Like A Storm - Catacombs

Review

Neuseelands derzeit heißester Exportschlager in Sachen Alternative Metal nennt sich LIKE A STORM. Und die Band um die drei Gebrüder Chris, Matt und Kent Brooks hat mit ihren ersten beiden Alben, speziell dem letzten, mächtigst aufgeräumt. Jetzt ist das dritte Album „Catacombs“ da und soll den Siegeszug fortsetzen, den die Band vor allem an der Seite von illustren Acts wie LINKIN PARK und auf renommierten Festivals wie dem Download oder Rock On The Range Festival bestritten hat.

Und das wundert auch nicht weiter, denn die Neuseeländer fahren mit ihrem modernen Sound anno 2018 einen Stiefel, der sich aus nahezu allem speist, was so angesagt ist, zuzüglich einigen Didgeridoo-Klängen, vermutlich um nach außen hin zu zeigen, woher die Band kommt. Drum herum gibt es ein wohlschmeckendes Klangpaket, bestehend aus einfachen Rhythmen und einfachen Riffs, die aufgrund mangelnder Texturierung etwas klotzköpfig daherkommen, aber das an sich ist ja nicht gleich ein Weltuntergang. Das fällt direkt beim Opener „The Devil Inside“ auf. Edgy Synthie-Gezirpe, das von der Band schließlich mit einem Schrei eingeholt wird. Und der Song nimmt Fahrt auf – und damit auch das, was an LIKE A STORM granatenmäßig sauer aufstößt.

LIKE A STORM kennen keine Scham…

Autotune? Wirklich? Nein, das ist kein Scherz, das meinen die ernst. Und das ziehen die durch, gnaden- und schamlos. Autotune ist ja schon in Pop, Rap und R’n’B erbärmlich genug, ebenso wie die Leute, die sich mit an Verblendung grenzender Regelmäßigkeit dafür in die Bresche werfen. Aber im Rock bzw. Metal, die sich beide ja irgendwann mal durch die Präsenz von echtem Handwerk auszeichneten, erreicht das digitale Zielwasser für bescheidene Sänger eine neue Dimension von „scheiße“. Und dabei sind die Gesangslinien nicht einmal sonderlich anspruchsvoll. Aber weil’s jeder im Radio macht und LIKE A STORM da scheinbar auch mit aller Gewalt hinwollen…

Und obendrauf ist songtechnisch auch nicht viel aus den „Catacombs“ zu holen. Was LIKE A STORM ganz gut können sind zugegeben die Drops, die ziehen ordentlich. Vor allem dann, wenn sie mit beherzten Geschrei daherkommen wie in „Out Of Control“. Auf Dauer muss ein Album aber mehr als solide dampfende Eckpfeiler zu bieten haben.

Und wenn es ans Fleisch zwischen den Knochen der „Catacombs“ geht, drehen sich die Neuseeländer einfach zu sehr um die eigene Achse. Wirklich interessant artet die Rhythmik zu keinem Zeitpunkt aus. Die Riffs bleiben klotzig und weitestgehend im Bratmodus agierend, selten trauen sich die Gitarren mal zu verhaltenen Arpeggios oder auch mal tatsächlichen Licks, die für den Nü-Metal-Sumpf zu komplex wären.

… unterhalten mit „Catacombs“ aber in unbeabsichtigter Weise

Apropos: Die Gitarren klingen, wie auch alles andere auf „Catacombs“, wie mit dem Brecheisen auf edgy getrimmt. Das Downtuning macht dabei eher den Eindruck, als sei es in der Nachbearbeitung entstanden. Das hat was von Gulaschsoße, in die man zum Eindicken eine Tüte Mondamin hineingeworfen hat. Ansonsten aber macht das Album produktionstechnisch schon was her. Ist bei einem so großen Release aber auch zu erwarten gewesen. Immerhin blamieren sich LIKE A STORM so nicht gänzlich bis auf die Knochen.

Stattdessen mutet die gezwungene Edginess des Gesamten eher zum Schmunzeln an, das Album hat eine gewisse, wenn auch unfreiwillige Knuffigkeit inne, über die man sich wenigstens lustig machen kann, besonders mit so tumben Chester Bennington-Anbierderungsversuchen wie in jedem Refrain des Albums, oder der verkrampften, semi-sensiblen Coolness in „Complicated (Stitches & Scars)“. Zum Sich-Wegschmeißen, besonders in mehrköpfiger, feucht-fröhlicher Runde.

Ich kann mir nicht vorstellen, ob das im Sinne der Schöpfer gewesen sein mag. Und obendrauf ist der Einsatz von Autotune natürlich ohnehin ein Disqualifikationsgrund per se. Man kann hier also sicher den Niedergang musikalischer Werte monieren. Oder eben auf seine eigene Weise Spaß mit der Platte haben, wenn man schon mal dabei ist. Ändert an ihrer Qualität zwar nichts, denn ernst kann man das hier wirklich nicht nehmen. Das macht „Catacombs“ aber immerhin im gewissen Grade hörbarer. Wenn auch nicht aus eigener Kraft…

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19.07.2018

Sitzt, passt, wackelt, hat Luft.

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1 Kommentar zu Like A Storm - Catacombs

  1. nili68 sagt:

    Naja, das ist halt teenie-Mucke. Das kann man als Erwachsener nicht wirklich bewerten…