Iron Savior - Dark Assault

Review

Wie schön, wenn man angenehm überrascht wird! So geschehen bei der neuen Scheibe von Iron Savior, deren Vorgänger-MCD ich ja vor kurzem einigermaßen negativ kritisiert habe. Aber alles der Reihe nach: Zunächst gilt es festzuhalten, dass das teutonische Power-Ensemble sowohl lyrisch, musikalisch, als auch besetzungstechnisch, einiges mit der deutschen Sci-Fi-Power-Metal-Legende Gamma Ray gemein hat. Die bange Frage ist natürlich, ob man sich hier mit reiner Abkupferei begnügt, oder eine eigene Sparte innerhalb des erwähnten thematischen Feldes finden konnte, doch dazu später mehr. Die Besetzung lässt sich schwer kommentieren, am besten sprechen die Namen für sich selbst: Gegründet vom Produzent-Veteranen Piet Sielck (Guardian, Saxon, Gamma Ray uva.), und mit solch namhaften Größen wie Kai Hansen (Ray) und Thomen Stauch (Guardian) angereichert, kann man die Combo wohl ohne Übertreibung als eine Art All-Star-Project der germanischen True-Metaller bezeichnen. Wie ihr in unserem Archiv nachlesen könnt, konnte ich mit den Eisenrettern sowohl live, als auch auf ihrer jüngst erschienenen MCD „I’ve been to hell“, die als Appetithappen auf das nunmehr vorliegende Langeisen fungieren sollte, recht wenig anfangen. Doch „Dark Assault“, das nunmehr dritte Album der Band, schlägt in eine andere Qualitätssparte. Zehn Eigenkreationen plus ein Priest-Coversong, wohl obligatorisch, lassen natürlich einen ganz anderen Raum zur Beurteilung der Band und ihrer Stärken, als dies auf der mit Coversongs überladenen MCD möglich war. Eine ausgewachsene Konzeptstory wird hier zudem entrollt, wie es bei der Band so Brauch ist. Grob gesagt geht es um die heroische Figur des Iron Savior, der die Welt vor dem Untergang durch den Angriff von Außerirdischen rettet. Schon alleine diese geniale Idee ist eigentlich zehn Innovationspunkte wert, findet ihr nicht? Wen die Einzelheiten dieser nicht gerade oscarreifen Story wirklich en Detail interessieren, der kann die Storyline am Anfang des Booklets, welches übrigens recht billig gestaltet ist, wenn man mal ein Gamma-Ray-Booklet als Vergleich heranzieht, genauestens nachlesen, aber na ja, als Sci-Fi-Autoren sind die Metaller ohnehin vielleicht nicht ganz sooo geeignet. Hervorheben möchte ich auf jeden Fall die Qualität des Songs „Predators“ und besonders des Ohrwurms „Made of Metal“, eines siebenminütigen Krachers mit coolem Refrain, der alleine schon den Kauf des Albums rechtfertigten kann. Schließlich steht für mich fest: Auch Legenden wie Gamma Ray brauchen Nachfolger, und Iron Savior sind durchaus legitime Thronerben, auch wenn sie noch viel zu lernen, und in manchem Bereich noch stark zuzulegen haben, sie möglicherweise nie die Originalität der Altmeister erreichen werden, so werden sie doch der nächsten Generation noch die eine oder andere klassische Power-Hymne um die Ohren donnern!

17.12.2000
Exit mobile version