Haken - In A Fever Dream

Review

HAKEN veröffentlichen die EP „In A Fever Dream“ nach dem letzten hochgelobten Studioalbum „Fauna“ (2023) und dem Live-Album „Liveforms: An Evening With Haken“. Es sind bewegte Zeiten für die britische Progressive- und Alternative-Metal-Band.

Bewegte Zeiten für HAKEN

Anfang Januar dieses Jahres gaben HAKEN den Ausstieg von Gitarrist Charlie Griffiths und Bassist Conner Green bekannt. Ein Einschnitt, der es in sich hat. Schließlich war Saitenhexer Griffiths seit 2008 ein wichtiger Bestandteil der Band und auf allen Veröffentlichungen vertreten, wie auch Green seit 2014 einen nicht unerheblichen Teil zu HAKEN beigetragen hat. In geschrumpfter Besetzung, Nachfolger wurden bisher noch nicht benannt, entstanden die fünf neuen Stücke. Über die Zeit berichtet die Band:

„Diese EP entstand aus einer Zeit der Reflexion und Wiederentdeckung. In den letzten Jahren standen wir vor Herausforderungen, die uns zwangen, sowohl als Musiker als auch als Menschen in uns zu gehen, und die Songs auf dieser Platte sind das Ergebnis dieser Reise. Wir haben uns im Schreibprozess erlaubt, vollkommen ehrlich zu sein, und sind dabei unseren wahren Erfahrungen, Zweifeln und Emotionen auf den Grund gegangen, anstatt uns hinter ihnen zu verstecken. Diese Verletzlichkeit hat diesen Songs eine Tiefe und einen Sinn verliehen, wie wir sie bisher noch nie geschaffen haben.“

Als Gastmusiker wirkten die Bassisten Bryan Beller (JOE SATRIANI, THE ARISTOCRATS) und Adam „Nolly“ Getgood (PERIPHERY) mit. Erstmals arbeiten HAKEN als Quartett und zum ersten Mal in ihrer bald 20jährigen Karriere greifen sie die Briten auf einen externen Produzenten zurück: George Lever (LOATHE, SLEEP TOKEN) unterstützte als Co-Produzent und im Mix. Massive Veränderungen in HAKEN, die so manche weniger starke Band aus dem Gleichgewicht bringen würde und für die Progger in einem Fiebertraum münden.

Massive Veränderungen münden in einen Fiebertraum

Und dieser Fiebertraum „In A Fever Dream“ zeigt HAKEN, die sich auch musikalisch entwickelt haben. Ob dies nun aufgrund der einschneidenden Personalreduktion geschuldet ist oder diese Entwicklung vielleicht sogar ein Grund für das Ausscheiden war? Reine Spekulation.

Nerdiger Progressive Metal/Rock mit cleveren Arrangements trifft nun stärker auf Alternative Metal/Rock mit mitreißenden Melodien. Die Texte wirken düsterer, was sich auch in der dezent dunkleren Musik niederschlägt.

HAKEN agieren 2026 teils etwas geradliniger, drei der Songs sind mit drei bis vier Minuten verhältnismäßig kompakt ausgefallen. Im Kontrast dazu zwei siebenminütige Epen. Trotz auch hier noch vorhandenen atmosphärischen Flächen in Kombination mit magischen Melodien und präzisen Rhythmen liegt der Fokus nun weniger auf hoher technischer Finesse und extravaganter Vielschichtigkeit und Komplexität. Auf „In A Fever Dream“ agieren HAKEN in ihrem Sound entschlackter und zugänglicher, hier dominieren stärker eingängige Hooks, modernere Klänge, wodurch sich auch eine gewisse Nähe zu SLEEP TOKEN ergibt.

Die Gitarre, nur noch gespielt von Gründungsmitglied Richard Henshall, liefert weniger dichte Klänge, dabei rauer und zielgerichteter, weniger offensichtlich technisch, teils djentige Riffs. Es fehlen diese typischen Griffiths-Soli. Auch das Wegfallen von Green ist ein Verlust, der souveräne Bass ist weniger prägnant und charakteristisch, es fehlt diese besondere Faszination, „nur“ noch Songdienlich, aber virtuos gekonnt.

Das vielseitige, kraftvoll energische, präzise, etwas reduziertere aber immer noch progressive Schlagzeugspiel von Ray Hearne bleibt als Rückgrat der Klangwelten beibehalten. Ähnlich verhält es sich mit dem Keyboard von Peter Jones, der hier zurückhaltender spielt und sich weniger entfalten kann.

Das alles lässt dafür Sänger Ross Jennings mehr Raum. Zum ersten Mal wieder seit dem Debütalbum „Aquarius“ (2010) gibt es einige Momente im Titelsong und „Lotus“ mit Growls, damit war nun auch nicht zu rechnen und das ist eine schöne, überraschende Facette. Überhaupt ist es sein herausragender Gesang, der (auch) viel zur Qualität von „In A Fever Dream“ beiträgt, hier teilweise etwas tiefer als gewohnt.

Herausragend ist der extrem eingängige Ohrwurm-Titelsong mit seinem starken Refrain, der typisch dynamischen Arrangements, atmosphärische Synthesizer, melancholische Gitarre und Gesang, dazu im Kontrast packende Heavyness in Form von metallischer Wucht. Auch das modernere, kraftvoll riffbetonte „Delirium“ ist gut, für HAKEN geradezu geradlinig mit eingängigen Hooks, der Chorus brennt sich ein. Demgegenüber ist das abschließende, epische „Lotus“ mit sieben Minuten Spielzeit das proggigste Stück der EP. Der Song greift die musikalische Linie des Titelstücks auf, schwerer 6/8-Groove, dazwischen sanfte Passagen als auch die prog-lastigsten und härtesten Momente dieser Veröffentlichung. Großer Refrain, große Melodien. Ein echter Höhepunkt, der die Identität von HAKEN bewahrt.

Die Identität von HAKEN bewahren

„In A Fever Dream“ hat eher den Charakter eines Zwischenspiels denn eines Neuanfangs. Die individuellen Beiträge von Green und Griffiths fehlen hörbar. Dafür gehen HAKEN ein Risiko ein, entschlacken und modernisieren ihren Sound, ohne ihre Trademarks und Wurzeln zu verlieren. Es bleibt spannend, wie sich die Band weiter entwickelt.

22.07.2026

Geschäftsführender Redakteur (stellv. Redaktionsleitung, News-Planung)

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