Kamelot - Dark Asylum
Review
KAMELOT haben ihre stillen Songwriting-Kämmerlein verlassen, und herausgekommen ist mit „Dark Asylum“ das 14. Studioalbum der amerikanischen Symphonic-Power-Metal-Band. Drei Jahre nach „The Awakening“ öffnen sich die Tore zur „RavenHill“-Anstalt. Neben der Konzeptgeschichte erwarten uns einige Gäste, die den Sound erweitern. Dennoch stand die Band in der Kritik, ihre Formel zu sehr zu wiederholen. Wie sieht es anno 2026 also aus?
KAMELOT entführen uns in eine düstere Welt
Der konzeptuelle Rahmen von „Dark Asylum“ ist schnell umrissen: Es geht um ein als Kathedrale errichtetes Gebäude, das nun als Anstalt für Wissenschaft, Glaube und Wahnsinn dient. Eine viktorianische Welt voller Geheimnisse erwartet uns, und jeder Song soll ein Fragment davon ans Licht bringen. Das klingt spannend. Vielleicht sollten KAMELOT mal über einen Film à la „Imaginaerum“ nachdenken.
Am musikalischen Fundament haben Thomas Youngblood und seine Kollegen wenig geschraubt. Warum sollte man das auch, wenn man mit diesem Konzept seit Jahren großen Erfolg hat? „Dark Asylum“ feuert den melodischen, teils eingängigen symphonischen Power Metal aus den Boxen, den wir spätestens seit „Ghost Opera“ verinnerlicht haben. Die Gesangsleistung von Tommy Karevik ist so souverän wie eh und je. Bei einer Band, die seit jeher durch außergewöhnlich gute Frontmänner geprägt wurde, ist das ein wichtiges Qualitätsmerkmal.
Viele Köche verderben nicht immer den Brei
Ebenfalls typisch für KAMELOT-Alben ist eine Riege an Gästen. Der AVANTASIA-Mastermind revanchiert sich für Kareviks Auftritt auf „Here Be Dragons“ und singt auf „One Last Masquerade“ mit. Ignacia Fernández‘ Band DECESSUS ist weniger bekannt, aber die Sängerin wurde 2025 zur Miss Chile gekürt und steuert Vocals auf dem Titeltrack und „Sanctuary“ bei. Ebenfalls bei „Sanctuary“ hört man Clémentine Delauney von VISIONS OF ATLANTIS.
Auch bei den Musiker:innen hat die Gruppe fleißig rekrutiert: Lea-Sophie Fischer, die bei ELUVEITIE spielt und mit DISILLUSION auf Tour war, spielt auf „Beneath the Moon (Tunglið)“ die Violine – begleitet von gleich mehreren Sängerinnen.
Der Aufbau von „Dark Asylum“ fühlt sich sehr nach Konzeptalbum an. Es gibt ein Intro, flotte Songs, instrumentale Zwischenspiele und mit „Ivy, My Dear“ nehmen KAMELOT das Tempo auch mal komplett heraus. Das ist nicht neu, macht gut umgesetzt aber Spaß. Über die Produktion müssen wir nicht reden, denn hier sitzt jeder Ton. Der symphonische Teil wirkt durchdacht komponiert und verkommt nicht zum Selbstzweck.
„Dark Asylum“ ist die nächste gute KAMELOT-Scheibe
Mit „Dark Asylum“ zeigen KAMELOT, dass ihnen die Ideen nicht ausgehen, auch wenn das Fundament dasselbe bleibt. Irgendwo zwischen Filmscore, Power Metal und Bombast fühlen sich die Herren wohl, und das kann noch eine Weile so weitergehen.
Kamelot - Dark Asylum
| Band | |
|---|---|
| Wertung | |
| User-Wertung | |
| Stile | Melodic Metal, Power Metal, Symphonic Metal |
| Anzahl Songs | 15 |
| Spieldauer | 51:16 |
| Release | 28.08.2026 |
| Label | Napalm Records |
| Trackliste | 1. Sanctorium 2. Ashen World (feat. Ignacia Fernández) 3. Dark Asylum 4. Sanctuary (feat. Clémentine Delauney & Ignacia Fernández) 5. Nocte Veritas 6. One Last Masquerade (feat. Tobias Sammet) 7. Ivy, My Dear 8. Godlike Alchemy 9. The Sleeping Mind (Orphic Paradigm) 10. Kaleidoscope 11. Enigma (Think of Me) 12. Cassandra’s Disease 13. Beneath the Moon (Tunglið) (feat. Rannveig Sif Sigurðardóttir, Sólveig Sara Leupold, Lea-Sophie Fischer) 14. The Puppet King 15. Sanctum Requiem |
