
LUDGAR aus Linz legen ihr Debüt „Violent Visions“ vor. Die aufrichtig zwielichtigen Herren verfolgen auf diesem einen bemerkenswerten Ansatz: Sie versuchen, mit den Mitteln der Teenager-SEPULTURA und der ersten schwarzen DARKTHRONE im „Herzen“ den frühen Zeugnissen von HELLHAMMER die Prog-Attitüde auszutreiben. Mit sehr roher Gewalt selbstverständlich.
Dass eine Band so verfährt, die „Loup de Guerre“, den Namen einer mittelalterlichen Monster-Schleuder, zu LUDGAR zusammendrückt, ist folgerichtig. Aus ästhetischen und überhaupt kulturellen Gründen ist „Violent Visions“ insofern zu begrüßen. Anders als Menschen, Musiker oder Farben.
LUDGAR sind klar
Des Weiteren leisten sich LUDGAR in lyrischer Hinsicht keinen Fehltritt. „Skull Splitting Sodomy“, „Fire And Wrath“ oder „Abyssopelagic Descent“ vermitteln der stolz versehrten Zielgruppe offensiv die Sicherheit, die Texte von „Violent Visions“ zwischen klar akzentuierten Aaaarghs und Blöööarrghs lautmalerisch mitzusingen, ohne sich lächerlich zu machen. Man dichtet diesen Songs nicht enthusiastisch blaspemisch-gewalttätige Wortfetzen in die Strophen und eigentlich wird da inhaltlich gerade irgendwas analysiert oder so.
Erwähnenswert in diesem Zusammenhang: Drei von vier Mitgliedern spielen auch bei DEATH RACER, VENATOR oder ZEPTER. In ihrer neuen Zusammensetzung verneinen sie die Flower-Power-Attitüde der Genannten. Proberaum, Sonnenaufgang oder keine Schmerzen sind LUDGAR fremd.
„Violent Visions“ ist konsequent
Anders formuliert: Die Österreicher hacken sich gewollt grobschlächtig durch im Wesentlichen schnelle Stücke. Selbige beschwören den Geist jener Zeit herauf, in der die eingangs erwähnten Minderjährigen im jugendlichen Furor mindestens die Welt anzünden wollten. Garniert von hier und da dezent eingebauten melodischen Tonfolgen der Saiteninstrumente regiert also wilder Urzeit-Thrash, der aufgrund der (hier gewollt) begrenzten technischen Mittel eigentlich Black Metal ist. Im Thema steckend wissen LUDGAR zudem: Zu viel Hall auf dem Geschrei kann es nicht geben. Letzteres wiederum ist genauso konsequent monoton gehalten wie die Songs auf „Violent Visions“ konsequent auf einprägsame Riffs oder Refrains verzichten. Einschleimen können sich andere. Dass die unheilige Trance des Publikums darob irgendwann droht, in Sekundenschlaf oder gar Power Nap zu kippen, das ist der Preis, der zu zahlen ist.

Marek Protzak































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