wir haben jetzt erst gemerkt, dass nur wir fünf wirklich The Crown sind. Jeder kennt jeden auswendig, was eine perfekte Zusammenarbeit ermöglicht. Es gibt keine Probleme. Wir hängen sehr gerne zusammen rum. Die Atmosphäre könnte nicht besser sein.

Also ist der verlorene Sohn wieder zurückgekehrt…

Ja, besser kann man es nicht ausdrücken. Eine andere The Crown-Besetzung würde gar nicht oder nicht lange funktionieren. Normalerweise ist es unmöglich, fünf Leute zusammen zu bringen, deren Gemeinschaft immer funktioniert. Aber bei uns stimmt diese Chemie eben einfach. Daran werden wir jetzt nichts mehr ändern.

Wenn das mal kein perfektes Schlusswort ist!

21.10.2003
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