Liveevil - Unique Constellation

Review

Man hat ja schon öfter erlebt, dass Bands aus Osteuropa sich nicht um gängige Genregrenzen scheren, sondern einfach tun und lassen, was ihnen Spaß macht und was geil klingt. Schon die polnische Extrem Metal-Szene um VADER und BEHEMOTH beschritt neue Pfade. Während allerdings die dortige Szene mittlerweile vor allem dank Pagan Metal-Bands wie METSATÖLL oder SKYFORGER bekannt geworden ist, beschreiten LIVEEVIL aus Tschechien mit ihrem zweiten Album “Unique Constellation“ ganz andere Wege.

Wobei das Grundgerüst, ähnlich wie beim Pagan, für die Musik dieser Combo wohl auch in den eher härteren Gefilden zu suchen sein dürfte. Allerdings scheint hier statt Black Metal, der altehrwürdige Bay Area Thrash Pate gestanden zu haben. Vor allem Einflüsse von TESTAMENT blitzen im tonnenschweren Riffing und in den tiefen aber sehr verständlichen Growls durch. Die Vocals haben aber durchaus noch mehr zu bieten: Auch viel cleanen Gesang gibt es dabei zu hören, der in seiner Tiefe auch schon einmal an Ville Vallo (HIM) oder Jyrki 69 (THE 69 EYES) erinnert. Dabei bleibt ihm aber immer eine gewisse Grundaggressivität erhalten, die eben an selige Zeiten in San Francisco erinnert.

Das ist aber bei Leibe noch nicht alles, was diesen Silberling ausmacht. Eine wesentliche Rolle spielen auch Keyboard und Programming. Da verwundert es doch schon sehr, dass das Quartett nicht einmal einen etatmäßigen Tastenmann in seinen Reihen hat. Vielmehr wurde diese Rolle von verschiedenen Gastmusikern ausgefüllt. Und was diese bieten, ist nicht von schlechten Eltern: In “Monochromatic Puppets“ hört man zum Beispiel kalte Klanglandschaften, die an Black Metal erinnern; “Roof Walkers“ hingegen überzeugt mit spacigem Programming aus der Dark Wave-Ecke.; und dann ist da ja auch noch das vertrackte “Monster World“, bei dem, trotz seiner Eingängigkeit, sowohl Keyboard-Spiel als auch Riffing aus der Prog Ecke stammen könnten.

Neben diesen gibt es aber noch eine ganze Reihe anderer Titel auf der Platte, die besonderer Erwähnung bedürfen. So stehen neben den neun selbst geschriebenen Songs noch zwei Cover: Das LIVEEVIL sich dabei des MEW-Klassikers “Snow Brigade“ annehmen, erscheint ob der ähnlichen musikalischen Einordnung noch relativ nachvollziehbar. Allerdings stammt der Chart-Hit “Mercy“ von Pop-Sternchen DUFFY und weist ursprünglich in eine komplett andere Ecke. Die Teschechen beweisen allerdings, wie damals schon die CHILDREN OF BODOM mit ihrer Version von “Ooops I Did It Again“, dass diese Art von Musik durchaus zu etwas taugt, wenn man sie richtig interpretiert. Mit der nachdenklich-langsamen Ballade “Lost In Love“ taucht dann neben den ganzen harten Riffs eine sehr gefühlvolle Akustik-Nummer auf und schließlich findet sich mit “One Night Story“ doch noch ein Song, der an den Humppa-Metal aus der Pagan-Szene erinnert.

Und so schließt sich der Kreis wieder und dieses Album hat doch noch einen Anschluss an den allgemeinen Trend im ehemaligen Ostblock gefunden. Und wie eingangs erwähnt ist auch typisch für die dortige Region, dass “Unique Costellation“ ganz eigene Wege geht. Ganz unterschiedliche Stile finden hier wie selbstverständlich zusammen: TESTAMENT im Dark Wave-Gewand könnte man generalisieren, hätte damit aber ein wenig zu kurz gegriffen. Denn schließlich finden sich auch noch eine ganze Reihe anderer Einflüsse. Lediglich der ausschließlich tiefe Gesang kann zwischendurch einmal ein wenig eintönig wirken. Hier hätte der Einsatz einer höheren, vielleicht weiblichen Stimme im Kontrapunkt für Abhilfe gesorgt. Eine Sängerin sollte also ebenso verpflichtet werden, wie ein Keyboarder. Dennoch liefern LIVEEVIL ein gelungenes Gesamtpaket ab. Hoffen wir also, dass ihnen nicht das Los der meisten osteuropäischen Combos zufällt, die mangels ausgebauter Promo-Strukturen hinter Oder und Neiße oftmals ungehört in der Versenkung verschwinden.

25.10.2010

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