
POISON RUIN gehen mit ihrer dritten LP „Hymns From The Hills“ einen kleinen Schritt weg von der Authentizität. Da es für die breite Masse – nicht nur der Punks – im Mittelalter noch keinen Zugang zu Aufnahmestudios generell und digitalem Equipment im Speziellen gab, hatten die Ritter-Punks aus Philadelphia ihr Debüt und ihr zweites Album „Harvest“ dem Sujet entsprechend noch zu Hause auf Tape aufgenommen. „Hymns From The Hills“ geht es zwar ähnlich, allerdings durfte Jonah Falco die Musik mixen und Arthur Rizk (POWER TRIP, INTEGRITY etc.) ein Mastering vornehmen. Dass durchs Kettenhemd nun ein maschinelles Herz leuchtet, muss allerdings nicht befürchtet werden. Die Musik der Männer um Mac Kennedy klingt weiterhin menschlich.
POISON RUIN bleiben menschlich
POISON RUIN spielen wie zuvor treibenden, melodischen, grundsätzlich melancholischen und verhallten, aber stets ritterlich kämpferischen Punk Rock. Am deutlichsten sind immer noch die WIPERS als musikalische Ideengeber herauszugenießen, im Titelsong ist als Wink mit dem Morgenstern gar die Zeile „Over The Edge“ prominent eingeflochten. Ergänzt wird das fesselnd Sehnsuchtsvolle der WIPERS insgesamt durch einen wirksamen Schuss KILLING JOKE. Und einen Hub metallischer Schwere, vor allem gegen Ende des Albums. So entfernen sich die „Hymns From The Hills“ zwar von den Dungeon-Synth-Kerkerschatten des Debüts, in der Dunkelheit bleiben sie trotzdem.
Verhandelt werden auf dieser musikalischen Grundlage diverse Kämpfe des Alltags. Und da im Mittelalter die breite Masse – auch die Punks – im Gegensatz zu heute durchaus regelmäßigen Zugang zu Dämonen, Geistern und verlassenen Burgtürmen hatte, bevölkern diese eben die Songs auf „Hymns From The Hills“.
„Hymns From The Hills“ heißt passend
Und: Der Name der Platte passt. Hymnen gibt es bei POISON RUIN im Jahr 2026 in der Tat. Wenn damit nicht Stücke gemeint sind, zu denen einem stramm irgendjemandes Flagge durchs Gehirn weht. Sondern wenn damit Ohrwürmer gemeint sind, die dazu animieren, mit erhobener Faust und mit rasendem Herzen gegen das Böse zu ziehen. (Falls edler Rappen vorhanden: umso besser.)
Derart packend gerät das oi-rumpelig-stoisch riffende „Eidolon“ mit seiner einprägsamen Gitarrenmelodie. Gleiches gilt für „Pilgrimage“, das zu Beginn die RAMONES-Kellerbar antäuscht, um sich dann als eine dunkle Metalpunk-Festung mit Synthie-Verfugung herauszustellen. Oder für „Guts (Lay Your Self Aside)“ mit seiner Streetpunk-meets-Kajal-Attitüde. Und natürlich „The Standoff“ als finaler Hymne. Aus der Reihe poltert dagegen der stumme Doom-Brocken „Sleeping Giant“.
Aber „Hymns From The Hills“ wirkt als Ganzes belebend. Mag ein Superhit wie „Härvest“, der Titelsong der vorausgehenden LP, eventuell fehlen – POISON RUIN sind da für alle, die es simpel, aber nicht stumpf mögen. Für alle, die Melodie lieben, aber Farben hassen. Für alle mit Wolken über dem Helm und Blitzen in der Seele. Oder so ähnlich.

Poison Ruïn - Hymns from the Hills
Marek Protzak































Der verlinkte Song ist super. Tolle Entdeckung. Hab mir gerade auch ein paar ältere Sachen auf YT angesehen. Gerade das genannte Härvest (warum eigentlich die bescheuerten Umlaute?!) mit dem dazugehörigen Video ist großartig.
die Umlaute haben einerseits den Grund den Bandnamen ein wenig mehr „mittelalterlich“ erscheinen zu lassen und sollte auch eine Anspielung des Motörhead Bandlogos sein.
war mir schon klar, dass das eine Anspielung sein sollte. Ich wollte eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass ich den Gebrauch von Heavy-Metal-Umlauten im Allgemeinen bei neuen Bands eher ein bisschen albern finde. Da ist es meistens entweder eine Reminiszenz an alte Bands (wie eben Motörhead) – was ja schon okay ist – oder eben eine Ironisierung. Beides fand ich, passt hier zu der Band irgendwie meines Erachtens nicht so recht. Aber is ja auch egal. Hab die Platte schon mal vorbestellt.
Nöö, das finde ich lahm und langweilig. Vielleicht verstehe ich auch nicht den Sinn dahinter, aber was soll das sein? Punkrock? Also bitte. Dann doch lieber Converge, das ist Punkrock/Hardcore, ich warte noch zu nem Review zu “ Love is not enough“…Eigentlich mag ich Reviews von Marek und den 666Friday. Aber hier gehe ich nicht daccord.
Mir gefällt das richtig gut, da steckt eine Menge vom ursprünglichen 70er-Jahre-Punkrock drin, versehen mit einer düsteren Note. Was der Converge-Vergleich (siehe Kommentar über mir) soll, verstehe ich nicht – die kommen doch aus einer völlig anderen Ecke.
Aah okay, ja. Keine Ahnung. ich finde es cool so kleine Hints einzubauen. Muss natürlich nicht sein, aber who cares? Ich finde dass es dem Album gut ästethisch steht. Zum Album selbst, ein gutes DS Intro dass dem Vorgängeralbum gerecht wird um diese medieval Feeling aufzubauen. Die Produktion ist passend, zwar nicht so rough wie die vom Vorgänger, aber es erzeugt dadurch mehr Druck. Die Bassgitarre ist wohl mein Favorit auf dem Album, fetter Sound und kommt genau da durch wo er auch zwischen den anderen Instrumenten sein sollte. Die Interludes bei den Songs sind gut platziert und die einzelnen Churchbells, Keyboards etc. erzeugen eine passende Atmosphäre ohne es aufgesetzt wirken zu lassen. Sleeping Giant ist mir persönlich zu lang und die Blastbeats wirken auf The Standoff ein wenig erzwungen. Ansonsten finde ich das Album richtig gut und eine Weiterentwickling der vorherigen Scheiben. Die Länge von fast 44 Minuten musste nicht sein, aber es wirkt nicht unnötig in die Länge gezogen. Ob es dem Vorgänger gerecht wird, wird sich erst nach ein paar Durchgängen mehr, zeigen.
Den Connect Converge finde ich auch nicht passend. Da Converge eigentlich aus der komplett anderen Sparte kommen und die Musikrichtung hier sollte Punk sein in der Verpackung von einer Metalband mit Fantasy und mittelalterlichen Elementen. Dungeon Punk oder Chain Punk oder wie man es auch nennen will. Es entsteht hier ein kleines Movement von Bands die sich immer trauen diese Ideen voranzutreiben.
Also ich finde, dass die zu einem großen Teil nach den im Review genannten Wipers klingen. Die hatten in Sachen Punk ja auch eher einen anderen Ansatz als z.B. Black Flag. Wie mein Vorredner schon gesagt hat, finde ich die Mischung zwischen Punk und Fantasy hier total gelungen, weil sie nichts von der für mich abschreckenden Mittelaltermarkt-Ästhetik hat. So in etwa, wie das auch Hällas im Rockbereich hervorragend umsetzen.