Soulfly - Conquer

Review

„Conquer“ ist es betitelt, das sechste Studioalbum der Band unter Alleinherrschaft des ehemaligen SEPULTURA-Sängers und -Gitarristen Max Cavalera. Da im Hause Cavalera nach der Vereinigung mit Bruder und SEPULTURA-Drummer Igor auf einmal wieder Gemeinschaftsarbeit und Kompromisse angesagt waren (nachzuhören bei CAVALERA CONSPIRACY), ist es auf eine Weise klar, dass das neue SOULFLY-Album so sehr wie eh und je ein Album ist, welches komplett von der ersten bis zur letzten Note aus der Feder eines einzigen Mannes stammt. Das merkt man „Conquer“ selbstverständlich an, diese Platte ist ein SOULFLY-Album mit allem, was dazu gehört. Aber ist es wirklich „nur“ ein weiterer Output der Band? Nein, denn unser Maxe macht den Titel zum Programm: Ging schon die Vorgänger-Scheibe „The Dark Ages“ (2005) vermehrt in Richtung Härte, so legt „Conquer“ nochmal einen drauf und wird zum rifflastigsten und am wenigsten von Weltmusik beeinflussten Album der Bandgeschichte.

Letzterer Fakt ist schon daran zu sehen, dass dieses Mal keine Weltreisen nötig waren, um die Platte einzuhämmern, lediglich ein Aufenthalt in Ägypten hatte bei „Conquer“ Einfluss auf das Songwriting und die Aufnahmen. Auch die hinzugekommene Härte lässt sich schon aus den Infos zum neuen Album ableiten: Keine Gastsänger wie Sean Lennon mehr, dafür ist David Vincent, Grunzer der legendären US-Death-Metaller MORBID ANGEL, auf dem Opener „Blood Fire War Hate“ zu hören, Dave Peters von den Metalcorern THROWDOWN auf „Unleash“.

Härte ist also hinzugekommen, die Weltmusik-Einflüsse sind zurückgegangen – doch was ist mit der Qualität des Materials? Um es kurz zu machen: „Conquer“ mag zwar das härteste Album der Bandgeschichte sein – aber das beste ist es nicht. Natürlich gibt es hier grandiose Songs zu hören, das eröffnende „Blood Fire War Hate“ wartet zum Beispiel mit einer genialen Hookline auf, ebenso „Enemy Ghost“, das ursprünglich als Titelsong gedachte „Warmageddon“ beginnt schleppend, bevor es zu einer coolen Midtemponummer wird, die auch in schnelleren Gefilden wildert. Abwechslung ist also durchaus gegeben, und auch der Sound ist gut gelungen. Was also verhindert, dass ich beim Hören der neuen Platte Luftsprünge mache? Ganz einfach: Die Songs sind insgesamt gesehen einfach nicht so riesig, wie sie auf „Primitive“, „Prophecy“ oder teilweise auch noch auf „The Dark Ages“ waren. Klar, die Weltmusik-Parts sind nicht ganz verschwunden, trotzdem wünsche ich mir hier und da wieder mehr davon. Meinetwegen soll es dafür auch in Sachen Härte wieder etwas geregelter gehen. Denn: Außer „Blood Fire War Hate“, „Warmageddon“ und „Enemy Ghost“ traue ich keinem der Songs zu, zu Live-Klassikern zu werden.

So ist „Conquer“ sicherlich ein Metalbrett vor dem Herrn, das durchaus seine Berechtigung hat. Trotzdem kommt es für mich nicht ganz an Alben wie die genannten „Primitive“ oder „Prophecy“ heran. Zum Headbangen aber sicherlich gut geeignet!

23.07.2008
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