Craven Idol - Forked Tongue

Review

Die Londoner Band CRAVEN IDOL ist schon seit 15 Jahren im Geschäft, hat aber bisher nur ganze zwei Alben herausgebracht. Diese sind über den Tellerrand des Blackened-Thrash-Metals auch nicht weiter bekannt. Zum Jubiläum gönnt sich die Truppe daher ihr neues Album “Forked Tongue“. Mit Soulfood als Vertrieb und einem wie immer großartigen Cover-Artwork von Eliran Kantor (SODOM, TESTAMENT, MY DYING BRIDE, HELLOWEEN, HEAVEN SHALL BURN und mehr) versuchen sich CRAVEN IDOL nun am größeren Durchbruch.

CRAVEN IDOL entdecken sich neu

Vier Jahre sind seit der Veröffentlichung ihres letzten Albums “The Shackles Of Mammon“ vergangen. Und schon der Opener von “Forked Tongues“ macht deutlich, wie sehr sich CRAVEN IDOL musikalisch weiterentwickelt haben. Das Zusammenspiel des Gitarrenduos Obscenitor und Sadistik Vrath fällt dicht und intensiv aus. Raum zum Luftholen wird nicht gelassen. Boten CRAVEN IDOL bisher punkigen Blackened-Thrash-Metal im groovigen Mid-Tempo, wird auf “Venomous Rites“ deftiger Speed Metal mit bitterböser Thrash-Note serviert. Die Band verneigt sich bewusst vor alten Helden wie etwa MERCYFUL FATE, SODOM und den frühen BATHORY. Dabei geht sie sogar so weit, die stilprägenden Urväter MASTER’S HAMMER zu zitieren.

Die gespaltene Zunge bietet harte Kost

Doch nicht nur der Opener ist eine Ansage. Auch die restlichen Songs stellen einen bunten Genre-Cocktail dar. CRAVEN IDOL präsentieren also mit jedem Song eine wuchtige Mischung, auf die man beim ersten Hören erst einmal klarkommen muss. Vor allem, wenn auf einigen Stücken (“Venomous Rites“, “Iron Age Devastation“) mit voller Absicht musikalisches Chaos zelebriert wird. “Forked Tongue“ wird damit Fans der ersten Alben vielleicht vor den Kopf stoßen. Wer grollenden Punk-meets-Thrash sucht, ist hier falsch. Liebhaber von schnellem, aber dennoch komplexen Thrash und Black Metal werden mehr als zufrieden die Fäuste recken. CRAVEN IDOL 2021  lassen sich mit HELLRIPPER, INDIAN NIGHTMARE und HAVOK vergleichen, die gemeinsam einen Soundtrack zur aktuellen Zeit komponiert haben.

Die Ruhe ist ein Sturm

Dabei können CRAVEN IDOL auch viel mehr, als nur schnell und laut aufzuwarten. Denn auch die legendären CANDLEMASS werden nur allzu gerne rezitiert. “The Gods Have Left Us For Dead” zum Beispiel, ist ausnahmsweise im mittleren Tempo angesiedelt und wirkt fast wie Death-Doom-Metal, den PRIMORDIAL nicht besser spielen könnten. Auch wenn die epischen Komponenten dabei kürzer kommen. CRAVEN IDOL beweisen also an jeder Ecke, dass aus den einstigen Thrashern handfeste Musiker geworden sind, die spielend leicht ein breites musikalisches Spektrum zu liefern.

Ein Fest für Genreliebhaber

Dieses Album hat es in sich. Und es braucht sicherlich mehrere Anläufe, um sich wirklich damit anzufreunden. Wer schon mit “The Shackles of Mammon” oder gar “Towards Eschaton” bei CRAVEN IDOL eingestiegen ist, wird sich auf “Forked Tongue“ die Augen und Ohren reiben. Der musikalische Fortschritt des Quartetts ist enorm. Und auch die abgedeckten Genres könnten teilweise bunter und vielfältiger kaum sein. Dennoch wirkt alles stellenweise zu überladen, zu schnell und zu wild. Wer nicht mit Bands wie SERPENT COLUMN schlafen geht, wird hiermit vielleicht anfangs überfordert sein. Eine uneingeschränkte Hörempfehlung kann demnach nicht ausgesprochen werden. Von einem Meisterwerk sind CRAVEN IDOL auch (noch) entfernt. Trotzdem ist ihnen mit “Forked Tongue“ ein durchaus mächtiges Album gelungen, das seinen Platz in der Genre-Pantheon verdient hätte.

Review von Tim Otterbeck

05.08.2021

Der metal.de Serviervorschlag

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