Accept - Teutonic Titans
Review
Bei einem kritischen ersten Blick provoziert „Teutonic Titans 1976–2026“ von ACCEPT gleich zwei Anmerkungen. Da wird „Half A Century Of Heavy Metal“ angepriesen, obwohl die Band früher entstand, und satte zehn Studioalben bleiben bei der Songauswahl unberücksichtigt. Auf den zweiten Blick – oder einen ersten unvoreingenommenen – haben Gitarrist Wolf Hoffmann und seine Mitstreiter zum 50. Jubiläum der ersten stabilen Besetzung ein bockstarkes Album abgeliefert. Das hat 19 plus 50 Gründe.
„Teutonic Titans 1976–2026“ bietet mehr als Klassiker
Zuerst zur kleineren Zahl: 19 Songs haben ACCEPT neu eingespielt. Sie stammen vor allem von den fünf Alben ihrer erfolgreichsten Phase von 1981 bis 1986. Die direkten Vorgänger und Nachfolger sind mit jeweils einem Stück vertreten. Die Zusammenstellung auf dieses Zeitfenster zu beschränken, ist ein kluger Schachzug: ACCEPT erspielten sich damals ihren Weltruhm und können neben den unvermeidlichen Klassikern das Schlaglicht auf Stücke richten, die in Vergessenheit geraten sind.
Was es damit auf sich hat, zeigen Zahlen von Setlist.fm: Absolute Live-Standards wie „Balls To The Wall“ (891-mal gespielt), „Fast As A Shark“ (853), „Metal Heart“ (836) und „Restless And Wild“ (814) sind natürlich dabei, ebenso gerne gespieltes Repertoire wie „Breaker“ (534), „London Leatherboys“ (530) und „Up To The Limit“ (397). Spannender wird es am anderen Ende der Statistik. „Aiming High“ (119), „T.V. War“ (84), „Run If You Can“ (56), „Wrong Is Right“ (43), „Fight It Back“ (34) und „Demon’s Night“ (33) sind live deutlich seltener zu hören. Echte Raritäten sind „Hellhammer“ mit elf und „Save Us“ mit gerade einmal sechs dokumentierten Aufführungen. „Teutonic Titans 1976–2026“ ist also keine gewöhnliche Best-of-Auswahl.
Breiter Szene-Support für ACCEPT
Bemerkenswert ist zudem die Art der Neueinspielung, und hier kommen die 50 Gründe ins Spiel. Bandkonstante Wolf Hoffmann hat genauso viele gestandene Musiker und Szenelegenden zusammengebracht, um den Stücken neues Leben einzuhauchen. Besonders auffällig ist das bei den markanten Sängern. So drückt Phil Anselmo „Fast As A Shark“ („Restless And Wild“, 1982) seinen Stempel auf, während der „Metal God“ Rob Halford direkt im Anschluss den Titelsong von „Balls To The Wall“ (1983) schmettert. Mit Kirk Hammett und Mikkey Dee beziehungsweise Matthias Jabs und Rex Brown spielen an ihrer Seite weitere Hochkaräter hochmotiviert auf.
Thrashig wird es bei „Aiming High“ („Russian Roulette“, 1986), für das Chuck Billy, Gary Holt und David Ellefson gemeinsam mit ACCEPT-Schlagzeuger Christopher Williams antreten. Vor allem Billy gibt mit seinem mächtigen Organ den Ton an. Auch bei „Losers And Winners“ übernehmen Hansi Kürsch, Paul Gilbert, Chuck Garric und Tommy Aldridge, wobei insbesondere der BLIND-GUARDIAN-Sänger von sich hören lässt.
Eine überraschende Erkenntnis liefert „Save Us“ von „I’m A Rebel“ (1980), wo Sänger Tobias Forge unweigerlich Erinnerungen an GHOST hervorruft. Wer deshalb zunächst eine starke Neuinterpretation vermutet, sollte allerdings noch einmal das Original auflegen: Schon ACCEPT klangen hier erstaunlich nah an dem, was die Schweden Jahrzehnte später erfolgreich machen sollten – seinerzeit mit Udo Dirkschneider am Mikrofon.
Alle 50 Gäste aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, aber ein paar Namen kann man noch fallen lassen: Andy Sneap, Billy Corgan, Billy Sheehan, Bobby „Blitz“ Ellsworth, Bumblefoot, Chris Jericho, Jeff Loomis, John Norum, K.K. Downing, Phil Demmel und Ralf Scheepers.
Motivationsspritze für einen „Deep Dive“
Bei so vielen Musikern könnte eine derartige Kompilation schnell in Soundmatsch ausfasern. Die Vollprofis wissen aber, was sie tun. Sie gehen mit hörbarer Spielfreude ans Werk, werden den Originalen gerecht und bringen zugleich ihre eigenen Stärken ein. Die druckvolle Produktion lässt die mindestens 40 Jahre alten Stücke zeitgemäß aus den Boxen ballern. So macht „Teutonic Titans 1976–2026“ nicht nur extrem viel Spaß, sondern regt auch zu einem „Deep Dive“ in die alten Veröffentlichungen an. Clever gemacht, Wolf Hoffmann!
Accept - Teutonic Titans
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Heavy Metal |
| Anzahl Songs | 19 |
| Spieldauer | |
| Release | 04.09.2026 |
| Label | Napalm Records |
| Trackliste | 1. Fast As A Shark 2. Balls To The Wall 3. Aiming High 4. Run If You Can 5. Hellhammer 6. Metal Heart 7. Losers And Winners 8. Save Us 9. Up To The Limit 10. Wrong Is Right 11. Starlight 12. Fight It Back 13. Love Child 14. Breaker 15. Demon’s Night 16. T.V. War 17. London Leatherboys 18. Monsterman 19. Restless And Wild |
